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28. November 2008

Auf der Flucht drei Kinder verloren

Slieman Abdal Abbo und Taimaa Hasso Abdallah wollen ihre drei älteren Kinder aus dem Irak holen, haben aber kein Geld

  1. Drei Kinder fehlen: Zekra (5), Hassan (7), Taimaa Hasso Abdallah, Ausam (3), Slieman Abdal Abbo. Foto: schneider

Eine Woche saßen sie zu fünft auf zwei Quadratmetern fest, in einem Lastwagen versteckt hinter Kartons, immer in der Angst, entdeckt zu werden. Doch das Schlimmste an ihrer Flucht aus dem Irak war für Taimaa Hasso Abdallah und ihren Mann Slieman Abdal Abbo, dass drei ihrer sechs Kinder verloren gingen. Jetzt leben die Eltern in der Flüchtlingsunterkunft an der Bissierstraße und wissen nicht, wann sie ihre Kinder wieder sehen. Sie dürften zwar nach Deutschland kommen – doch die jesidische Familie hat kein Geld. Visa, Pässe und Flugtickets kosten rund 3000 Euro.

Seit Februar dreht sich alles um die eine Frage: Was wird aus den Kindern? Taimaa Hasso Abdallah hat Magenprobleme, ihr ist schwindlig, sie geht zu einer Psychotherapeutin und sieht immer müde aus – weil sie viel weint und ständig grübelt. Hassan (7) macht eine Kindertherapie, in der Schule kann er sich schlecht konzentrieren. Wenn er, Zekra (5) und Ausam (3) wissen wollen, warum ihre Geschwister nicht da sind, fällt es den Eltern schwer zu antworten. Seit Februar haben sie ihre 10, 12 und 14 Jahre alten Kinder nicht mehr gesehen.

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Drei Mal konnten sie mit ihnen telefonieren, doch sie ertragen kaum ihre Vorwürfe: "Ihr habt uns verlassen – wir sind allein." Die Familie wurde unter dramatischen Umständen getrennt. Der Schlepper, der für sie die Flucht aus dem Irak organisierte, drängte sie, in verschiedenen Lastwagen unterzukommen: Im einen die Eltern und die kleinen Kinder, im anderen die Älteren und ihr Onkel. Die Lastwagen fuhren hintereinander her. Doch beim vereinbarten Treffpunkt, einem Cafe in der Türkei, tauchten die älteren Kinder und ihr Onkel nie auf. Was war passiert? Sie gerieten in der Türkei in eine Kontrolle und wurden in den Irak zurück geschickt. Zurzeit leben sie abwechselnd bei den Großeltern und anderen Verwandten, ein festes Zuhause haben sie nicht. Für die Verwandten ist die finanzielle Situation äußerst angespannt.

Die Familie hat einiges hinter sich: Als Jesiden – Angehörige einer kurdischen religiösen Minderheit – lebten sie in einem Dorf, das umzingelt war von einer großen muslimischen Mehrheit, die ihnen feindlich gesinnt war. Sie bauten Sandmauern auf, um sich vor Schüssen zu schützen, wurden von der Versorgung mit Wasser und Lebensmitteln abgeschlossen, hatten zunehmend Hunger und Angst. In einem Nachbardorf starben 1000 Menschen bei einer Explosion, Terroranschläge gehörten zum Alltag.

In Deutschland bekam die Familie eine befristete Aufenthaltserlaubnis, die sie berechtigt, ihre Kinder nachzuholen. Doch die Ausreise ist kompliziert und teuer: Die Erstellung von Visa (für die eine Reise nach Syrien oder Jordanien nötig ist) und der Pässe und die Flugtickets kosten ungefähr 1000 Euro pro Kind. Das Deutsche Rote Kreuz (DRK), das sich dafür einsetzt, dass Deutschland ein Kontingent irakischer Flüchtlinge aufnimmt, hat nun ein Spendenkonto eingerichtet. Es ist längst nicht nur eine Familie, die Hilfe braucht: Rund 20 000 Euro wären nötig, damit alle Flüchtlinge der Unterkunft, die vom DRK betreut werden, wieder mit ihren Kindern und Ehefrauen zusammenleben könnten, sagt die DRK-Sozialarbeiterin Elisabeth Götz. Viele von ihnen sind im Irak in großer Gefahr: So wie die Frau von Ismail Malallah Hammo, die sich – wie seine Mutter – seit seiner Flucht verstecken muss, weil er als Dolmetscher für die amerikanische Besatzung gearbeitet hat und deshalb als "Verräter" gilt.

Spendenkonto: Deutsches Rotes Kreuz, Kreisverband Freiburg, Kontonummer 2031307 bei der Sparkasse Freiburg, Bankleitzahl 68050101, Stichwort Irak-Flüchtlinge

Autor: Anja Bochtler