Goldschmiedin in der Wiehre

Binnur Bayfidan und ihre goldige Geschäftsidee

Xenia Hübner

Von Xenia Hübner

Sa, 30. April 2016

Freiburg Süd

MENSCHEN VON NEBENAN: Binnur Bayfidan hat sich als Goldschmiedin selbständig gemacht.

WIEHRE. Binnur Bayfidan ist von Edelsteinen und Perlen umgeben, der Umgang mit Silber und Gold gehört für die türkischstämmige Goldschmiedin und Schmuckdesignerin, die im Nordschwarzwald aufgewachsen ist, zum Alltag. In ihrem Atelier "Schmucke Dinger" erschafft die 41-Jährige seit 2011 ihre kleinen, filigranen Schmuckstücke und freut sich, in der Hildastraße beruflich und privat zu Hause zu sein.

Den Beruf der Goldschmiedin hat Binnur Bayfidan nicht gleich für sich entdeckt. Erst probierte sie es ein Semester lang mit Chemie, danach folgte ein vierjähriges Studium der Deutschen Literatur, Kunst- und Medienwissenschaft und Philosophie in Konstanz. Parallel dazu absolvierte die damalige Studentin ein Praktikum in einer Konstanzer Goldschmiede und erkannte plötzlich ihre eigentliche Berufung. "Während des zehnmonatigen Praktikums merkte ich sehr schnell, dass ich doch viel lieber etwas mit den Händen machen, etwas erschaffen möchte", erzählt sie. Die Objekte des Ehepaares, bei dem sie in der Praktikumszeit gearbeitet hat, faszinierten Bayfidan: "Als ich die Stücke betrachtete, waren sie für mich zuerst gar nicht als Schmuck erkennbar, völlig abgefahren und sehr kunstvoll."

Ihre zweieinhalbjährige Ausbildung begann sie kurz darauf im Jahr 1998 in Lörrach. Die Gesellenprüfung legte Binnur Bayfidan dann 2001 ab, danach arbeitete sie ein halbes Jahr in Emmendingen. "In dieser Zeit zog es mich innerlich bereits nach Freiburg", berichtet Bayfidan. Sie habe die Stadt schon gut gekannt und wollte auch zum Studieren hierher. "Freiburg lag buchstäblich in der Luft, und ich konzentrierte mich bei der Suche auf Freiburg und Umgebung."

Die Suche war erfolgreich, und so konnte die junge Schmuckdesignerin Erfahrungen sammeln – unter anderem in der Freiburger Goldschmiede im Schwabentor – bevor sie sich 2007 selbständig machte. "Es war für mich in dieser Zeit sehr wichtig, nicht nur die deutsche Goldschmiedelandschaft zu erkunden", sagt sie, "so habe ich mich für drei Monate in die kreative Schaffensatmosphäre Londons begeben." Das System dort sei etwas anders als in Deutschland, so Bayfidan. Viele Werkstätten seien entweder in großen Häusern untergebracht, oder in kleinen Einzelgoldschmieden, doch der Vertrieb des Schmuckes laufe häufig über Galerien und Ausstellungen. "Letztendlich gab dieser inspirierende Aufenthalt auch den Anstoß für meine Selbständigkeit".

Nach ihrer Rückkehr arbeitete Bayfidan viereinhalb Jahre mit zwei Kolleginnen in der Goldschmiedewerkstatt Dreierlei, ebenfalls in der Hildastraße. 2010 kam Binnur Bayfidans Sohn zur Welt. Der sechsjährige Emil verbringt manchmal Zeit bei seiner Mutter im Atelier, "wobei ich dann natürlich nicht wirklich arbeiten kann" schmunzelt sie. Die Wohnung der beiden befindet sich an der selben Straße.

"Bei der Arbeit ist es sehr wichtig für mich, dass die Wünsche der Auftraggeber mit meinem Stil, meinen Möglichkeiten und Fertigkeiten übereinstimmen," erklärt sie. Doch genauso wichtig ist für die Goldschmiedin, dass die Kunden ein Schmuckstück in den Händen halten, das ihre Persönlichkeit und ihren Stil unterstreicht. Ihren Schmuck fertigt sie stets nach eigenen Entwürfen an, es handelt sich um individuelle Einzelanfertigungen, die Bayfidan oft auch in Gesprächen mit ihren Kunden weiterentwickelt. Ihre Arbeitsweise bezeichnet die Goldschmiedin selbst als "sehr handwerklich und archaisch". Am liebsten entwickle sie die Entwürfe am Anschauungsmaterial, das sie in ihrem Atelier bereits hergestellt habe (mehr Infos: http://www.schmucke-dinger.de

Die Mutter Binnur Bayfidans, die selbst in Deutschland geboren wurde, lebt heute in der Nähe von Istanbul. Bei Telefonaten mit ihr versucht Bayfidan, ihre Türkischkenntnisse aufzufrischen: "Auch mit meinem Sohn habe ich die ersten zwei Jahre türkisch gesprochen, doch bin ich viel klarer und auch authentischer auf Deutsch", lacht sie.

In ihrer Freizeit sorgt sie mit Yoga und Joggen für Entspannung oder besucht Konzerte oder Ausstellungen. Im Winter ist sie oft mit ihrem Sohn auf dem Schauinsland oder am Feldberg zum Schlittenfahren oder Wandern unterwegs.