Stadtplanung

Wie geht's weiter mit dem Quartier Haid?

Jelka Louisa Beule

Von Jelka Louisa Beule

Do, 09. März 2017

Freiburg Südwest

Über das Konzept für das Quartier Haid wurde erneut diskutiert, nun geht’s in den Gemeinderat.

HAID. Auch wenn noch längst nicht alles fix ist: Der rote Faden ist klar erkennbar. So fasste Stadtplanungsamtsleiter Roland Jerusalem am Dienstagabend das neue Rahmenkonzept für das Quartier "Auf der Haid" zusammen, das sich nördlich und östlich an das Gewerbegebiet Haid anschließt. Ein Schwerpunkt ist die geplante neue Bebauung am "Lindenwäldle", zudem soll es eine Quartiersmitte geben. Doch nicht alle Bewohner sind glücklich mit den Ergebnissen. Viele machten sich Sorgen um zunehmenden Verkehr. Am Beteiligungsverfahren gab es Kritik.

Ein Jahr lang haben sich Planer und Bürger gemeinsam Gedanken über die zukünftige Entwicklung des Quartiers "Auf der Haid" gemacht, das zwischen Besançonallee, Guildfordallee, Opfinger Straße und Bahnlinie liegt. Diese etwas abgeschottete Lage veranlasste das Planungsbüro Metris aus Heidelberg, seine Ideen unter das Motto "Neuentdeckung einer Insel" zu stellen. Den Entwurf von Metris hielt eine Jury im vergangenen Jahr für den besten, insgesamt hatten vier Architekturbüros ihre Planungen für die drei Vertiefungsbereiche (siehe Grafik) vorgestellt. Die Bürger durften ebenfalls einen Favoriten küren. Das war jedoch das Büro "Kister, Scheithauer, Gross", Metris landete bei ihnen nur auf dem zweiten Platz.

Dass die Planungen jetzt doch auf der Grundlage des Büros Metris erfolgen sollen, erfuhren die Bürger erst am nächsten Tag aus der Zeitung. Aber nicht nur deshalb gab es bei der Abschlussveranstaltung auch kritische Stimmen. Mehrere Teilnehmer bemängelten das Verfahren. Dieses war mit insgesamt drei Veranstaltungen sehr umfangreich, dennoch seien die Anregungen der Bürger und eine allgemeine Debatte nicht gewünscht gewesen, meinte eine Teilnehmerin. Stattdessen hätten die Planer nur ihre Konzepte mit "einlullenden Begriffen" verkauft. Viele Bewohner seien skeptisch, was auf sie zukomme, sagte eine andere Frau. Stadtplanungsamtschef Roland Jerusalem hielt dagegen: Dass überhaupt ein Rahmenkonzept erarbeitet worden sei, gehe auf die Initiative des Bürgervereins Haid zurück. Das bestätigte dessen Vorsitzende, Gabriela Bernauer. Sie erinnerte an zwei Umfragen im Quartier, auf deren Ergebnissen das Rahmenkonzept nun basiere. Auch der Bürgerverein Weingarten, der offiziell für einen Großteil des Quartiers "Auf der Haid" zuständig ist, sehe Veränderungsbedarf, sagte Jerusalem.

Bei der Abschlussveranstaltung am Dienstag Abend hatten die Bürger noch einmal Gelegenheit, sich zu äußern – diesmal konkret zu den Details des Entwurfs von Metris. "Das Top-Thema war der Verkehr", resümierte Metris-Mitinhaber Thorsten Erl nach der Debatte, die in mehreren Kleingruppen geführt wurde. Insgesamt – so die derzeitige Schätzung – könnten im Quartier 500 neue Wohnungen entstehen. Die Bewohner befürchten Probleme durch die zusätzlichen Fahrzeuge. Auch der Vorschlag von Metris, die auf der Straße und in zahlreichen kleinen Garagen abgestellten Autos in einer Quartiersgarage zu bündeln und den freiwerdenden Platz anderweitig zu nutzen, stieß auf wenig Gegenliebe. Potenzial für neue Wohnungen gibt es vor allem am "Lindenwäldle": Dort sieht der Entwurf drei kleine, neue Wohnquartiere vor, mit dazwischen liegenden Grünflächen und einem "Haid-Park" Richtung Besançonallee. Die Bürger regten an, bei der neuen Bebauung auf eine größere Mischung zu achten. So sollten neben Mehrfamilienhäusern auch Reihenhäuser entstehen, meinten sie. In der Quartiersmitte am Umspannwerk schlägt Metris einen Treffpunkt vor, mit Einkaufsmöglichkeiten, einem Café und Wohnmöglichkeiten für Senioren. Den Ostteil des Quartiers rund um die Straße Rosenstauden haben die Planer unter das Motto "Arbeiten und Wohnen" gestellt.

Über die Ergebnisse des Rahmenkonzepts wird der gemeinderätliche Bauausschuss in der kommenden Woche debattieren, Anfang April soll das Konzept vom Gemeinderat abgesegnet werden. Ob und wann die Ideen umgesetzt werden, ist derzeit noch unklar. Das Rahmenkonzept hat keinen verbindlichen Charakter. Jerusalem kündigte jedoch an, dass für die Bebauung der Quartiersmitte bereits ein Investor Interesse signalisiert habe. Auch am "Lindenwäldle" gibt es dringenden Handlungsbedarf, weil die dortigen Gebäude der Freiburger Stadtbau schon lange sanierungsbedürftig sind. Das Rahmenkonzept hat insgesamt 70 000 Euro gekostet, die Hälfte davon zahlte das Land aus dem Programm "Flächen entwickeln durch Innenentwicklung".