Quartierswunsch

Was passiert mit der Fläche, die in Landwasser für ein Flüchtlingsheim gerodet wurde?

Jelka Louisa Beule

Von Jelka Louisa Beule

Do, 08. Februar 2018

Freiburg West

Wie könnte eine Bebauung an der Wirthstraße im Stadtteil Landwasser aussehen? Was wäre den Bürgern wichtig? Das wollte die Stadtverwaltung bei einer Infoveranstaltung herausfinden. Dabei zeigte sich: Wünsche gibt es viele.

FREIBURG-LANDWASSER. Auch eine alte Forderung kam auf den Tisch: eine Mehrzweckhalle, die im Stadtteil fehlt. Bislang schien ein solches Projekt nicht finanzierbar. Neue Möglichkeiten könnten sich durch die Freie Christliche Schule auftun: Sie könne sich eine Co-Finanzierung vorstellen, erklärte Vorstand Alexander Pollhans.

Eigentlich sollte an der Wirthstraße ein Flüchtlingsheim entstehen. Doch die Unterkunft wurde nie gebaut, nachdem der Flüchtlingsstrom abgeebbt war. Die Fläche zwischen Wirthstraße und Gleisen der Breisgau-S-Bahn war jedoch bereits gerodet. Im Herbst 2017 präsentierte die Stadtverwaltung deshalb neue Überlegungen – und bezog gleich noch ein jenseits der Straße liegendes Areal mit ein, wo sich derzeit ein Bolzplatz und – Richtung Elsässer Straße – ein kleines Wäldchen befinden. Auf beiden Flächen ist nun ein Wohngebiet geplant, mit 70 bis 120 neuen Wohnungen und einer Kindertagesstätte. Wie genau die Bebauung aussehen könnte, darüber werden sich fünf Architekturbüros Gedanken machen. Ende 2018 oder Anfang 2019 werde ein Konzept vorliegen, schätzte Stadtplanungsamtschef Roland Jerusalem.

Bis die Architekturbüros ihre Arbeit beginnen können, müssten noch einige Aspekte untersucht werden, sagte die zuständige Stadtplanerin Sonia Hildenbrand. Die beiden Flächen liegen zwischen der stark befahrenen Elsässer Straße und der Bahnlinie, weshalb das Rathaus ein Schallschutzgutachten in Auftrag geben will. Zudem werden sich Fachleute mit dem Baumbestand und mit möglicherweise vorhandenen geschützten Tierarten beschäftigen. Auch ein Bebauungsplanverfahren ist notwendig – bis tatsächlich die Bagger rollen, wird es also noch einige Zeit dauern. Noch ist auch unklar, wer bauen wird. Beide Flächen befinden sich im Eigentum der Stadt Freiburg.

In jedem Fall erhalten möchte die Stadtverwaltung den Bolzplatz – allerdings wollen die Planer ihn an die Elsässer Straße verschieben. "Lärm zu Lärm", sagte Sonia Hildenbrand. Bei der Infoveranstaltung, an der rund 60 Interessierte teilnahmen, kam auch der Vorschlag auf, den Bolzplatz an die Bahnlinie zu rücken.

Dieter Dormeier vom Bürgerverein Landwasser erinnerte an die Stadtteilleitlinien: In diesem Prozess hatten sich die Bürger 2013 eine Sport- und Mehrzweckhalle an der Wirthstraße gewünscht. Das wäre auch Alexander Pollhans von der Freien Christlichen Schule sehr recht: Er schlug eine teilweise im Boden versenkte Halle mit einem Bolzplatz auf dem Dach vor – an so etwas könne sich die Schule auch finanziell beteiligen, sagte er. Denn, so erklärte Pollhans nach der Veranstaltung gegenüber der BZ: Derzeit müsse die Privatschule, die ebenfalls an der Wirthstraße ansässig ist, ihre 550 Schüler zum Sportunterricht zu Hallen in ganz Freiburg und sogar bis nach Merzhausen fahren. Die Schule würde gerne eine eigene Sporthalle bauen – aber auf ihrem Grundstück sei kein Platz mehr. Stadtplanungsamtschef Roland Jerusalem hielt den Vorschlag für interessant: "Darüber muss man diskutieren", sagte er.

Unterschiedliche Meinungen gab es bei der Infoveranstaltung zur Höhe der neuen Wohnhäuser: Die Stadtverwaltung stellte sich vier bis sechs Etagen vor. Angesichts der Wohnungsknappheit in Freiburg sei das zu niedrig, meinten einige Teilnehmer– während andere vor zu hohen Häusern warnten. Außerdem wünschten sich die Bürger in dem neuen Baugebiet Wohnmöglichkeiten für ältere Menschen und eine Zweigstelle für die Quartiersarbeit. Die Stadtverwaltung stenographierte eifrig mit. Was am Ende realisiert werden könne, so Jerusalem, werde das weitere Verfahren zeigen.