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22. November 2016

Widerstand

Bauern sorgen sich wegen des neuen Stadtteils Dietenbach

Der geplante Stadtteil Dietenbach vernichtet Ackerland. Landwirte sehen deswegen ihre Existenz bedroht

  1. Sie fürchten um ihre Höfe (von links): Manfred Vögele, Monika Falkner, Bernhard Sauter, Fabian Falkner und Franz Kiefer. Für Freitag ist eine große Traktoren-Demo quer durch die Stadt geplant. Foto: Michael Bamberger

"Wenn ich diese Fläche verliere, verliere ich meinen Bauernhof", sagt Bernhard Sauter mit düsterer Miene. Der 52-Jährige betreibt seinen Milchviehhof in Au – und ihm droht der Verlust von 24 seiner insgesamt 140 Hektar Futteranbaufläche. Das Gelände liegt dort, wo die Stadt Freiburg den neuen Stadtteil Dietenbach bauen will. Sauter wehrt sich dagegen – mit allen Mitteln. Damit ist er nicht allein. Ein gutes Dutzend Landwirte aus Freiburg und Nachbargemeinden hat sich zusammengetan, weil sie den Verlust von Ackerland nicht hinnehmen wollen.

"Derzeit habe ich 200 Stück Milchvieh", erläutert Bernhard Sauter. Wenn er die 24 Hektar auf dem Dietenbach-Areal hergeben müsste und keinen Ersatz fände, wovon derzeit auszugehen sei, dann müsse er zwangsläufig auch den Viehbestand um 30 bis 40 Rinder verringern, sagt Sauter – immerhin gehe es um 17 Prozent seiner gesamten Betriebsfläche. "Und dann kann ich den Hof nicht mehr halten", argumentiert der stämmige Mann aufgebracht. Der Stall, ja der ganze Betrieb sei eben auf 200 Tiere ausgelegt. Laut Bernhard Sauter ist da kein Spielraum für eine so deutliche Schrumpfung, was die Zahl der Kühe betreffe.

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Der Hof der Familie blicke auf eine rund 130-jährige Geschichte zurück. "Und mein 17-jähriger Sohn ist gerade im zweiten Ausbildungsjahr zum Landwirt, er will den Betrieb eigentlich einmal weiterführen", sagt Sauter. Es gehe um das Einkommen der Familie – und um die Arbeitsplätze seiner drei Angestellten. Das große Problem: Der Markt für Pachtfeld in und rund um Freiburg sei wie leergefegt. "Man findet praktisch keinen Ersatz, auch wenn man mehr bezahlen würde." Typische jährliche Pachten auf dem Dietenbach-Areal lägen bei 150 bis 200 Euro je Hektar (10 000 Quadratmeter).

"Das schürt nur den Groll

bei den Kollegen."

"Dass die Stadtverwaltung nun offenbar andernorts, etwa am Tuniberg, Pachtverträge mit Landwirten auflöst, um deren Flächen dann gegebenenfalls uns Dietenbach-Bauern zu geben, ist überhaupt keine Lösung", sagt Franz Kiefer (60). Er führt gemeinsam mit seiner Frau Monika Falkner und Sohn Fabian Falkner (18) einen Hof mit 50 Hektar Betriebsfläche in St. Georgen. "Das schürt nur den Groll bei den Kollegen." Auch Kiefer fürchtet, dass er seine Landwirtschaft nicht fortführen kann, wenn ihm die Stadtverwaltung die Anbauflächen für Mais, Weizen und Gerste nimmt, um dort rund 5000 Wohnungen zu realisieren.

Kiefer bewirtschaftet acht Hektar auf dem Dietenbach-Areal, davon sieben zur Pacht und einen im Eigentum. Von Sauters 24 Hektar sind 23 gepachtet, einen Hektar besitzt Sauter selbst. "Den verkaufe ich nie im Leben an die Stadt", kündigt der Landwirt aus Au an. Bis zuletzt werde er dagegen kämpfen, dass auf den Äckern Häuser gebaut werden. "Wir müssen uns wehren", sagt auch Franz Kiefer. Zu oft schon hätten Freiburger Bauern, speziell aus St. Georgen, wertvolle Ackerflächen für Bauprojekte abgeben müssen – etwa für Rieselfeld, das Gewerbegebiet Haid und Vauban.

Kiefers Ehefrau Monika Falkner organisiert den Widerstand. Rund 15 Landwirte seien dabei. "Es ist ein Hohn, dass die ,Green City’ örtlichen Bauern den Garaus macht, aber betont, wie wertvoll Lebensmittel aus der Region sind", sagt sie. Das Argument, es gehe beim Dietenbach-Stadtteil um dringend benötigten Wohnraum ziehe nicht. "Selbstverständlich gibt es Alternativen", so Monika Falkner. Deswegen werde es auch mit einer Enteignung nichts werden.

Traktoren-Demo: Am Freitag, 25. November, ziehen die Bauern aus Protest gegen die Dietenbach-Pläne von 12 bis 14 Uhr mit ihren Traktoren von St. Georgen in die Innenstadt und dann zum Mundenhof.

Autor: Holger Schindler