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15. September 2017

Märkte in Freiburg (11)

Der Wiehremer Bauernmarkt erfüllt viele Wünsche

AUF DEM MARKT (11): Der Wiehremer Bauernmarkt bietet neben einem breiten Basisangebot auch rare und feine Besonderheiten.

  1. Gemüse und Obst passend zur Saison – und Eingemachtes fürs ganze Jahr: Agnes Jörger vom Wonnentäler Bauernladen in Kenzingen. Foto: Thomas Kunz

  2. Immer wieder was Neues rund um Oliven: Dirk Schafheutle aus Ihringen. Foto: Thomas Kunz

  3. Schönes und Süßes: Rosen (und Wein) aus Bahlingen gibt’s ebenso wie frische Waffeln von Dorothea Wülfrath, deren Mann den Markt gegründet hat. Foto: Thomas Kunz

  4. Foto: Thomas Kunz

WIEHRE. Ganz klar – der "Wiehremer Bauernmarkt" am Alten Wiehrebahnhof ist beliebt. Überall schlendern Menschen herum, an mehreren der bis zu 30 Stände bilden sich Schlangen. Hier gibt’s alles, was sich Marktfans wünschen: Gemüse, Obst, Käse und Wurst – jeweils mehrfach, in konventionellen und besonders breit gefächert auch in Bio-Varianten – sowie Brot, Nudeln, Blumen, Fisch, Oliven, Honig, frisch gepressten Orangensaft und Waffeln. Ab und zu verkauft Rotraud Ilkes sogar selbstgestrickte Socken.

Die Menschen hier mögen ihren Markt. Aber die Händlerinnen und Händler lassen sich auch extra viel einfallen, damit sich das nicht ändert. Das ist besonders beim Obst und Gemüse wichtig, wo rund zehn Stände um Kunden konkurrieren. Agnes Jörger und ihr Mann Otto Schwarz, die in Kenzingen ihre Landwirtschaft und den Wonnentäler Bauernladen betreiben, haben darum ein immer größeres Angebot an Eingemachtem entwickelt: Himbeersirup, Tomaten im Glas, Bärlauchpesto mit Schafskäse oder der "Veggy-dream"-Brotaufstrich mit Aubergine und Paprika bringen auch im Winter ein Stück Sommer zurück. Das kommt prima an, sagt Agnes Jörger. Ursprünglich war das Einmachen vor allem eine gute Möglichkeit, die vielen Sommerwaren sinnvoll zu nutzen, wenn während der Ferien die verreisten Kunden wegblieben.

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Inzwischen ist der Stand für diese Spezialangebote bekannt – neben dem je nach Saison wechselnden reichhaltigen Gemüse und Obst aus der Region. Agnes Jörger, die vor ihrer Heirat Zahnarzthelferin war, ist beim Wiehremer Markt seit seiner Gründung 1994 dabei. Sie liebt ihn unter anderem wegen "dem schönen, durch die Kastanienbäume geschützten Platz", ihren vielen Stammkunden und der familiären Atmosphäre."Hier treffen sich viele Wiehremer", sagt sie – zum Beispiel beim Kaffeetrinken an den mittendrin stehenden Tischen und Stühlen des zu den Marktzeiten geöffneten Cafés vom Alten Wiehrebahnhof.

Wer will, isst dazu eine duftende Waffel mit Puderzucker, Zimt, Apfelmus, Schokolade oder Honig von Dorothea Wülfrath. Sie hat auf einem kleinen Tisch an der Ecke ihr Waffeleisen aufgebaut und ist seit 20 Jahren dabei. Ihr verstorbener Mann Horst Wülfrath vom Bürgerverein Mittel- und Unterwiehre hatte den Markt einst mitgegründet, getragen wird er von den Bauern, die sich in einem Trägerverein zusammengeschlossen haben. Dorothea Wülfrath variiert ihre Waffelrezepte immer wieder und ist fest etabliert: "Für die Kinder bin ich die Waffel-Oma."

Richtig wohl hier fühlt sich auch Dirk Schafheutle, der mit seinem Stand "Die Olive" auch noch auf den Märkten in Herdern und Littenweiler verkauft. Ursprünglich war er vor 20 Jahren nur völlig zufällig durch die Familie seiner damaligen Frau an die Oliven geraten – damals arbeitete er noch im Außenhandel für die Zigarettenindustrie und hatte nur samstags Zeit für den Markt.

Nach drei Jahren wechselte er komplett von den Zigaretten zu den Oliven und hat das nie bereut: "Ich habe so nette Kunden, es ist einfach ein schöner Job." Längst ist er Oliven-Experte, viele bezieht er über einen Bekannten aus Mailand, andere über einen Großhändler aus Griechenland. Neben 30 von ihm eingelegten Olivenvariationen – von Klassikern mit Basilikum und Knoblauch bis zu Füllungen mit Orange – bietet er weitere Antipasti und Trockenfrüchte an. Außerdem Olivenöle aus Umbrien, Griechenland und der Toskana, von Händlern, denen er in Zeiten gepanschter Olivenöle vertraut. Zusätzlich setzt auch er auf Besonderes, was es nicht überall gibt – wie die milden, bekömmlichen Tropea-Zwiebeln aus Kalabrien, kleine, aromatische Datteltomaten aus Sizilien oder selbst gemachtem Hummus aus Kichererbsen.

Am Rande des Markts leuchten die Rosen von Waltraud und Hanspeter Weiß vom Rosen- und Weingut in Bahlingen: Zurzeit stammen alle von dort, im Freien aufgewachsen, im Winter kommen sie aus Italien – dunkelrote Barcarole-, zart-orangefarbene Polka-Rosen und viele andere. Waltraud Weiß ist eigentlich Sozialpädagogin, ihr Mann Landmaschinenmechaniker – doch 1986 begannen sie auf einem Acker mit den Rosen, 1989 dank geerbter Reben mit dem Wein. Inzwischen sind die Söhne als Weinbautechniker und Getränketechnologe dabei, die Rosen wurden zur Rosenbaumschule und einem Floristik-Betrieb ausgebaut.

Wiehremer Bauernmarkt: Samstags 8 bis 13 Uhr und mittwochs 14 bis 18.30 Uhr hinter dem Alten Wiehrebahnhof, Urachstraße 40. Ansprechpartner ist Hubert Fischer, Tel. 07665/3734.

Autor: Anja Bochtler