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08. November 2016

Zehnjäjhriges Bestehen

Die "Jugendhütte Tiengen" gehört inzwischen zum Dorfalltag dazu

In der Tiengener Jugendhütte, die vor zehn Jahren eröffnent wurde, wechseln die Nutzergruppen schnell. Für Kontinuität sorgt der "Arbeitskreis Jugendhütte Tiengen".

  1. Im „Arbeitskreis Jugendhütte Tiengen“ engagieren sich (von links) Ruthild Surber, Christa Bähr, Tanja Zöller, Frank Beelitz, Heidrun Mößner, Alfred Plank, Regina Schafholz und Christa Knirsch. Rechts im Hintergrund der „Street-Workout-Park“. Foto: Rita Eggstein

TIENGEN. Die Zeiten, als sich Jugendliche abends in größerer Zahl an Tiengens Bushaltestellen versammelten und von Nachbarn als Störenfriede empfunden wurden, sind vorbei. Genau gesagt: seit zehn Jahren. Ende November 2006 war die offizielle Einweihung der "Jugendhütte Tiengen", was der Arbeitskreis (AK) gleichen Namens mit einem Fest in Erinnerung rief und zur Zwischenbilanz nutzte.

Zu Beginn seien die Widerstände gegen den Bau einer Hütte für die Jugendlichen in unmittelbarer Nähe des Dreschschopfs am Ortseingang von Tiengen groß gewesen, berichtet Christa Bähr, ehemalige Ortschaftsrätin und Vorsitzende des achtköpfigen Arbeitskreises. Die Jugendlichen machten doch alles kaputt, und ein Container würde reichen, hieß es. "Damit wären wir den Jugendlichen aber nicht gerecht geworden", sagt Bähr. Mit Unterstützung der damaligen Ortsvorsteherin Ruthild Surber sei es gelungen, den Ortschaftsrat zu überzeugen. Sie habe die Jugendlichen zu einer öffentlichen Sitzung ins Rathaus eingeladen, was den Wendepunkt gebracht habe. Die Diskussion mit den Jugendlichen habe die Räte überzeugt. Es sei jedoch alles in allem ein mühsamer Prozess gewesen.

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Den Ausschlag gab schließlich der Verkauf des ehemaligen Kindergarten-Areals an der "Alten Breisacher Straße". Bähr: "Mit Geld aus dem Verkauf konnte die Hütte erstellt werden." Nicht ganz einfach sei für die Jugendlichen der Lernprozess gewesen, verantwortungsvoll mit der Hütte umzugehen. "Ich sehe es als großen Erfolg, dass die jungen Menschen das geschafft haben", so Bähr, "es hätte sonst nie so gut funktioniert." Und: "Inzwischen ist das Haus für die Jugend fest im Ort verankert und akzeptiert."

Die Regularien stehen fest: Abends ist ab 18 Uhr – sofern nichts anderes abgesprochen wurde – die Schlüsselübergabe an eine Person möglich, die mindestens 16 Jahre alt sein muss. Bis 24 Uhr ist die Hütte kostenlos offen für alle, die vorbeikommen. Sie ist vor allem für die Jugend da, aber tagsüber kann sie bei Bedarf auch der Schülerhort nutzen. "Am Wochenende ist die Hütte bei den Jugendlichen eher selten gefragt", so die Vorsitzende. Zu beobachten sei das vor allem in den Monaten, an denen Wein- und Dorffeste zum Besuch einladen. Dann wird die Hütte attraktiv für private Veranstaltungen wie Geburtstage, Abschlussfeiern oder Familienfeiern. Selbst der Supermarkt im Dorf hat sie für sein Betriebsfest gebucht. Gegen Nutzungsgebühr und Kaution kann sie maximal zweimal im Monat am Wochenende von Privatleuten genutzt werden sowie unter der Woche immer dann, wenn absehbar ist, dass die Jugendlichen keinen Bedarf haben.

Was sich in all den Jahren nie verändert habe, sei die Unterstützung des Ortschaftsrates und des Vereins "Kinder- und Jugendarbeit am Tuniberg" sowie die Bereitschaft der Mitglieder des Arbeitskreises, bei Bedarf helfend einzuspringen, sagt Bähr. Sechs von ihren sieben Mitstreitern seien von Anfang an dabei gewesen. Einen Wandel habe es im Verhalten der Jugendlichen gegeben. "Sobald einer mit 18 Jahren den Führerschein gemacht hat, ist zunehmend die Versuchung groß, zusammen mit anderen in die Stadt oder zu Festen in der Umgebung zu fahren", sagt die Vorsitzende. Auch der Wechsel der Besuchergruppen erfolge schneller als zu Beginn: "Wenn sie mit 17 oder 18 Jahren einen Abschluss haben, gehen viele von ihnen weg aus Tiengen." Das ändere aber nichts daran, dass die Jugendhütte sich im Dorf endgültig etabliert habe.

Autor: Eva Opitz