Porträt

Johannes Schubert ist jetzt ganz offiziell Leiter der Adolf-Reichwein-Schule

Anita Rüffer

Von Anita Rüffer

Do, 28. Januar 2016

Freiburg Südwest

"Neue Wege zu suchen ist mühsam", sagt Johannes Schubert seufzend und mischt sich ins Getümmel von Kindern und abholenden Eltern, damit bei Schulschluss alles reibungslos läuft. Die Adolf-Reichwein-Schule ist wegen Erweiterungsbauten eine Baustelle, die gewohnten Zugänge sind versperrt. In dem Gewusel ist der zierlich wirkende jugendliche Schulleiter kaum auszumachen. Den Titel trägt er seit kurzem ohne den Zusatz „kommissarisch“.

Johannes Schubert will gar keiner sein, der über allem thront und seine Direktiven ausgibt. Neue Wege sucht der 35-jährige Sonderpädagoge gemeinsam mit seinem Kollegium vor allem im pädagogischen Innenleben der Schule, und das schon seit acht Jahren. Zunächst als kommissarischer Konrektor, seit zwei Jahren als kommissarischer Leiter: ein Fels in der Brandung in den Irrungen und Wirrungen um Sanierungen und Erweiterungen und unter rasch wechselnden Schulleitungen.

Die Adolf-Reichwein-Schule ist zwei Schulen in einer

Seit Dezember entfällt das "kommissarisch": Johannes Schubert ist jetzt regulär Schulleiter der Adolf-Reichwein-Schule in Weingarten. Endlich, möchte man sagen und fragt sich, warum das, nachdem Vorgängerin Sylvia Bohn aus gesundheitlichen Gründen 2014 das Handtuch geworfen hatte, nicht schon längst geschehen ist. Schubert nimmt die Verzögerungen nicht persönlich. Schließlich hat er sich wissentlich zu Beginn seiner Schullaufbahn auf ein Experiment eingelassen, das in der Schullandschaft des Landes seinesgleichen sucht und auf keinerlei besoldungs- und verwaltungsrechtliche Routine zurückgreifen kann: Seit 2008 sind unter dem Dach der Adolf-Reichwein-Schule eine Grundschule und eine Schule für Erziehungshilfe (die ehemalige Weingartenschule aus der Sintisiedlung) vereint.

In Sachen Inklusion leistet sie seither viel beachtete Pionierarbeit. Das Miteinander von Kindern mit und ohne sonderpädagogischen Förderbedarf in Regelschulen hat im neuen Schulgesetz vom vergangenen Jahr seinen Niederschlag gefunden und damit auch einen offiziellen Weg geebnet für die reguläre Schulleiterstelle an der Adolf-Reichwein-Schule.

Für den Stelleninhaber hat das, wie er beteuert, keine vorrangige Bedeutung. Die Arbeit an dieser Schule sei für ihn eine "riesige Freude", weil in ihr gelebt und immer weiter entwickelt werde, was ihn schon während seines Zivildienstes an der Schule Günterstal (für Kinder mit einer geistigen Behinderung ) beeindruckt habe: der ganz am einzelnen Kind orientierte Unterricht. Als "pädagogisch gewinnbringend" schildert er das enge räumliche Miteinander von Sonderschul- und Grundschulpädagogen an seiner Schule, die gegenseitig "viel voneinander abschauen". Nicht nur die nach herkömmlichen Kategorien als verhaltensauffällig eingestuften 30 Schülerinnen und Schüler der Abteilung für Erziehungshilfe profitieren davon. Auch Kinder mit einer Sprach- und solche mit einer Lernbehinderung (über eine Kooperation mit der Schenkendorff-Förderschule) werden in den regulären Grundschulklassen mit unterrichtet und bekommen zusätzliche Förderangebote. Ebenso die zunehmende Zahl an Flüchtlingskindern. Ohnehin kommt ein Großteil der insgesamt 375 Schülerinnen und Schüler aus Zuwanderungsfamilien, viele der Eltern sind arbeitslos. Das pädagogische Team bastelt laut Schubert individuelle Stundenpläne und Materialien, um allen ein passendes Bildungsangebot zu machen.

Mit den Leitungsaufgaben weitgehend ausgebucht

Johannes Schubert selbst wurde nach dem Referendariat an die Adolf-Reichwein-Schule gerufen, als sie gerade fusioniert hatte, und gleich mit Leitungsaufgaben betraut, die das Unterrichten nur noch am Rande zulassen. Stattdessen will er für sein "kompetentes Kollegium" die Rahmenbedingungen schaffen, in denen "jeder einbringt, was er gut kann". In seiner Heimatstadt Freiburg eine Stelle zu bekommen, muss für den 1981 Geborenen wie ein Sechser im Lotto gewesen sein. Sein Lehrerdasein sieht er durch die Elternrolle bereichert: Mit seiner Frau und drei kleinen Kindern lebt Johannes Schubert in Günterstal.