Freiburg

Alter Name, neue Chefs: Solvay heißt bald wieder Rhodia

Jörg Buteweg

Von Jörg Buteweg

Fr, 09. Dezember 2016 um 19:58 Uhr

Wirtschaft

Die Mitarbeiter sollen alle übernommen werden – und reagieren erleichtert: Ein US-Investor kauft dem Chemiekonzern Solvay die Acetow-Sparte ab, also auch den Freiburger Betrieb. Was ändert sich?

"Es herrscht eine große Erleichterung", fasst Betriebsratschefin Cornelia Kainz die Stimmung im Freiburger Solvay-Werk zusammen. Am Mittwoch war bekannt geworden, dass der belgische Chemiekonzern Solvay seine Acetow-Sparte an den US-Finanzinvestor Blackstone verkaufen wird. Der vorherrschende Eindruck sei: "Die Entscheidung ist gefallen, wir wissen, wer uns kauft", die Unsicherheit sei endlich zu Ende, berichtet Kainz aus den Betriebsversammlungen, in denen die 860 Mitarbeiter am Freiburger Standort informiert wurden.

Dass ein Finanzinvestor zum Zuge kommt, schreckt Kainz nicht: "Blackstone übernimmt weltweit alle Mitarbeiter, die Tarifbindung bleibt erhalten, ebenso die Betriebsvereinbarungen." Auch alle Pensionsverpflichtungen seien übernommen worden. Mehr könne man nicht erwarten, nun müsse der Käufer sagen, wohin er wolle. Eines hat er schon gesagt: Aus Solvay, wie die Firma nach der Fusion von Rhodia und Solvay 2013 benannt wurde, wird wieder Rhodia-Acetow. Rhodia ist der Name, unter dem die Fabrik seit eh und je bekannt ist. Sie wurde 1927 als Tochtergesellschaft des französischen Rhodia-Konzerns mit dem Namen Rhodiaseta gegründet.

Die Zukunft liegt jenseits der Zigarettenfilter

Bei so viel Tradition ist der Betriebsratsvorsitzenden nicht bange vor der Zukunft. "Blackstone hat uns gekauft, weil wir eine Vision haben, dass man mit unserem Produkt mehr machen kann als Zigarettenfilter", sagt Kainz. In der Acetow-Sparte von Solvay, deren Sitz in Freiburg ist, wird Filter-Tow hergestellt, das Ausgangsmaterial für Zigarettenfilter. Der Absatz geht allerdings auf lange Sicht zurück, weil weniger geraucht wird. Neben Spezialitäten wie farbigem Filter-Tow, Filter-Tow für sehr dünne Zigaretten und abbaubarem Tow, sieht Kainz die Zukunft in der Bearbeitung von Holz.

Den Prozess, mit dem aus Zellulose unter Zugabe von Essigsäure Filter-Tow hergestellt wird, kann man auch auf Holz anwenden. Am Ende steht ein witterungsbeständiges Holz, das als Baumaterial eingesetzt werden kann. Der Stoff wird als Accoya-Holz vermarktet, ist bisher aber ein Nischenprodukt. Kainz hofft, dass der neue Eigentümer grünes Licht gibt für den Bau einer Produktionsanlage, um Accoya-Holz in großem Stil zu produzieren. "Dafür sind große Investitionen nötig, da hat uns Solvay immer blockiert." Das ärger Kainz noch heute. Schließlich sei die Acetow-Sparte mit ihren fünf Produktionsstätten weltweit hochprofitabel und habe immer satte Gewinne an die Muttergesellschaft überwiesen.

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