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01. Juli 2010

"Wir sind empört"

Unverständnis in der Pfarrei St. Albert wegen der Versetzung ihres Pfarrers Peter von Zedtwitz.

  1. Nach der Versetzung ihres Pfarrers herrscht in St. Albert in Betzenhausen-Bischofslinde – inzwischen Teil der katholischen Seelsorgeeinheit Freiburg-West – Unklarheit, wie es weitergehen wird. Foto: Michael Bamberger

  2. Pfarrer Peter von Zedtwitz geht nach Bad Krozingen. Foto: Archivfoto: Albiker

BETZENHAUSEN. Schmerz, Empörung, Enttäuschung und Unverständnis sind die vorherrschenden Gefühle in der katholischen Pfarrei St. Albert, seit bekannt wurde, dass Pfarrer Peter von Zedtwitz zum 13. September nach Bad Krozingen versetzt wird. "Was uns so kränkt", sagt die Pfarrgemeinderatsvorsitzende Renate Haas, "ist, wie im Ordinariat mit den Mitarbeitern und den Menschen in den Gemeinden umgegangen wird." Eine Kritik, die von der Bistumsleitung zurückgewiesen wird.

Ausgerechnet an dem Wochenende, an dem beim Diözesantag das Engagement und die Beteiligung der Ehrenamtlichen am Leben der Kirche hochgelobt wurde, erfuhr die Gemeinde die sie überraschende Botschaft: Ihr seit 16 Jahren in St. Albert den Menschen zugewandter und wegen seines partnerschaftlichen Umgangs sehr geschätzter Pfarrer wird als Kooperator in die Seelsorgeeinheit Bad Krozingen versetzt. Was in Peter von Zedtwitz zwiespältige Gefühle auslöst. Einerseits erfüllen ihn "Trauer und Schmerz" ob des Abschieds, auch Dankbarkeit für die vielen Jahre mit den Menschen in Betzenhausen-Bischofslinde. Andererseits sieht der 58-Jährige den Wechsel als "eine Chance für mich, das zu bekommen, was ich mir vorstelle: nicht Leiter einer Seelsorgeeinheit zu werden, sondern im Freiburger Raum als Kooperator Seelsorger sein zu können".

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Während der vergangenen Jahre sei er immer wieder vom Personalreferenten im Erzbischöflichen Seelsorgeamt gefragt worden, ob er nicht mal wechseln wolle. Allerdings sei er sich mit seinem Kollegen Franz Leithenmayr einig gewesen, dass beide noch bis 2011 bleiben sollten, wenn Leithenmayr als Pfarrer der Pfarrei Heilige Familie (Mooswald) ohnehin in den Ruhestand geht. So wollten sie einen gut vorbereiteten Neuanfang für die Seelsorgeeinheit Freiburg West ermöglichen, zu der in den Pfarreien St. Albert, Heilige Familie und St. Cyriak (Lehen) etwa 7500 Katholikinnen und Katholiken gehören.

Seit geraumer Zeit schon wird deshalb in der Seelsorgeeinheit miteinander nach Wegen zu dem im Dekanatsrat beschlossenen Leitziel gesucht: Eine Gemeinde muss nahe bei den Menschen sein. "Und mitten in diesem Prozess wird uns nun der Gemeindeleiter weggenommen, ohne zu sagen, wie es weitergeht", empört sich Brigitta Hagel. Das Vorstandsmitglied im Pfarrgemeinderat von St. Albert beschreibt die Reaktion der Gemeinde so: "Entsetzt, wütend, traurig." Und kämpferisch macht sie klar: "Wir bleiben auf dem Weg, aber wir werden nicht wie die Schafe hinterherlaufen."

Erst mal werden jetzt die weiteren Schritte beraten. Ein Brief an die Bistumsleitung ist im Gespräch. An den Kirchentüren hängt die Erklärung des Pfarrgemeinderats aus, die in den Gottesdiensten verlesen wurde. In ihr heißt es unter anderem: "Wir sind empört darüber, dass es Überlegungen für die Zukunft der Gemeinde geben soll – und niemand erfährt etwas davon." Oder wie es Renate Haas ausdrückt: "Wir fühlen uns nicht ernst genommen und nicht menschenwürdig behandelt." Dies umso weniger, als in den pastoralen Leitlinien der Erzdiözese zum Beispiel steht: "Ein kooperativer Leitungs- und Arbeitsstil ist gekennzeichnet von der Bereitschaft, die Beteiligung aller Betroffenen zu fördern sowie unterschiedliche Meinungen zu hören und zu berücksichtigen." Dementsprechend wünscht sich die Vorsitzende des Pfarrgemeinderats: "Wir hätten gern, dass diese Lippenbekenntnisse in Taten umgesetzt werden – menschlich behandelt zu werden, sollte in der Kirche möglich sein."

Derweil sagt der Sprecher der Bistumsleitung Robert Eberle auf Anfrage der BZ, von einer überraschenden Versetzung von Peter von Zedtwitz könne keine Rede sein, da es mit ihm schon seit Jahren Gespräche über einen Wechsel gebe: "Und jetzt ist eben eine Stelle frei geworden." Im Übrigen "wäre es völlig unüblich, die Gemeinde zu beteiligen, wenn wir mit einem Pfarrer Gespräche über dessen persönliche Zukunft führen". Was die Zukunft von St. Albert mit 3500 Gemeindemitgliedern betrifft, teilt Robert Eberle mit: "Pfarrer Leithenmayr wird jetzt Pfarradministrator, und spätestens Ende Januar 2011 bekommt die Seelsorgeeinheit einen neuen Pfarrer." Sobald die Überlegungen dazu gereift seien, gehe alles seinen üblichen Gang. "Und die Pfarrgemeinde hat die Möglichkeit, auf ihre Situation hinzuweisen."

Autor: Gerhard M. Kirk