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30. August 2011 18:37 Uhr
Papstbesuch
Altarbühne für Papst Benedikt XVI. steht bereits
Rockstars brauchen eine große Bühne – und der Papst? Der bekommt in Freiburg eine Altarinsel der Marke XXL. Doch es gibt durchaus Unterschiede zu den Brettern, die etwa für die Rolling Stones die Welt bedeuten.
2200 Quadratmeter groß ist die Altarinsel und 20 Meter hoch (Fotos). 200 Tonnen Stahl werden dafür verbaut. Drei Ebenen wird das Bauwerk zu Füßen des Monte Scherbolino haben. Papst Benedikt XVI. wird am Sonntag, 25. September, auf der obersten von drei Ebenen sitzen und einen Postkartenblick auf den Münsterturm, auf Freiburg und den Schwarzwald haben. Die Altarinsel wird rund eine Million Euro kosten. Die Kirche betont die nachhaltige Bauweise: 85 Prozent der eingesetzten Teile können wiederverwendet werden.
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"Die Sichtachse zum Münster war uns sehr wichtig", sagt Johannes Baumgartner, der Beauftragte des Ordinariats für die Aufbauten zum Papstbesuch. 110 Hektar Flugplatzfläche hat die Kirche vom Land Baden-Württemberg und der Stadt Freiburg gepachtet. Direkt vor der Altarinsel wird ein VIP-Bereich angelegt, eine vierstellige Zahl von Ehrengästen wird erwartet. Dahinter befindet sich die in 16 Felder eingeteilte Fläche für die rund 100.000 Pilger, die erwartet werden. Die Zahl der Anmeldungen liegt derzeit erst bei 70.000. Doch im Ordinariat setzt man auf den Schlussspurt bei der Ticketnachfrage nach Ende der Sommerferien.
Die Kosten für Altarinsel und Platzumbau trägt komplett die Kirche als Veranstalter. Bäume wurden keine gefällt, lediglich ein paar Büsche hätten gekappt werden müssen, so Baumgartner. Die Kirche halte alle Umweltauflagen ein – und auch an die berühmteste Flugplatzbewohnerin ist gedacht worden: Wenn der Papst und die Pilger auf dem Gelände beten, wird die Beißschrecke nicht dran glauben müssen. Sehr aufwendig war auch im Vorfeld der Bauarbeiten die Untersuchung auf Kampfmittel aus dem Zweiten Weltkrieg: Es wurden Stabbrandbomben, Flakgranaten und Betonbomben gefunden und entsorgt.
Geplant hat die Altarinsel das Stuttgarter Architekturbüro Werner Sobek Design. Projektleiter Albert Schuster verwies auf das frei tragende Dach, das 20 Meter nach vorne ragt: "Wir wollten eine möglichst reduzierte Konstruktion". Die Stuttgarter Experten hatten auch beim Bayern-Papstbesuch vor fünf Jahren die Altarinsel für den Gottesdienst in München-Riem konzipiert. Nicht alles muss neu angefertigt werden, die Freiburger Organisatoren setzen auch auf Second Hand: Der Altar, das Ambo (Lesepult) und der Papststuhl selbst sind schon in München eingesetzt worden. Die Rückseite der Altarinsel wird eine Kreuzigungsgruppe zieren – die wird eigens aus dem Langhaus des Radolfzeller Münsters nach Freiburg gebracht.
Ins Dach integriert wird die Lichttechnik, die das Fernsehen braucht, um perfekte Live-Bilder in alle Welt zu senden. Die Scheinwerfer werden nicht sichtbar sein: "Es ist ja schließlich keine Rock’n’Roll-Bühne", sagt Bernhard Seitz von der ausführenden Baufirma Nüssle.
Der TÜV war schon da und hat dem Bauwerk seinen Segen erteilt. Die Planer rechnen damit, dass der Abbau nach dem Papstbesuch vier Wochen dauern wird. Dann werden auch die Kieswege wieder zu Rasen. Am Rande des Geländes ist eine Asphaltstraße entstanden, als Zufahrt für die Baufahrzeuge – auch um die Anwohner im "Wolfswinkel" zu entlasten. Ein Teil dieser Straße wird bleiben. Die Universität will den Weg als Zufahrt für ihre künftige Baustelle für die Erweiterung der elften Fakultät nutzen. Und: Wieder verwendet werden soll auch die Plane vom päpstlichen Altardach. Daraus sollen nach dem Papstbesuch Taschen geschneidert werden.
Autor: Joachim Röderer
