Grundschulaktion

Im "Slow-Mobil" können Kinder selbst testen, wie man gesund kocht

Anja Bochtler

Von Anja Bochtler

Di, 18. Oktober 2016

Freiburg Südwest

An der Adolf-Reichwein-Grundschule hat das „Slow-Mobil“ des Vereins „Junior Slow Freiburg“ Station gemacht. Kinder kochten sich aus gesunden Zutaten ihr Mittagessen selbst und lernten so einiges ganz nebenbei.

WEINGARTEN. Es dampft und zischt: Die ersten Kartoffeltaler sind gut gebräunt. Gianluca und Delin (beide 7) helfen Jutta Frowein vom Verein "Junior Slow Freiburg", sie in der Pfanne umzudrehen. Einen Vormittag lang haben Gianluca, Delin und sechs andere Kinder aus der 2c der Adolf-Reichwein-Grundschule mit drei Frauen von "Junior Slow" und ihrer Klassenlehrerin Mareike Keiber im "Slow-Mobil" gekocht. Es steht bis Ende Oktober vor der Adolf-Reichwein-Schule, ist von Frühling bis Herbst unterwegs und soll Kindern "Koch- und Esskultur nahebringen".

Von außen ist es ein Bauwagen, bunt angemalt von Jugendlichen der Waldorfschule St. Georgen. Und innen ist es eine Küche: mit Herd, Waschbecken, Regalen und allem, was nötig ist – mitsamt einem langen Tisch und Sitzbänken.

Auf denen haben sich acht Kinder der 2c ausgebreitet. Auch die anderen aus der Klasse kamen schon ins "Slow-Mobil", doch an anderen Tagen. Denn es gibt nicht genug Platz für große Gruppen. Auch so, mit acht Kindern und vier Erwachsenen, ist es ein bisschen eng – und sehr warm, weil die Kartoffeltaler in der Pfanne brutzeln und nebenan ein Topf mit Gemüse vor sich hinkocht. Gianluca dreht die Taler vorsichtig um, Delin legt neue, runde Kartoffelfladen zum Rösten in die Pfanne. Und wie schmeckt das Gemüse? Jutta Frowein gibt Kevin (7) einen Löffel zum Testen. Er lädt sich was drauf von den Kohlrabi-, Zucchini- und Karottenstückchen im Topf, pustet und probiert. "Gut", findet er.

Später, als alle am Tisch sitzen und zusammen essen, sind die Meinungen allerdings gemischt: Nicht bei den Kartoffeltalern – die finden alle lecker. Doch beim Gemüse wollen nur Kevin, Sahra (7) und noch zwei andere Mädchen Nachschlag haben, die anderen verziehen das Gesicht. Am Schluss bekommen alle das Rezept mit nach Hause, Kevin will es auf jeden Fall mal nachkochen. Im "Slow-Mobil" haben die Kinder bei allem von Anfang an geholfen: Jutta Frowein, ihre Vorstandskollegin Angelika Flesch und Mariza Penaherrera vom Kochteam haben das Gemüse und die Kartoffeln in einem Bio-Supermarkt und auf dem Markt im Stadtteil Rieselfeld eingekauft und mitgebracht, dann ging’s morgens mit den Schülern gemeinsam los – Kartoffeln schälen, Gemüse schneiden, ein Schritt nach dem anderen. Das meiste war nicht schwierig, findet Kevin.

Nur das Kartoffelpressen war eine Herausforderung, denn dafür braucht man viel Kraft. Auch der Nachtisch, der bei allen gut ankommt, ist gemeinsam entstanden: Joghurt-Sahne-Quark mit Trauben. Wichtig ist bei allem, was im "Slow-Mobil" gekocht wird: Es soll regional und saisonal sein. Außerdem ist das Essen vegetarisch und überwiegend Bio. Jutta Frowein, Angelika Flesch und die anderen rund 30 Mitglieder von "Junior Slow Freiburg" wollen Kindern im "Slow-Mobil" Freude und Neugier am Kochen und an gesundem Essen vermitteln. Statt auf Tütensuppen und andere Fertignahrungsmittel setzen sie aufs Selbermachen. Oft kennen Kinder manche, vor allem ältere Gemüsesorten überhaupt nicht mehr, sagt Angelika Flesch: "Da gehen Kulturgüter verloren." Die Frauen erzählen den Kindern auch ausführlich, woher das Gemüse stammt – vom Markt, und vorher haben es Bauern angebaut. "Für manche ist das neu, sie wissen nur, dass man Lebensmittel im Laden kaufen kann", sagt Jutta Frowein.

Zum Kochteam des "Slow-Mobils" gehören zurzeit acht Leute, sieben Frauen und ein Mann, vier sind Studentinnen an der Pädagogischen Hochschule. Den Verein "Slow Junior Freiburg" gibt’s seit 2014, er orientiert sich an der Slowfood-Bewegung, die mehr Bewusstsein für Ernährung schaffen will. Er finanziert das "Slow-Mobil" über Spenden, es ist seit vergangenem Frühling im Einsatz. Bisher stand es an Grundschulen, demnächst kommen Kindergärten dazu. Jutta Frowein war früher Dozentin an einer Fachschule für Sozialpädagogik, Angelika Flesch hatte einen Elektronikbetrieb, war aber immer begeisterte Hobbyköchin.