Wenn Schlager-Träume wahr werden

Anja Bochtler

Von Anja Bochtler

Sa, 14. Dezember 2013

Freiburg Südwest

Eine Schlagersängerin an der Adolf-Reichwein-Grundschule: Carla Graf ermutigte die Kinder der 3 a , ihre Sehnsüchte zu verfolgen.

WEINGARTEN. Vor der Tür der 3 a stehen die Klassensprecher Domani und Anastasia (beide 8) und sind aufgeregt. Drinnen im Klassenzimmer stehen die 23 anderen Kinder der 3 a und sind auch aufgeregt. Immer wieder zischt jemand: "Sie kommt!" Da werden alle noch ein bisschen aufgeregter. Es dauert. Irgendwann aber ist sie da: Carla Graf, die Schlagersängerin, ist gestern zu Besuch in die Adolf-Reichwein-Grundschule gekommen. Darüber haben sich alle gefreut – besonders die Schulsekretärin Karin Peter. Sie ist die Schwester der Sängerin.

Carla Graf ist noch beim Soundcheck in der Aula. Die Kinder warten. Der Lehrer Sven Hertel hat seine Klasse vorbereitet, an der Tafel hängen Bilder, Texte, ein Willkommensgruß – dann ist es soweit: Anastasia und Domani führen Carla Graf herein. Sie strahlt – die ganze Zeit lächelt sie ohne Pause. Sie erzählt, dass auch sie aufgeregt ist. Dann geht’s richtig los, die ganze Klasse singt: "Wie ein Weihnachtskarussell dreht sich unser Leben schnell, seine Spieluhrmelodie – im Herzen trag’ ich sie." Carla Graf bedankt sich, später wird sie ihr Lied selbst singen, auf der Bühne in der Aula. Doch erst haben die Kinder der 3 a sie ganz für sich. "Welche Sprache sprichst du?" fragt ein Junge – die 3a ist, wie die ganze Adolf-Reichwein-Schule, international. Auch Carla Graf spricht mehrere Sprachen, außer Deutsch, Englisch und Französisch auch Rumänisch, sie ist nämlich in Rumänien geboren.

"Du siehst ja ganz anders aus als die Frau Peter!" staunt einer. Ein anderer widerspricht: "Doch, du siehst aus wie die Frau Peter. Du hast dasselbe Gesicht!" Carla Graf lacht: "Sie ist auf jeden Fall meine Lieblingsschwester – und meine einzige." Karin Peter ist seit vier Jahren Sekretärin an der Adolf-Reichwein-Schule, sie ist fast zehn Jahre älter als ihre "kleine Schwester" Carla Graf. Die Idee, sie an der Schule auftreten zu lassen, kam von der Schulleitung, und als Lehrer Sven Hertel sie mit Kollegen bei einem Auftritt auf der Freizeit-Messe sah, lud er sie in seine Klasse ein. Carla Graf ist im Hauptberuf Architektin beim Erzbischöflichen Bauamt in Konstanz, seit ein paar Jahren macht sie nebenbei ihren Traum, das Singen, wahr – dieses Jahr trat sie beim "Alpen Grand Prix", einem Wettbewerb für Schlager und Volksmusik, in Südtirol auf.

Wie fing alles an? Carla Graf erzählt es den Kindern: Das war in Rumänien in einem Kino, in dem ihre Großmutter sie "abgeladen" hatte, weil sie in Ruhe einkaufen wollte. Carla Graf war sechs Jahre alt, es lief der Film "Kinderarzt Doktor Fröhlich". In der Hauptrolle: Der Schlagersänger Roy Black. "Ich war so fasziniert, ich dachte: Das will ich auch tun, auf der Bühne stehen und singen."

Sie will wissen: Wovon träumen die Kinder? Auf den Texten an der Tafel hat jedes Kind seinen Traum aufgeschrieben, ein paar erzählen, was sie sich ersehnen: Fünf Jungs wollen Fußballer werden – auch Gino (8), doch er hat noch eine Alternative, nämlich Dinosaurier-Forscher. Ein Junge will Lehrer werden, einer Tierarzt, drei Mädchen wären gern Sängerinnen, eine von ihnen vielleicht auch "Naturkünstlerin", sie will die Natur malen. Iman (8) plant nicht so weit, dafür aber phantasievoll: "Ich wünsche mir, mit einem Drachen über Berge und Wälder zu fliegen wie ein Vogel. Und einen Hund aus dem Tierheim!" Carla Graf hat auch zwei Hunde, Straßenhunde aus Rumänien, und eine Katze. Dann ist die Zeit um. Zum Abschluss versprechen alle, an ihren Träumen dran zu bleiben, damit sie vielleicht wahr werden. Es geht in die Aula.

Dort drängen sich unter 400 Adolf-Reichwein-Schülern auch Ayat, Fruzsina, Davina (alle 10) und Bersan (9) aus der 4 d . Alle klatschen, singen, wiegen sich im Schlager-Takt, als Carla Graf am Mikro mit "Weihnachtskarussell" loslegt und mit "Herzklopfen" weitermacht. Jetzt ist sie ganz Schlagersängerin, trippelt über die Bühne, trällert "bum-dubi-bum-dubi-bum" – und lächelt unermüdlich.