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11. Mai 2016

Menschen von Nebenan

Jesús Villalobos findet deutsche Jahreszeiten besser als peruanischen Dauersommer

Es passiert oft, dass die Kinder und Jugendlichen im „Haus der Begegnung“ Jesús Villalobos (27) nach seiner Heimat fragen: Wie ist es in Peru? Was essen die Menschen dort? Und welche Tiere gibt es? Einige dieser Fragen werden am Samstag beantwortet: Bei einem Peru-Fest, das Jesús Villalobos zurzeit vorbereitet – zusammen mit sieben anderen Peru-Freiwilligen, die wie er ein Jahr lang in sozialen Einrichtungen in Süddeutschland mitarbeiten.

  1. Hier gibt’s eine bunte Auswahl: Jesús Villalobos stammt aus Peru und verteilt im „Haus der Begegnung“ nachmittags an der Spieltheke Zubehör an Kinder und Jugendliche. Foto: Ingo Schneider

Anfangs, als Jesús Villalobos neu angekommen war, hatten die Kinder im "Haus der Begegnung" besonders viel Spaß: Sie fanden es lustig, dass er vieles nicht verstand, erzählt er. Das hat ihm nichts ausgemacht. Im Gegenteil: "Sie haben mir viel beigebracht, sie hatten große Geduld mit mir." Inzwischen spricht er viel besser Deutsch.

Seit Ende August arbeitet er im "Haus der Begegnung", gibt nachmittags an der Spieltheke Spiele für Kinder zwischen sechs und zwölf Jahren aus und hat abends, wenn die Jugendlichen kommen, Dienst. Zudem leitet er mit einem festangestellten Kollegen eine Jungsgruppe, in der viel mit Holz gearbeitet und gebastelt wird. Eines ist klar, findet Jesús Villalobos: Kinder sind Kinder – und die Kinder in Landwasser seien ähnlich wie die in Peru. Er hat viel Erfahrung mit ihnen, denn er hat früher in seiner katholischen Gemeinde Mädchen und Jungen auf die Kommunion vorbereitet und als Freiwilliger in einem Waisenhaus gearbeitet. Er stammt aus Turcume, einem Dorf an der Küste im Norden Perus.

Sein Engagement ergab sich für ihn ganz selbstverständlich, weil er als Kind selbst in einer Kindergruppe war. Auch sein Freiwilligendienst in Freiburg entwickelte sich durch direkte Kontakte: Er war in seiner Gemeinde der Ansprechpartner für deutsche Jugendliche, die dort als Freiwillige arbeiteten. Er half, wenn es Probleme mit der Gastfamilie gab und vermittelte Neuankömmlingen erste Kontakte in der Gemeinde oder zu seinem Freundeskreis. Sie erzählten ihm von Deutschland, das machte ihn neugierig.

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Zurzeit ist er einer von acht Peruanerinnen und Peruanern, die durch das Programm "Vamos" des Vereins "Color esperanza" und der Fachstelle für peruanische Freiwillige in der Erzdiözese Freiburg nach Süddeutschland vermittelt wurden. Nur ein anderer von ihnen ist ebenfalls in Freiburg – er arbeitet beim Eine-Welt-Forum in der Bildungsarbeit. Ab August werden vier neue Freiwillige nach Freiburg kommen, von denen ein oder zwei auch in Kitas arbeiten werden. Der Verein "Color esperanza" sucht noch Gastfamilien in Freiburg und Sasbach. Interessierte können sich beim Verein melden (Kontaktdaten am Textende).

Jesús Villalobos fühlt sich in seiner Gastfamilie sehr wohl: Er lebt im Stadtteil Vauban bei einem Paar mit drei erwachsenen Kindern in seinem Alter. Eine Tochter wohnt noch zu Hause, zwei der drei Kinder waren selbst Freiwillige – in Peru. Vauban ist ganz anders als Landwasser, Jesús Villalobos mag beides. Vom "Haus der Begegnung" ist er viele unterschiedliche Nationalitäten gewöhnt, seit kurzem geht’s auch in seiner Fußballgruppe in Vauban, zu der er jeden Montag geht, etwas vielfältiger zu als bisher: Dort spielen mittlerweile auch Flüchtlinge mit.

Auch alles andere gefällt Jesús Villalobos – besonders die deutschen Jahreszeiten. Von Peru kannte er immer nur das selbe Wetter: Dauersommer mit 30 Grad. Der Abschied wird ihm schwerfallen, sagt er, obwohl er sich auf seine Mutter, seinen Stiefvater, seine zwei Schwestern und seinen Bruder freut. Was dann als Nächstes kommt, ist offen. Er hat einen Uni-Abschluss in internationaler Wirtschaft und hat früher Einsteiger in Start-up-Unternehmen beraten. Auf jeden Fall aber will er beim Sozialen dranbleiben.

Samstag, 14. Mai: Peru-Fest von 12.30 bis 17 Uhr im Haus der Begegnung, Habichtweg 48, mit der Tanzgruppe "Acutun", Spielen, peruanischem Essen, Musik und einer Ausstellung mit Fotos von Klaus Zinser. Alle sind willkommen, der Eintritt ist frei.

Kontakt für interessierte künftige Gastfamilien: http://www.coloresperanza.de

Autor: Anja Bochtler