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03. Juli 2014

Als Friseure gewaschen, getrocknet, gekreppt haben

Der Familienbetrieb Roth feiert seinen 100. Geburtstag – inzwischen steht die fünfte Generation im Salon.

  1. Ein Betrieb mit Familientradition (von links): Klausdieter, Nadja, Nathalie und Dirk Roth. Auf dem Foto fehlen Marianne und Oliver Roth. Foto: Eggstein

Ein Familienbetrieb mit Tradition: Vor 100 Jahren übernahm Karl Roth ein Friseurgeschäft an der Freiburger Belfortstraße und gründete damit den gleichnamigen Friseurbetrieb. Heute steht in der 20-jährigen Natalie Roth schon die fünfte Generation im Salon. Drei Filialen gehören inzwischen zum Unternehmen. Oliver Roth betreibt die beiden Geschäfte am Stadttheater und am Komturplatz, Dirk Roth gemeinsam mit seiner Frau Nadja den Salon am Bertholdsbrunnen an der Salzstraße.

In der Familie Roth gibt es nur einen Berufswunsch: Friseur. So war es zumindest in den letzten 100 Jahren, ein Umstand, der Seniorchef Klausdieter (74) mit Stolz erfüllt. "Bei uns haben einfach alle die Liebe zum Beruf mitbekommen und erlebt, wie viel Freude er macht", sagt er. Besonders gerne erinnert sich Klausdieter Roth an die Friseurtourneen ins Ausland, die er Ende der 80er und in den 90er Jahren zusammen mit seiner Frau Marianne unternommen hat. Mit einer Gruppe von 20 internationalen Kollegen habe man unter anderem in Südafrika, Kanada, Südamerika und Australien Friseurshows und Wettbewerbe für Fachleute organisiert, mit Hunderten von Besuchern.

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"Mein Vater ist heute der Präsident, er repräsentiert und kümmert sich teilweise ums Büro", beschreibt Dirk Roth die Aufgaben seines Vaters. Seniorchefin Marianne hingegen steht noch am Stuhl und ist deshalb fürs Gespräch mit der BZ genauso unabkömmlich wie Sohn Oliver.

Dank der Kontakte der Eltern nach Südafrika arbeiteten sowohl Dirk als auch Oliver Roth nach ihrer Gesellenprüfung einige Jahre in Südafrika. Dirk Roth lernte dort seine Frau Nadja kennen. Deren Tochter Natalie zieht es nach dem Abschluss ihrer Berufsausbildung samt Meisterkurs erst einmal nach Paris. Sie war nach dem Abitur gleich in den elterlichen Betrieb eingestiegen. Oliver Roths Sohn Tim ist zwar erst 14 Jahre alt, habe aber auch schon Interesse am Familienberuf bekundet.

Wie schon Firmengründer Karl Roth leben die Rothschen Salons von den Stammkunden. Hinzu kommt dank der günstigen Lage die Laufkundschaft. "Mein Großvater ging jeden Morgen zu seinen Stammkunden nach Hause, um die Herren zu rasieren", weiß Klausdieter Roth, "die Damen wurden erst ab 10 Uhr ins Geschäft bestellt." Ehefrau Rosa habe den Damen die Haare gewaschen, mit dem Föhn getrocknet und gekreppt.

Dirk Roth kann mit diesem Begriff nichts mehr anfangen, Seniorchef Klausdieter hingegen schon. "Mit dem Kreppeisen, das so ähnlich wie ein Waffeleisen aussieht, hat man Locken gewellt", erklärt er. Als Karl Roth nur kurz nach der Firmengründung 1914 während des 1. Weltkriegs zum Militär musste, übernahm Ehefrau Rosa die Arbeit im Salon. Sie besuchte einen Kurs für Friseur-Ehefrauen, lernte das Rasieren und Haareschneiden und absolvierte eine Prüfung, die als Gesellenprüfung galt.

30 Mitarbeiter kümmern sich in den drei Salons um die Kunden, viele von ihnen sind schon sehr lange im Betrieb. Eine Tatsache, über die die Inhaber sehr froh sind und die in ihren Augen für das gute Betriebsklima spricht. Zu den Kunden zählen Jung und Alt, Frauen und Männer. Und Prominente? Einige SC-Spieler wurden schon gesichtet, die ganz große Berühmtheit hat den Weg in einen der Salons noch nicht gefunden. "Auf George Clooney warten wir noch", sagt Mitarbeiterin Daniela Penno lachend.

Statt anlässlich des Jubiläums Geschenke für die Kunden zu kaufen, spendete die ganze Familie 5000 Euro an die Janusz-Korczack-Schule in Freiburg, die sich um mehrfach behinderte Kinder kümmert.

Autor: Gabriele Hennicke