18. Mai 2009 16:15 Uhr

Polizei bleibt gelassen

Antoniushaus bleibt weiter besetzt

Das Antoniushaus in der Kirchstraße bleibt weiter besetzt. Im Moment ist noch unklar, wem das Haus gehört. Bei der Polizei liegt bis dato keine Strafanzeige von den Besitzern gegen die Besetzer vor.

Das besetzte Haus. | Foto: Rita Eggstein
Die Besetzer haben sich in dem ehemaligen Seniorenwohnheim bereits häuslich eingerichtet. Strom und Wasser fließen. Nach eigenen Angaben hat die Gruppe mit dem Namen "Freie Antonia" auch schon Hausführungen, unter anderem auch für Nachbarn veranstaltet. "Von Kindern bis Rentnern über 70 haben sich fast 200 Menschen das Haus angesehen, wir erhielten Dutzende Sachspenden wie einen Herd, eine Spülmaschine und mehrere Sofas", melden die Besetzer in ihrem Internetblog. Dazu gab es Jonglier- und Sambatanzkurse. Jeden Nachmittag soll nun auch ein für alle zugängliches Café geöffnet sein. Am Sonntag gegen Abend hielt Stadtrat Coinneach McCabe von der Grünen Alternative einen Vortrag zu Stadtentwicklung und Wohnsituation in Freiburg – in der ehemaligen Kapelle des Hauses.

Die Polizei begnügte sich bislang damit, ab und an eine Streife durch die Kirchstraße in der Wiehre zu schicken. "Wir warten erst einmal gelassen ab und lassen die Sache auf uns zukommen", meinte Polizeisprecher am Montagvormittag. Eine Strafanzeige liegt nicht vor.

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Die Polizei versuchte den Tag über – genau wie die Hausbesetzer übrigens – den Namen des Eigentümers des Gebäudes zu ermitteln, das in jüngster Vergangenheit, so wird jedenfalls kolportiert, offenbar mehrfach den Besitzer gewechselt hat. Nach BZ-Informationen soll es sich bei den Eigentümern um Privatleute handeln, die auch selbst in den Haus ziehen wollen, so lautet jedenfalls die Auskunft von den Vorbesitzern.

Die Besetzer wollen ebenfalls mit den Besitzern reden, um sie von der Idee eines Wohn- und Kulturprojektes zu überzeugen. Wie viele junge Leute sich derzeit in dem Haus derzeit aufhalten, ist unklar. "Für 50 Leute ist hier locker Platz", sagte die Gruppe am Sonntag nach einer Hausführung. Das unter Denkmalschutz stehende dreistöckige Haus ist seit Anfang 2008 leer gestanden. Damals sind die im Antoniushaus lebenden Senioren ins neu gebaute St. Marienhaus an der Talstraße umgezogen.  

Autor: rö



3 Kommentare

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Alex Smith  

Alex Smith 18. Mai 2009 - 20:29 Uhr

Wie waere es, wenn sich die 50 Damen und Herren einen Job suchen und sich ein Haus kaufen? In dem koennten sie dann Samba- und Jonglier-Kurse anbieten. Aber es ist halt einfacher, ein Haus eines anderen zu besetzen - besonders in Freiburg, wo die linke Szene machen kann, was sie will.

 

Anna Baumgart 19. Mai 2009 - 00:02 Uhr

Ich kann die Besetzung dieses Hauses nur befürworten. Dass diese Menschen sich dafür einsetzen etwas an dieser Gesellschaft zu ändern, und mit Kreativität, Witz und hoffentlich einer Portion Spaß eben dieser Gesellschaft auch noch etwas bieten. Diese jungen Menschen zeigen uns eingesessenen, routinierten, die nichts kennen als die Arbeit und ein stupides Freizeitangebot, nämlich eine große Alternative, für die wir keine Kraft mehr aufbringen können - weil wir uns diese andere Welt nicht einmal vorstellen können. Obwohl wir doch sehen was schief läuft in dieser Gesellschaft. Wir wissen doch alle von dieser Ungerechtigkeit, wenn wir nur die Augen aufmachen würden.
Diese Leute tun es. Sie teilen, sind nicht so Bestitzversessen, sie leben eine echtere Demokratie (nicht was unsere Stadtverwaltung ihnen da vorlebt) und würden ggf. sogar eine Anzeige für die Verwirklichtung ihrer Träume in Kauf nehmen.
Meine Hochachtung liebe Besetzerinnen und Besetzer!
A. Baumgart

nie-mehr-benzin.de  

nie-mehr-benzin.de 21. Mai 2009 - 12:10 Uhr

@A.Baumgart
Diese "echte Demokratie" zeigt sich auch in deren Blog.

Unliebsame kritische Kommentare werden wegzensiert, genauso wie in der damaligen "Deutschen Demokratischen Republik". Kritiker werden gleichgeschaltet oder wegzensiert was man ja aus dem realen Sozialismus zur Genüge kennt.

Wenn die ihre Träume verwirklichen wollen, sollen sie Geld verdienen und sich ein Haus kaufen und nicht einfach eins klauen. Tatsachenverdrehung ("Ihr klaut uns die Häuser") und falsch angelegter Neid zierte die Linke Szene schon immer wie der übliche Toleranzradikalusmus: Toleranz predigen und selbst intolerant gegenüber z.B. Hausbesitzern, die durch ihre Arbeit ihre Häuser mal gebaut und finanziert haben.