Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

02. November 2015

Blätterrascheln auf dem Mundenhof

Flüchtlinge aus den Containern am Dietenbachpark und Freiwillige der Initiative "Diefi" rechen das Laub beim Tiergehege zusammen.

  1. Zum Abschluss der Laubaktion gab’s ein gemeinsames Essen. Foto: T. Kunz

Überall raschelnde Blätter: Herbst auf dem Mundenhof. Als zwölf Bewohnerinnen und Bewohner der Flüchtlingscontainer am Dietenbachpark und acht Engagierte der Flüchtlingsinitiative "Diefi" am Samstagnachmittag zusammen anpackten, wurden viele Wege frei und die zusammengerechten Laubberge immer höher. Und am Ende gab’s Essen für alle auf dem Gelände des Projekts "Kontakt-Tier-Kind" (Kontiki).

Wo anfangen? Die Mundenhof-Chefin Susanne Eckert teilt alle in vier Gruppen ein. Sie freut sich über die Helfer: "Unsere Gärtner haben zurzeit so viel mit dem Bienenhaus zu tun, darum kommen sie nicht zum Rechen." Und weil sie oft die Hochbeete der Flüchtlinge am Dietenbachpark bewundert hatte und mit Bernhard Setzer von den "Diefi"-Leuten in Kontakt gekommen war, ergab sich die gemeinsame Aktion.

Bernhard Setzer und seine Frau Gesine Setzer machen sich mit ihrer Truppe auf den Weg zum Affengehege. Rasana Al Khaled aus Syrien freut sich: "Ich liebe Affen!" erzählt sie auf Englisch. Zwischendrin bleiben sie und ihr Mann Yussef Al Kadri stehen, um ihrem kleinen Sohn Said die Rehe und Hirsche zu zeigen. Said wurde kurz nach der Ankunft seiner Eltern geboren, er ist acht Monate alt. Den ganzen Sommer über hat das junge Ehepaar auf einer der zwölf Gartenparzellen bei den Containern Gemüse angebaut und geerntet: Spinat, Paprika, Zwiebeln, Salat und Knoblauch. Auf dem Mundenhof sind sie zum ersten Mal, wie die meisten der Flüchtlinge. Für Rasana Al Khaled und ihre Familie wird es auch das letzte Mal sein: Demnächst ziehen sie weg, nach Mössingen bei Tübingen.

Werbung


Dort war’s für sie möglich, eine bezahlbare Wohnung zu finden, in Freiburg hatten sie keine Chance. Yussef Al Kadri ist Landvermesser und sucht einen Job, Rasana Al Khaled will studieren. Sie haben ein Bleiberecht für drei Jahre, danach wird ihre Lage wieder überprüft. Bernhard Setzer will mit den beiden in Kontakt bleiben. Er bedauert ihren Wegzug. In Freiburg sei die Wohnungssituation eine Katastrophe. Besonders wichtig findet er es, Flüchtlinge so schnell wie möglich am Arbeitsmarkt einzubeziehen. Er und seine Mitstreiter bemühen sich, mit Betrieben in Kontakt zu kommen wegen Praktika und gemeinnützigen Tätigkeiten: "Die Flüchtlinge wollen was tun und sich nicht versorgen lassen!"

Deshalb haben er und seine Frau das Garten-Projekt gestartet, beide sind Biologen und haben im Innenhof des Hauses im Rieselfeld, wo sie wohnen, 2007 schon ein Gartenprojekt mit Kindern begonnen. Auch hier am Mundenhof sind sehr junge Teilnehmer dabei: Bahzad (15) stammt aus dem Irak, Rjad (13) aus Palästina, beide sprechen etwas Deutsch und haben Spaß daran, große Laubberge aufzutürmen. Genau wie Sildona Ristani aus Albanien, die ums Affengehege herumrecht. Sie weiß, dass sie, ihr Mann und der 15 Monate alte Sohn Aaron schlechte Ausgangsbedingungen im deutschen Asylverfahren haben, weil Albanien zum "sicheren Herkunftsland" erklärt wurde. Sie hat als Mathe-Dozentin an einer Uni gearbeitet, an der Freiburger Uni hat sie schon Kontakte geknüpft und ist Gasthörerin. "Wir sind sehr dankbar für die große Gastfreundschaft und die Sicherheit in Freiburg."

Autor: Anja Bochtler