Quartiersarbeit

Seit 20 Jahren gestalten Rieselfeld-Bewohner mit dem Verein "Kiosk" ihr Zusammenleben

Ralf Strittmatter

Von Ralf Strittmatter

Fr, 17. Juni 2016

Freiburg Südwest

Die Quartiersarbeit vom Stadtteilverein „Kiosk“ gibt es in Rieselfeld seit 20 Jahren. Nicht zuletzt dem ehrenamtlichen Engagement der Anwohner ist es zu verdanken, dass das Angebot für Menschen, ihr Leben im Quartier mitzugestalten, ausgesprochen vielfältig ist.

Am Kiosk um die Ecke decken Menschen ihren täglichen Bedarf, treffen sich und tauschen sich aus. Daran hat sich der Stadtteilverein "Kiosk" bei seiner Namensgebung orientiert. Die Abkürzung steht für "Kontakt, Information, Organisation, Selbsthilfe, Kultur". "Als Träger des Stadtteiltreffs Glashaus bieten wir den Bewohnern alles, um ihren Lebensraum und das tägliche Miteinander selbst zu organisieren", sagt Geschäftsführerin Daniela Mauch (48). Das weitgehend von der Stadt finanzierte Modellprojekt sollte vor 20 Jahren mit den Bewohnern soziale Strukturen in dem am Reißbrett entstandenen neuen Stadtteil aufbauen, die andernorts über Jahrzehnte entstehen. Mauch begleitet die Rieselfelder seit 15 Jahren: "Viele empfinden ihr Leben fast wie betreutes Wohnen und fühlen sich wohl damit", sagt die Diplom-Sozialpädagogin. Entsprechend hoch ist das nachbarschaftliche Engagement.

Insgesamt haben sich mittlerweile 18 Bewohnerangebote etabliert, in denen sich rund 150 Menschen ehrenamtlich engagieren. Begleitet werde sie von 30 hauptamtlichen Mitarbeitern (alles Teilzeitkräfte mit 5 bis 30 Wochenstunden), zusätzlich zu den professionellen Angeboten Sozialberatung, Quartiers- und Jugendarbeit. Die Hilfestellung richtet sich generationenübergreifend an Menschen aus unterschiedlichen Milieus und mit verschiedenen kulturellen Hintergründen. "Viele Angebote sind inklusiv", sagt Mauch, ermöglichen also auch Menschen mit Behinderung gleichberechtigte Teilnahme.

Eine noch junge Gruppe ist der Schachtreff für Kinder und Jugendliche, den Alexander Oguguo ins Leben gerufen hat. Der Familienvater wohnt seit Juli in Rieselfeld, seit Januar gibt er Schachunterricht im Stadtteiltreff "Glashaus": "Ich habe Frau Mauch eine Mail mit der Idee für eine Schachgruppe geschrieben", erzählt der 44-Jährige. Daraufhin sei er zum persönlichen Gespräch eingeladen worden. Weil es schon einen Schachtreff für erfahrene Spieler gab, aber kein Angebot für Kinder und Jugendliche, habe man sich auf eine Nachwuchsgruppe geeinigt.

Am Angebot nehmen Jungen und Mädchen zwischen 6 bis 16 Jahren teil. Am Anfang bauen alle gemeinsam auf – Tische, Stühle und Spielfelder: "Schwarzer König auf weißes Feld", erklären die Kinder den Ausgangspunkt. Dann wird drauflosgespielt. Der 14-jährige Johannes Hahn ist Teilnehmer der ersten Stunde: "Ich habe schon früher Schach gespielt", sagt er, "durch die Gruppe bin ich aber viel besser geworden." Die Kids lernen durch gegenseitiges Beratschlagen und Mitfiebern bei den Partien voneinander. Oguguo gibt Tipps und korrigiert, falls nötig. An einem Magnet-Spiel an der Wand erklärt er Spielzüge wie Rochade oder klassische Spieleröffnungen. "Die Schachgruppe wird gut angenommen", sagt Oguguo, "die Zahlen schwanken, aber ein fester Kern kommt regelmäßig."

Eine Gruppe, die sich schon etabliert hat, ist die Dietenbach-Flüchtlings-Initiative (Diefi). Seit Anfang 2014 engagieren sich 60 Ehrenamtliche nicht nur aus Rieselfeld, sondern auch aus Haslach und Weingarten. In thematischen Arbeitsgruppen organisiert, bieten sie Sprachkurse, Hausaufgabenbetreuung oder Begleitung im Alltag für Geflüchtete an. "Wir begreifen diese Hilfe als natürliche Aufgabe", sagt Ulrich Plessner, Vorstandsmitglied bei "Kiosk" und Mitbegründer von Diefi. Noch bevor der Ansturm von Hilfsbedürftigen ankam, so Plessner, hätten sich Bewohner anderer Stadtteile gegen den Bau von Flüchtlingsunterkünften ausgesprochen. Demgegenüber soll Diefi ein deutliches Zeichen setzen. Auch innerhalb der immer weiter wachsenden Initiative ist die Solidarität groß. Um Angebotsüberschneidungen zu vermeiden, koordiniert "Kiosk" die einzelnen Gruppen: "Wir schauen, dass etwas stattfinden kann", sagt Plessner. Außerdem schult Kiosk ehrenamtliche Helfer für Diefi und verwaltet die Spenden für die Initiative.

Mit den Diefi-Ehrenamtlichen hat sich das von "Kiosk" begleitete Engagement in den vergangenen 20 Jahren laut Daniela Mauch fast verfünffacht.