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17. November 2011 16:40 Uhr

Demonstration

Bildungsstreik: Hunderte protestieren in Freiburg

In einem Trauerzug durch die Stadt: Rund 600 Studenten und Schüler haben in Freiburg für bessere Lernverhältnisse und bessere Zukunftschancen demonstriert. Die Bildung trugen sie symbolisch zu Grabe.

  1. Trauerzug durch die Stadt: Studenten der Katholischen Hochschule tragen die Bildung zu Grabe – zumindest symbolisch. Foto: Ingo Schneider

Die Protestaktion fand am Donnerstag im Rahmen des bundesweiten Bildungsstreiks statt. In ganz Deutschland gingen Tausende Schüler, Studenten und Auszubildende auf die Straße. Sie demonstrierten gegen Studiengebühren und das dreigliedrige Schulsystem, für mehr Mitbestimmung und bessere Lernverhältnisse.

Die Demonstration in Freiburg lief harmonisch ab, zu Konflikten zwischen Protestierenden und Polizei kam es nicht (Fotos). Die Veranstalter hatte ihre Demonstration angemeldet. "Wir haben diskutiert, ob wir das tun sollen oder nicht", sagte Jakob Lohmann. Der 22 Jahre alte Jura-Student aus Kiel ist Mitglied des Arbeitskreises Bildungsstreik und Sprecher der Demonstranten. "Wir haben uns dann dafür entschieden, weil wir sonst vielleicht nicht in die Innenstadt gedurft hätten."

Sie durften. Vom Platz der Alten Synagoge aus zogen um 12.30 Uhr rund 400 Demonstranten nach Norden. Erstes Zwischenziel: Das Chemie-Hochhaus im Institutsviertel. "Die Studenten dort sind leider etwas weniger politisiert", sagte Lohmann.Von dort aus ging es über die Habsburger Straße weiter Richtung Bertoldsbrunnen.

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Mit Grablichtern durch die Stadt

Der Zug wurde schon wenige Meter nach dem Start vergrößert – um etwa 200 Studenten der Katholischen Hochschule (KH). Die fühlen sich zur Zeit besonders unter Druck: Zwar studieren junge Menschen vom Sommersemester 2012 an in Baden-Württemberg wieder gebührenfrei – doch das gilt nicht für KH-Studenten.

"Wir haben einige Studenten, die hochverschuldet sind", sagte Katharina Zauner, Sprecherin der Studenten. "Und weil Heilpädagogen und Sozialarbeiter unterbezahlt sind, wird es schwierig, die abzuarbeiten."

Zauner und einige ihrer Kommilitonen hatten für den Bildungsstreik einen Trauerzug organisiert – mit schwarzer Kleidung und dunklen Sonnenbrillen, mit Grablichtern und einem Blumenkranz, mit einem Sarg und einem großen Holzkreuz. Ein Transparent hatten sie wie einen Grabstein gestaltet: "Freie Bildung – warum musstest du von uns gehen?" Die Grabrede wurde am Bertoldsbrunnen gehalten, dort kam der Demonstrationszug für rund zwanzig Minuten zum Stillstand. Neu war die Idee mit dem Trauerzug nicht – die Sarg-Show gehört bei Bildungsdemos fest zum Repertoire.

Das gilt auch für wild geschwungene Transparente und laut gerufene Parolen: "Bildung für alle – und zwar umsonst!" "Sie sagen kürzen, wir sagen stürzen!" "Wir sind hier, wir sind laut, weil man uns die Bildung klaut!"

Am Ende, nach der Abschlusskundgebung auf dem Platz der Alten Synagoge, zeigte sich Jakob Lohmann zufrieden. "Unser Anliegen ist bekannt, das kann man durch solche Demos schon gut vermitteln." Und auch die Freiburger Polizei war zufrieden: "Es lief alles so ab, wie wir es besprochen haben", sagte Abschnittsleiter Elmar Schneider.

Aktionen in mehr als 40 Städten

Uneinig waren sich Demonstranten und Polizisten lediglich über die genaue Teilnehmerzahl. Lohmann kam auf etwa 800 – 200 mehr, als die Polizei geschätzt hatte.

Deutschlandweit fanden in mehr als 40 Städten Aktionen statt, in Berlin gingen laut Angaben eines Sprechers der Aktion Bildungsstreik über 6000 Menschen auf die Straßen. Die größte Demonstration in Freiburg hatte vor zwei Jahren stattgefunden – damals waren 5000 Menschen auf die Straßen gegangen.

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Autor: Patrik Müller