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06. November 2012

Eine Hütte als Treffpunkt

MENSCHEN VON NEBENAN: Christa Bähr engagiert sich seit vielen Jahren für Tiengens Jugendliche .

  1. Christa Bähr Foto: Michael Bamberger

TIENGEN. Es sei gut zu wissen, dass es Menschen gibt, auf die man sich hundertprozentig verlassen kann. Zu diesen Menschen zählt nach Einschätzung von Tiengens Ortsvorsteherin Ruthild Surber ihre Ratskollegin Christa Bähr. Seit vielen Jahren setzt sie sich ein für Tiengens junge Einwohner.

"Ich bewundere sie. Zugang zu Jugendlichen zu bekommen und auch zu halten, ist eine Herausforderung. Christa Bähr schafft das. In ihrer Arbeit bringt sie ihre Liebe zum Menschen zum Ausdruck, für unseren Stadtteil ist das von unschätzbarem Wert", sagt Ruthild Surber. Tatsächlich engagiert sich Christa Bähr seit vielen Jahren für Jugendliche, und zwar als stellvertretende Vorsitzende des Vereins Kinder- und Jugendarbeit Tuniberg und als Leiterin des Arbeitskreises "Jugendhütte Tiengen", dem neben ihr, Ruthild Surber und dem Ortschaftsrat Michael Stowasser vier weitere Frauen aus Tiengen angehören. Christa Bähr und Ruthild Surber waren es auch, die vor sechs Jahren die Initiative ergriffen hatten, einen Treffpunkt zu schaffen und den Ortschaftsrat davon zu überzeugen. Ergebnis ist die Hütte beim Dreschschopf: finanziert durch einen Grundstücksverkaufs, getragen von der Ortsverwaltung und pädagogisch begleitet vom Verein Kinder- und Jugendarbeit Tuniberg.

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Gab es bis vor eineinhalb Jahren ein Leitungsteam, das von Christa Bähr begleitet regelmäßig offene Treffs ausgerichtet hat, sind es derzeit Jugendliche oder Familien, die die Hütte gegen ein Entgelt mieten. Zudem bietet der Verein dienstags dort am frühen Abend einen Treff für 13- bis 16-Jährige an.

"Die Engagierten der ersten Jahre sind im Beruf oder im Studium angekommen. Auch wenn es zur Zeit keine Leiterrunde gibt, ist die Hütte wichtig", erklärt Christa Bähr. Wer immer sie nutzt, Christa Bähr ist die erste Ansprechpartnerin. Sie vergibt den Schlüssel, wacht darüber, dass das Aufräumen und Putzen klappt, kümmert sich um die Instandhaltung und wirkt auch als Vermittlerin zur Ortsverwaltung und zum Jugendsachbearbeiter im Polizeiposten Rieselfeld, in dessen Zuständigkeit die Freiburger Tunibergstadtteile fallen. Akut war das zuletzt im Sommer 2010, als sich jugendliche Unruhestifter Tiengen wieder einmal als Wirkungsort ausgesucht hatten. "Das wechselt", weiß Christa Bähr. "Zurzeit ist es ruhig bei uns."

Abgesehen von solchen Hochs und Tiefs hat sich nach ihrer Einschätzung die Situation in Tiengen durch die Einrichtung der Hütte generell gewandelt: Hatten sich die jungen Leute aus dem Dorf samt ihren Freunden von auswärts zuvor an wechselnden Plätzen getroffen, etwa an der Markgrafenschule, beim Kindergarten und bevorzugt in der Umgebung des Tuniberghauses, wissen sie nun: Beim Dreschschopf ist unser Platz. "Wir hatten zuvor große Probleme. An den sporadischen Treffpunkten blieb eine Menge Müll zurück. Auch gab es oft Klagen von Anwohnern wegen Lärm", erinnert sich Christa Bähr.

Der Ortschaftsrat sah sich zum Handeln herausgefordert. "Jugendliche sollten einen Raum bekommen und erfahren, dass sich etwas erreichen lässt, wenn man zusammenarbeitet und Verantwortung übernimmt", erklärt Christa Bähr die Ziele. Dass die erreicht wurden, hat unter anderem das im Oktober 2010 gestartete Modellprojekt "pro eto" belegt, wonach Mitarbeiterinnen des Bildungsinstituts "Pro Phila" von Pro Familia Freiburg ein Jahr lang regelmäßig in der Hütte präsent waren( die BZ berichtete). In Gespräche wollten sie die jungen Leute anregen, ihre Lebenssituation zu reflektieren und über Berufswahl und die Gestaltung von Partnerschaft und Beziehung nachzudenken. In Tiengen erlebten die Pro-Phila-Leute eine Gruppe, die in der Lage war, andere Jugendliche mit Schwierigkeiten aufzufangen und Halt zu geben.

Christa Bähr sieht sich durch ungezählte persönliche Erfahrungen bestätigt, dass es sich lohnt, sich für Kinder und Jugendliche einzusetzen. Die 57-Jährige wohnt seit 1986 in Tiengen, seit 2004 gehört sie dem Ortschaftsrat an. Aufgewachsen in Rheinland-Pfalz kam sie 1974 zum Studium nach Freiburg an die damalige Evangelische Fachhochschule. Von 1981 bis 1983 war sie Gemeindediakonin in der evangelischen Kirchengemeinde Staufen, seit 1984 unterrichtet sie an der Georg-Kerschensteiner-Berufsschule in Müllheim evangelische Religion. Christa Bähr ist verheiratet und Mutter zweier erwachsener Söhne.

Autor: Silvia Faller