BZ-Ferienaktion 2015

80 BZ-Leser wandelten auf dem Pilz-Skulpturen-Pfad

Simone Höhl

Von Simone Höhl

Di, 18. August 2015 um 19:25 Uhr

Freiburg

Gut 80 Leserinnen und Leser betraten bei der BZ-Ferienaktion die wunderbare Welt der Pilze auf dem Skulpturen-Lehrpfad "Mycelium" und lernten einiges über die mythischen Gewächse.

Was die meisten Leute als Pilz kennen, ist nur ein Teil der Wahrheit: Pilze sind die größten Lebewesen der Erde und führen ein geheimes Leben im Untergrund. "Man sieht nur einen Bruchteil", sagt Hans Burgbacher. Er leitet das städtische Forstamt, das am Dienstag für die Leserinnen und Leser der BZ das Geheimnis der Pilze lüftet.

Das wurzelt im Geflecht im Boden. "Wir nennen es Mycelium, wir könnten auch Mysterium sagen", meint Burgbacher zur Gruppe vor dem Waldhaus – 52 Frauen und 28 Männer, zählt ein Teilnehmer, dazu drei Kinder und drei Hunde.

Ein neun Quadratkilometer großer Hallimasch

Mycelium heißt auch der Pilzlehrpfad, zu dem die Gruppe bergauf pilgert – vorbei an Skulpturen des Kappler Künstlers Thomas Rees, der den Pfad zu einem Gesamtkunstwerk gemacht hat. Im Zentrum ragt ein imposanter Holzpilz auf. Das größte Lebewesen der Erde ist ein Pilz im US-Bundesstaat Oregon, "aber auch wir haben so einen Riesenpilz", berichtet der Amtschef: Im Nationalpark Schwarzwald wurde ein neun Quadratkilometer großer Hallimasch nachgewiesen. "Was?", ruft es aus der Gruppe. "Die Pilzfäden können sich als Mycel deutlich großflächiger ausbreiten, als man denkt", sagt Förster Andreas Schäfer.

Neben ihm steht eine Hexenskulptur, unter den Füßen seiner Zuhörer führen Holzstangen vom Zentralpilz zu zehn Stationen im Umkreis. "Pilze haben auch was Mythisches", sagt Schäfer. Dass Pilze im Kreis wachsen, galt früher als Hexerei, ist aber ein natürlicher Vorgang. Im Boden ist etwas, was der Pilz mit seinen Fäden zersetzt und irgendwann bildet er drumherum Fruchtkörper.

Eheleben und Vergiftungen

Die Leser folgen einem Holzstrang und rücken zum Halbkreis vor einem Pilzsatellit zusammen. Der Dunkle Hallimasch wächst in alle Richtungen, erklärt Schäfer, "und früher oder später erwischt er einen Baum, den er anzapfen kann". Der Pilz ernährt sich von geschwächten Bäumen und kann sie töten.

Das ärgert den Förster, der aber weiß, dass Osteuropäer Hallimasch gern essen. "Gibt’s da Verwechslungsgefahr?", fragt eine Frau. "Die gibt’s immer", sagt Schäfer.

Er rät Laien, stets zur Beratung zu gehen, auch wenn die meisten Pilze essbar sind. "Manche nur einmal", sagen einige Frauen und Männer gleichzeitig. In eine Skulptur hat Rees einen Totenkopf geschnitzt. Das Problem sind Ähnlichkeiten wie zwischen Champignon und Knollenblätterpilz, und dass viele Leute heute nicht mehr so viel über Pilze wissen wie früher. Norbert Brill (83) dagegen weiß genau, was er im Wald sammelt – trotzdem findet er die Tour interessant.

Pilze können Menschen das Leben kosten, auch durch Infektionen, aber sie können auch Leben retten. Penicillin ist ein Produkt eines Schimmelpilzes und eines der ältesten Antibiotika.

Ähnlich ist es bei den Bäumen: Anders als der Dunkle Hallimasch leben viele Pilze in inniger Symbiose mit Bäumen, der Zunderschwamm beispielsweise mit der Buche. "Wie in einer guten Ehe ist es ein Geben und Nehmen", erklärt Schäfer an einer weiteren Station. Auf dem Weg dorthin ist einigen Teilnehmerinnen ein dicker Grasfrosch fast über die Füße gehüpft. Der Pilz bekommt vom Baum Zucker und versorgt ihn mit Nährstoffen – ohne ihn gäbe es keinen Wald. In dem will Silvia Mayer noch ein bisschen bleiben, und mit ihrem Terrier Oskar gleich noch mal über den Pfad gehen. "Ich find’ die Skulpturen ganz toll", sagt die 54-Jährige.
Termin

Pilzberatung im Waldhaus am Sonntag, 23. August 2015, sowie 20. September und 4. Oktober, 15 bis 17 Uhr, 3 Euro pro Beratung.

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