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30. Juni 2009

Den Bach aus dem engen Bett holen

Der Tuniberg-Neugraben soll wieder naturnäher werden

  1. Der Neugraben – hier auf der Höhe von Opfingen – verläuft meist schnurgerade durch die Landschaft. Das soll sich ändern. Foto: Faller

TUNIBERG. Wer hätte gedacht, dass dem Tuniberg-Neugraben eine solche Bedeutung zukommt. "Der Bach ist einer der wenigen Verbindungen zwischen Schwarzwald und Rhein, die das ganze Jahr über Wasser führen", erklärte Hans-Günter Weiss aus dem Umweltamt jüngst in den Ortschaftsratssitzungen am Tuniberg. Da kommt es nicht von ungefähr, dass der Bach bei der Umsetzung der EU-Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) im Stadtgebiet neben der Dreisam als sogenannte Programmstrecke eine wichtige Rolle spielt.

Die Ortschaftsratsgremien beschäftigten sich mit dem Thema im Vorfeld einer Beratung im Gemeinderat am heutigen Dienstag. Der Ursprung des Tuniberg-Neugrabens ist in Horben. Als Selzenbach fließt er von dort ins Hexental, passiert als Reichenbach Merzhausen, als Dorfbach St. Georgen und als Kretzbach Wolfenweiler, Tiengen, Opfingen, Waltershofen und Umkirch. Bei Riegel mündet er in die Dreisam.

Tuniberg-Neugraben heißt der Wasserlauf mit den vielen Namen seit Ende der 1950er Jahre auch noch. Denn damals wurde er begradigt und tiefergelegt, um die Hochwassergefahr zu verringern und die Feldflur zwischen der Tunibergwestkante und dem Mooswald zu entwässern. Von alters her bestanden dort Wiesen, weil der Boden von Natur aus zu nass war, um Ackerbau zu betreiben. Mit dem Rückzug der Viehhaltung aus den Betrieben wurde so viel Gras nicht mehr benötigt, bei Staunässe aber können Getreide- und Maiskulturen nicht gedeihen.

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Die Bestandsaufnahme des Regierungspräsidiums im Zuge der Planung für die Umsetzung der Wasserrahmenrichtlinie hat nun unter anderem ergeben, dass die Durchlässigkeit des Neugrabens für Fische verbessert werden müsse. Auf der Höhe von St. Nikolaus besteht ein Wehr, womit Wasser in den Waltershofener Mühlenbach abgeleitet wird. Der passiert die Löffel-Mühlen GmbH, hat dort früher auch das Mühlwerk betrieben, und vereinigt sich auf der Höhe der Hunderennbahn wieder mit dem Neugraben. Eine Fischtreppe könnte Abhilfe schaffen. Laut Hans-Günter Weiss werde geprüft, ob der Mühlenbetreiber oder die Stadt diese Maßnahme finanzieren müsse.

Abgesehen davon ist vorgesehen, das Bachbett aufzuweiten und seine Ufer abzuflachen. Das geschehe, um die Fließgeschwindigkeit zu verringern, was neben der ausreichenden Wassermenge eine wichtige Voraussetzung dafür sei, dass Fische einen Bach in beide Richtungen durchwandern könnten, erklärt Jürgen Bolder, Leiter des Eigenbetriebs Stadtentwässerung auf BZ-Anfrage. Auch sollen die Ufer naturnah mit Weiden, Haselbäume, Eschen, Traubenkirschen und Erlen bepflanzt werden. Nach der Begradigung wurden an seinen Ufern Pappelbäume gepflanzt, die in Italien und Kanada beheimatet sind. Ihre Blätter weisen eine deutlich dickere Wachsschicht auf als die Blätter der heimischen Schwarzpappel etwa, zersetzen sich daher viel langsamer und können von den hiesigen Wassertieren nicht verzehrt werden. Ein weiterer Nachteil dieser Bäume ist, dass ihre Wurzeln nicht zur Ufersicherung beitragen, weil sie vom Wasser weg streben.

Der städtische Gewässerentwicklungsplan sieht die Renaturierung des Neugrabens seit langem vor, ein rund 300 Meter langes Teilstück zwischen St. Nikolaus und Waltershofen wurde im Jahr 1999 bereits umgestaltet – als Ausgleichsmaßnahme für die Bebauung im Opfinger Gebiet "Hugstmatt". Die Wasserrahmenrichtlinie wird das Vorhaben nun beschleunigen, denn bis zum Jahr 2015 müssen Bäche, Flüsse und Seen einen guten ökologischen Zustand erreicht haben.

Autor: Silvia Faller