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03. Oktober 2017 15:18 Uhr

Heimspiel

Amt sperrt 15 Ultras aus – Protest im SC-Stadion

Das Ordnungsamt hat 15 Fans des SC Freiburg für das Heimspiel gegen Hoffenheim ausgesperrt. Die so genannten Ultras protestierten im Stadion mit Bannern gegen die Verbote.

  1. Mit Protestbannern machen Fans auf der Nordtribüne ihrem Unmut Luft. Foto: Frank Zimmermann

Das Verhältnis zwischen bestimmten Ultras der Nordtribüne und dem städtischen Ordnungsamt bleibt angespannt: Für das Heimspiel des SC Freiburg gegen die TSG Hoffenheim am vergangenen Sonntag hatte die Behörde Aufenthaltsverbote gegen 15 SC-Anhänger ausgesprochen, anders als in der Vergangenheit allerdings nur für dieses eine Spiel. Begründet wurde dies mit Vorfällen in der vergangenen Saison sowohl beim Hin- als auch beim Rückspiel gegen den nordbadischen Rivalen. Während des Spiels protestierten Ultras mit Bannern gegen die Verbote.

Das Mittel der Betretungs- und Aufenthaltsverbote wendet die Stadt seit drei Jahren an, erstmals wurden in der Hinrunde 2014/2015 rund 20 Ultras für die Hälfte der Saison von allen Heimspielen ausgeschlossen. Sie durften weder den Bereich rund ums Stadion noch die Gegend um den Hauptbahnhof noch die Innenstadt betreten.

Auseinandersetzung vor Gericht

Drei der Betroffenen zogen dagegen vor Gericht: In erster Instanz, vor dem Verwaltungsgericht, waren sie in Teilen erfolgreich. Fortgesetzt wurde die juristische Auseinandersetzung zwischen Rathaus und Ultras vor dem baden-württembergischen Verwaltungsgerichtshof (VGH). Diesmal, im Mai 2017, endete sie zugunsten der Stadt. Wobei der Streit in der nächsten Instanz weitergeht: Zwei betroffene Ultras gehen vor dem Bundesverwaltungsgericht in Revision gegen das VGH-Urteil.

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Man habe nun Rechtssicherheit, kommentierte Ordnungsamtsleiter Walter Rubsamen im Juni das VGH-Urteil und kündigte an, die Verbote weiterhin anzuwenden. In der Saison 2016/2017 wurden 22 Betretungsverbote unterschiedlich langer Dauer ausgesprochen, wobei nur in zwei Fällen SC-Anhänger betroffen waren. Im Juli, zu Beginn der aktuellen Saison, sprach das Ordnungsamt gegen zwei Sportclub-Ultras dreimonatige Aufenthaltsverbote aus.

Gewalttätige Auseinandersetzungen gefürchtet

Hinzu kamen nun die Verbote gegen 15 Fans ausschließlich für das Hoffenheim-Spiel. Es sei zu befürchten gewesen, "dass diese Personen Straftaten begehen, insbesondere sich an gewalttätigen Auseinandersetzungen mit Fans aus dem Hoffenheimer Lager beteiligen", begründete Rathaussprecherin Edith Lamersdorf nach Rücksprache mit dem Ordnungsamt die Maßnahme.

Die Prognose der Behörde basierte auf Vorfällen bei beiden SC-Spielen gegen Hoffenheim in der vergangenen Saison: Beim Auswärtsspiel in Hoffenheim am 25. Oktober 2016 konnte die Polizei eine 30-köpfige Freiburger und eine Hoffenheimer Gruppe nur mit Mühe auseinanderhalten; mehrere SC-Anhänger schlugen und traten auf Beamte ein. Beim Rückspiel in Freiburg am 11. März 2017 hatte die Polizei erneut große Mühe, die gegnerischen Gruppierungen zu trennen, SC-Anhänger waren teilweise maskiert. Die 15 Ausgeschlossenen seien bei mindestens einem der beiden Vorfälle dabei gewesen, so Lamersdorf.
Während des Spiels des SC Freiburg gegen Hoffenheim hat ein Stromausfall Teile des Stadions lahmgelegt und den Betrieb stark eingeschränkt. Grund war eine durchgebrannte Sicherung. Mehr dazu

Unter den Betroffenen seien einige, gegen die der SC Freiburg oder ein anderer Bundesligaverein ein bundesweites Stadionverbot ausgesprochen habe. "Grundsätzlich ist dies aber keine Voraussetzung für ein ordnungsbehördliches Aufenthaltsverbot außerhalb des Stadions", so Lamersdorf. Das Ordnungsamt habe den Sportclub vorab über die Verbote informiert, ebenso das Freiburger Fanprojekt des Jugendhilfswerks.

Das Ordnungsamt sagte, dass es sich nicht um eine Maßnahme gegen bestimmte Gruppierungen handle, sondern gegen Einzelpersonen. Zu Wort meldeten sich im Internet die National Born Ultras (NBU), von denen nach eigener Aussage "mehrere Mitglieder" betroffen gewesen sind: Die Verbote seien willkürlich, völlig überzogen und richteten sich auch gegen Fans, "die bis dato weder eine Strafanzeige bekommen haben noch Auffälligkeiten zeigten". Laut Polizeisprecher Dirk Klose richtete sich das Verbot auch gegen Mitglieder der Gruppen Corrillo und IWF.

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Autor: Frank Zimmermann