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15. März 2017

Umfrageergebnis

Ortschaftsrat Opfingen diskutierte Studie zur Lebenssituation der Über-55-Jährige

Wie wird man älter in Opfingen? Dass dies ein Thema in Opfingen ist, zeigte die große Zuschauerzahl in der Ortschaftsratsitzung am Montagabend.

Unter dem Titel "Generation 55 plus: Lebensqualität und Zukunftsplanung" wurden von der Stadt Freiburg im vergangenen Jahr Daten zur Lebenssituation, Gesundheit und Pflegebedürftigkeit der Menschen erhoben. Es ging dabei um Fragen zu den Themen "Wohnen und Wohnumfeld", "Kriminalität", "Netzwerke (Angehörige, Freunde)", "Versorgungswunsch und Versorgungsrealität im Falle eines Hilfe- oder Pflegebedarfs" sowie "Übernahme von Pflegeverrichtungen". Weitere Fragen betrafen das aktive Älterwerden. Dazu gehörten Fragen nach körperlichen Aktivitäten, Fort- und Weiterbildung, Internetnutzung und ehrenamtlichem Engagement.

Aktuell haben das Amt für Bürgerservice und Informationsverarbeitung und das Amt für Soziales und Senioren die Ergebnisse der Befragung in einer umfangreichen Broschüre vorgelegt. Die wichtigsten Erkenntnisse, die sich dabei für Opfingen ergeben haben, teilte Ortsvorsteherin Silvia Schumacher (Bürger für Opfingen) den Räten mit: Der Stadtteil zeichnet sich unter anderem dadurch aus, dass ein großer Teil der Über-55-Jährigen noch erwerbstätig ist, die Einbindung in soziale Netzwerke ist recht hoch. Keinen Grund zur Unzufriedenheit haben die Opfinger auch mit ihrer Wohnsituation. Hier ist der Anteil der mit der Wohnung Unzufriedenen der niedrigste von allen Teilgebieten.

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Rätselraten über schlechte Bewertung der Infrastruktur

Minuspunkte gab es aber insbesondere bei der Einschätzung der Versorgung bei Pflegebedürftigkeit. Um die Versorgungsrealität sei es in Opfingen schlecht bestellt, stellte Schumacher fest. Es gebe deutlichen Bedarf, der in Zukunft noch größer würde. Opfingen habe momentan die kirchliche Sozialstation, einen privaten Pflegedienst und das Projekt "Zu Gast wie daheim" des Vereins "Bürgernetzwerk Opfingen". Es fehle aber an pflegerischen Einrichtungen und unterschiedlichen Betreuungsangeboten wie Wohngruppen mit Betreuungsbedarf, Senioren-WGs und -wohnungen. Der Bedarf wurde allgemein im Rat erkannt. Herta König (Bündnis lebenswertes Opfingen) lobte den "tollen Ansatz" durch das Bürgernetzwerk, zweifelte aber, dass dieses auf Dauer alles leisten könne. Auch Martin Schrutka (Die Unabhängigen) lobte die engagierte Arbeit des Bürgernetzwerks, die man unterstütze.

Was viele Räte nicht nachvollziehen konnten, war das schlechte Abschneiden Opfingens bei der Qualität der Infrastruktur. "Leben die vielleicht alle in St. Nikolaus?", mutmaßte Schumacher, die die Infrastruktur Opfingens insbesondere im Vergleich zu Waltershofen als sehr gut bezeichnete. Ob es an einem Mangel an Fachärzten, dem Fehlen von Physiotherapeuten oder einer fehlenden Barrierefreiheit der Ärzte liege, rätselten die Räte. Eine Erklärung fanden sie nicht, ebenso wenig wie für das schlechtere Abschneiden bei der Lebenszufriedenheit im Vergleich zu anderen Tuniberggemeinden.

Auch wenn die Petition zum Erhalt einer weiterführenden Schule am Tuniberg aus formaljuristischen Gründen abgewiesen wurde (BZ berichtete), sah Ortsvorsteherin Schumacher auch positive Aspekte. Die Entscheidung der Stadträte, die sich gegen die Schließung der Tunibergwerkrealschule ausgesprochen hatten, wertete sie als "zumindest kleinen Erfolg", ebenso die Tatsache, dass das Opfinger Anliegen nun in der öffentlichen Diskussion wahrgenommen werde. Die Petition selbst werde man in Kürze, diesmal von Bürgerseite, erneut einreichen.

Die Informationsvorlage zum Online-Beteiligungshaushalt nahm der Ortschaftsrat kommentarlos zur Kenntnis. Opfinger Themen, die Einzug in den Beteiligungshaushalt gefunden haben, waren vor allem die weiterführende Schule am Tuniberg, eine Querverbindung für Busse zwischen den Tuniberggemeinden, eine Anbindung an das Straßenbahnnetz und eine Frequenzerhöhung der Busse. "Eine nette Sache" für die, die online unterwegs seien und "immerhin eine Einbringungsmöglichkeit für Bürger" sei das, so Schumacher. Kritisch merkte sie an, dass bei der Online-Beteiligung kein Nachweis verlangt werde, dass man wirklich Freiburger Bürger sei. So könne leicht ein Missverhältnis entstehen. Unglücklich nannte sie auch die schlechte Sortierung der Vorschläge und eine fehlende Abstufung der Bewertung.
Sitzungsdauer: 1 Stunde, 45 Minuten.
Teilnehmer: 12 von 14 Räten.
Zuschauer: 23.

Autor: Meike Jenrich