Labyrinth-Attraktion

Warum Erwin Wagner nie wieder Sonnenblumen in Opfingen anpflanzt – sondern Hanf

Anika Maldacker

Von Anika Maldacker

Do, 16. August 2018 um 18:23 Uhr

Freiburg

Statt des Mais-Labyrinths hat Landwirt Erwin Wagner dieses Jahr eines aus Sonnenblumen gepflanzt. Wegen der Hitze sind die Blumen vertrocknet. Das Labyrinth hat so wenig Besucher wie noch nie.

Erwin Wagners Lieblingspflanze ist die Sonnenblume. 1983 war der Opfinger Landwirt einer der ersten Bauern der Region, der die Pflanze im großen Stil anbaute, sagt er. Nun steht er in seinem 2,8 Hektar großen Irrgarten aus seinen Lieblingsblumen und will nie wieder ein Sonnenblumen-Labyrinth anpflanzen. Die hohen Pflanzen sind lädiert, die Blätter braun und vertrocknet, ihre Kerne ausgefallen.
Hinweis: Erwin Wagners Sonnenblumen-Labyrinth ist noch immer geöffnet und kann weiterhin besucht werden.
Öffnungszeiten:
Hauptsaison: täglich ab 11 Uhr bis Sonnenuntergang, geöffnet noch bis Sonntag, 16. September.
Nebensaison: Sonntag, 23. September bis Ende Oktober, jeden Sonntag, 12 – 17 Uhr und Mittwoch, 3.10., 12 – 17 Uhr.

Vor fünf Jahren, als Wagner zum ersten Mal Mais gegen Sonnenblumen auswechselte und daraus ein Labyrinth säte, hatten die Blumen Mitte August sattgrüne Blätter und gelbe Blüten. Man sah kaum zwischen den kräftigen Pflanzenstilen hindurch.

1500 Besucher statt 4000

Die aktuellen Besucherzahlen jagen Wagner einen Schrecken ein. Höchstens 1500 Besucher verzeichnete er zur Halbzeit, Mitte August. In den Jahren zuvor verzeichnete er am Saisonende rund 8000 Besucher. "Eine Nullrunde", sagt Wagner und fügt resigniert hinzu: "Es war einfach zu heiß." In diesem Sommer betreibt er sein gepflanztes Labyrinth im 20. Jahr. So etwas habe er noch nie erlebt. "Als wir das Labyrinth am 4. Juli eröffneten, waren die meisten Blumen verblüht", sagt Wagner. Dabei läuft die Hauptsaison des Labyrinths noch bis 16. September.

Die Ernte kann er auch vergessen. "Die meisten Sonnenblumenkerne sind leer", sagt er und rupft einen Kern aus dem Blumenkorb. Ein Zeichen von Stress durch Hitze und ausbleibendem Regen. "Nach der Nebensaison Ende Oktober mulchen wir das ganze Feld", sagt Wagner. Vor fünf Jahren kam es in eine Biogasanlage.

Wegen einer EU-Verordnung muss Wagner alle drei Jahre die Fruchtfolge ändern – sprich, eine andere Pflanze als Mais anbauen. So soll verhindert werden, dass sich der Maiswurzelbohrer ausbreitet. Der Mais, überlegt er, würde bei der Hitze und dem wenigen Regen kaum Probleme haben. Die Pflanze ist robust, ihre Wurzeln reichen tief. "Ein Meter unter der Erde steht das Grundwasser", sagt Wagner. Ideal für den Mais, desaströs für die flachwurzelnde Sonnenblume. Die ist zudem anfällig für Pilze. "Einige Stellen im Feld sind schon befallen", erklärt Wagner. Er hofft, dass der Pilz nicht übergreift.

Wagner zieht für nächstes Jahr Hanf in Erwägung

Es soll das letzte Mal gewesen sein, dass Wagner einen Irrgarten aus Sonnenblumen pflanzt. Für nächstes Jahr zieht er Hanf in Erwägung. Wagner pflanzt gern Gewächse, mit denen er vorher keine Erfahrung hatte. So wächst bei ihm im vierten Jahr Grüntee aus China. Ein Probleme gibt es beim Hanf: Für die Ernte der Pflanze hat er keine Geräte.

Knapp 35 000 Euro hat Wagner in das Sonnenblumenfeld investiert. Dieses Jahr sei der Umsatz beim Eintritt um bis zu 70 Prozent eingebrochen, sagt Wagner. Bei Temperaturen über 35 Grad und wenig Besuchern, musste Wagner Mitarbeiter nach Hause schicken. Durch eine Neuerung in der Gastronomie kann er den Umsatz wohl ausgleichen. Die thailändische Frau eines Freundes schlug ihm vor, das kulinarische Angebot seiner "Welschkornhütte" um Spezialitäten aus Südostasien zu erweitern. Ein Lichtblick für ihn, im Gegensatz zum Labyrinth: "In 14 Tagen ist alles kahl und dürr", schätzt er.

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