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26. November 2010 18:52 Uhr

Wurststände

Auf dem Münsterplatz geht’s um die Wurst

Muss die Vergabe der Wurststände auf dem Freiburger Münstermarkt neu geregelt werden? Einem Medienbericht zufolge empfiehlt das ein Gutachten. Viele Traditionsstände fürchten jetzt um ihre Existenz.

  1. Muss die Vergabe der Wurststände auf dem Freiburger Münstermarkt neu geregelt werden? Foto: Ingo Schneider

Meier, Hassler, Uhl und Hauber auf der Nordseite, Karle-Hämmerle auf der Südseite und nachmittags ist "Peters Imbiss" dran: So sieht sie aus, die Wurstlandschaft auf dem Münsterplatz, und das seit langer Zeit. Das könnte sich nun ändern. Nach Informationen des Südwestrundfunks empfiehlt ein Gutachten des städtischen Rechtsamts, die sechs Wurststände neu auszuschreiben. Damit könnten auch andere Anbieter zum Zug kommen.

"Ich hab’s erst heute morgen aus dem Radio erfahren", sagt Wurststand-Betreiber Gunter Uhl beim Wenden der Langen Roten. Und sein Kollege Paul Karle-Hämmerle auf der anderen Seite des Münsters hat gleich mal den Marktmeister angesprochen: "Da hängen schließlich Existenzen dran." Er betreibt seinen Wurststand seit elf Jahren, die Stände auf der Nordseite werden seit Jahrzehnten von den gleichen Familien betrieben und vererbt.

Die Causa Wurststand

Seit diesem Jahr allerdings gilt die Dienstleistungsrichtlinie der EU, die es Dienstleistern ermöglichen soll, ohne Hürden überall in der EU ihre Arbeit anzubieten. Das jedoch verträgt sich nicht mit dem Freiburger Modell. "Wir hatten im Sommer zwei Bewerbungen für die Wurststände", so Bernd Dallmann, Geschäftsführer der städtischen Wirtschaftsförderungsgesellschaft FWTM. Um auf der sicheren Seite zu sein, bat die FWTM das städtische Rechtsamt um ein Gutachten. Was dabei herauskam, wollten am Freitag weder Dallmann noch Bärbel Schäfer, die Leiterin des Rechtsamts, sagen.

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Nächsten Mittwoch nämlich tagt die gemeinderätliche Marktkommission, die als erste über den heiklen Kasus informiert werden soll. Dann soll es ein Gespräch mit dem neu gewählten Beschickerbeirat des Münstermarktes geben, bevor der Fall am 20. Dezember im Aufsichtsrat der FWTM beraten wird. Sollte dieser eine Satzungsänderung empfehlen, muss darüber der Gemeinderat entscheiden, denn der ist für die Marktrichtlinien zuständig.

Tradition ist kein Auswahlkriterium

Laut Rechtsamtsleiterin Schäfer macht die EU-Richtlinie keine Probleme bei der Vergabe von Plätzen auf Münstermarkt und Weihnachtsmarkt: Der Weihnachtsmarkt finde nur ein Mal im Jahr statt, man suche die Stände nach dem Kriterium der Attraktivität aus, und 20 Prozent neue Anbieter seien sowieso jedes Jahr dabei. Und beim Münsterplatz gebe es kein großes Platzproblem – anders als bei den Wurstständen.

"Wenn der Platz so beschränkt ist, muss man sehen, wie man damit umgeht", so Schäfer. Theoretisch könnte man die Standplätze verlosen, man könnte die Anbieter rollieren lassen oder man könnte Kriterien definieren, nach denen sie ausgesucht werden. Zum Beispiel könnte man Bewerber auswählen, die regionale Produkte anbieten. Dass jemand einen Wurststand schon seit Jahren betreibt, ist allerdings kein Auswahlkriterium – laut EU-Richtlinie.

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Autor: Simone Lutz