Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.
22. März 2011
Ehrung
Seit 60 Jahren auf dem Freiburger Münstermarkt
Vier Marktbeschickerinnen und Marktbeschicker für 60 Jahre auf dem Münstermarkt geehrt.
Als Emilie Wiedemann 1951 begann, regelmäßig die 20 Kilometer von Eichstetten auf den Freiburger Münstermarkt zu fahren, war sie mit dem Fahrrad unterwegs. "Befestigte Straßen gab’s zu der Zeit auf der Strecke kaum", erzählt sie, "aber als 17-Jährige hat mich das nicht gestört." Heute, 60 Jahre später, ist an manchen Tagen sogar das Beladen des Autos mühsam.
Und doch wurden in diesen Tagen gleich vier Marktbeschicker geehrt, die seit sechs Jahrzehnten diese Mühe auf sich nehmen: Neben Emilie Wiedemann ist das Maria Scherzer aus Eichstetten – und aus Bahlingen kommen seit 1951 Else und Rudolf Schumacher mit selbst gezogenem Gemüse, mit Obst, Blumen – und bei den Schumachers ist der süße Honig von Anfang an im Sortiment.Ein Lastwagen hat einst im Dorf das Gemüse eingesammelt und in die Stadt gebracht, während Emilie Wiedemann durch den nachtfrühen Morgen radelte. Den Stand richten war allerdings zu der Zeit kein solches Geschäft wie heute, sagt die 77-Jährige: "Da haben wir Tücher auf den Boden gelegt und darauf unsere Ware ausgebreitet." So hat auch Else Schumacher einst angefangen, die mit 85 Jahren immer noch jeden Samstag feilbietet, was Obstbäume und Bienenstöcke hergeben. "Gemüse kann ich nicht mehr anbauen", erzählt sie, "das ist zu beschwerlich geworden." Und auch die Arbeit in den Reben geht nicht mehr so leicht von der Hand. Aber aufhören – daran denkt keine der von Oberbürgermeister Dieter Salomon und Wirtschaftsförderer Bernd Dallmann geehrten Markt-Ältesten. "Wir kennen ja nur ein Leben mit der Landwirtschaft", sagt Else Schumacher fast entschuldigend, "wir haben ja alle von klein auf mitgeschafft auf dem Feld und in den Reben." Die Markttage – so anstrengend sie sind – bringen nicht nur die Ware an den Mann, sondern sie bringen auch Begegnung. Und die mag keiner missen.
Werbung
Auch von denen, die zu den "jüngeren" Marktbeschickerjubilaren gehören, mag kaum einer diese Begegnungen missen. Egal ob mit Blumen, Gemüse, Schnaps oder Holzspielzeug, als Händler oder als Selbsterzeuger: Bei der Ehrung im Historischen Kaufhaus erhalten diejenigen Urkunde, Regenschirm und – ganz geschlechtsspezifisch – Wein für die Männer und Blumenstrauß die Frauen, die ein "rundes" Marktjubiläum zu feiern haben. Die Stimmung bei fast allen heißt: Aufhören? Nein danke! Nur Johannes Schoenmaker, Holländer aus Waldkirch, der seit 20 Jahren Käse auf dem Münstermarkt verkauft, will im Mai in den Ruhestand gehen.
Für Emilie Wiedemann geht genau im Mai die schönste Markt-Zeit erst richtig los: "Da hab’ ich wieder viele Blumen dabei!" Zum Beispiel die schöne alte Sorte "Gretel in der Heck’". Bis die zartblauen Gretel-Blumen in Sträußen stehen, sind aber die letzten Christrosen und die ersten Vergissmeinnicht schon jetzt bei den geehrten Jubiläums-Bauern mit dem langen Atem zu haben – zu hübschen kleinen Bauernsträußen gebunden.
Autor: Julia Littmann


