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09. Juli 2011

1967 galten sie als Rabeneltern

Die Kita des Studentenwerks ist seit 25 Jahren am Glacisweg zuhause / Gründung der Krabbelstube war ein Akt der Emanzipation.

  1. Die Kita am Glacisweg hatte ihrren Ursprung am Werderring. Foto: privat

Vor dem Eingang eine Reihe Kinderwagen, ordentlich geparkt. Einige Ganztagskinder machen schon ihren Mittagsschlaf, während William, 18 Monate, noch quietschend die Rutschbahn hinuntersaust. In den Vormittagsgruppen warten die Minis aufs Abgeholtwerden, kuscheln sich an ihre Erzieherinnen oder bauen an fantasievollen Gefährten. Kein Zweifel, alles ist in bester Ordnung und geht seinen geregelten Gang in der Kita des Studentenwerks am Glacisweg, die heute ihren 25. Geburtstag feiert. Das war nicht immer so.

"Krabbelstube" ist in das Holzschild am Eingang geschnitzt – ein Name, der an alte bewegte Zeiten erinnert. "Bevor wir mit den Kindern in den Garten gingen, mussten wir erstmal aufräumen", erinnert sich die frühere Leiterin Angelika Demmig. Bis 1986 war die Kita in einer alten Villa der Uni am Werderring untergebracht. Der Garten grenzte an ein anderes Grundstück der Uni, die Baracke darauf war von Eltern und Kindern einer autonomen Kita aus der Hausbesetzerszene besetzt. Sie waren aus dem Schwarzwaldhof vertrieben worden und hatten sich am Glacisweg eine neue Bleibe gesucht – gleich neben dem berüchtigten Autonomen Zentrum. Die autonome Kita am Glacisweg hatte jahrelang für Schlagzeilen gesorgt, mit Räumungsklagen von der Stadt, zuletzt mit vermuteter Brandstiftung: Die Baracke brannte ab, als die Kita des Studentenwerks 1981 dorthin umziehen sollte, weil in ihre Räume am Werderring die Forstwissenschaftler sollten.

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1986 endlich zogen die Knirpse in das von Stadt und Studentenwerk neu aufgebaute Gebäude im Glacisweg 3 ein, anfangs bewacht vom Sicherheitsdienst der Uni und ihren Hunden. "Das war unangenehm, aber beruhigend." Angelika Demmig schwärmt von der damals ungewohnt kindgerechten Ausstattung der neuen Räume, die sich bis heute bewährt. Ein Schmuckstück ist der paradiesische Garten am Gewerbebach in bester Lage. Der Glacisweg ist längst keine Schmuddelecke mehr und Studenteneltern müssen sich heute längst nicht mehr als Rabeneltern fühlen, wenn sie ihre Krabbelkinder in einer Einrichtung betreuen lassen.

Was für ein Kontrast zu den 1960er-Jahren! "Studierenden Eltern ging es damals nicht gut", erinnert Renate Heyberger, beim Studentenwerk für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig, an das moralisch rigide Familienbild jener Zeit, das sich noch bis weit in die 80er-Jahre hinein gehalten habe. Nicht nur, dass es keine Betreuungsplätze für Krabbelkinder gab. Wer studierte und ein Kind bekam, sollte gefälligst sein Studium aufgeben. Schon 1967 griffen die Freiburger Studierenden, inspiriert von den Berliner Kinderläden mit ihren antiautoritären Erziehungskonzepten, in einem Akt der Emanzipation zur Selbsthilfe und gründeten eine Krabbelgruppe – die Keimzelle der heutigen Kita. Die Uni stellte ihnen die Räume am Werderring zur Verfügung.

1971 ging die Krabbelstube in die Trägerschaft des Studentenwerks über, das laut Renate Heyberger damit bundesweit Neuland betrat. Der neue institutionelle Rahmen war nicht ohne Querelen über Erziehungsziele und Konzepte vonstatten gegangen. Damit muss sich die heutige Leiterin Konny Langeneckert nicht mehr herumschlagen. "Der Kita Glacisweg haben wir unsere Einser-Examina zu verdanken", freute sich kürzlich ein Elternpaar, beide Lehrer, über die gute Betreuung seiner drei Kinder.

KITA AM GLACISWEG

60 Kinder zwischen ein und drei Jahren werden in sechs Gruppen (davon zwei ganztags) von 13 pädagogischen Mitarbeitern und sechs Praktikanten betreut. Die Hälfte der Plätze steht allen Kindern offen, die andere Hälfte Kindern von Studierenden. Für sie gelten ermäßigte Tarife. Die Warteliste ist lang. Ansprechpartner: Karl-Heinz Hermle, Tel. 2101-303, hermle@studentenwerk.uni-freiburg.de. Geburtstag gefeiert wird heute ab 10 Uhr.  

Autor: arü

Autor: Anita Rüffer