Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

03. März 2010

Braucht Freiburg einen Rock- und Pop-Beauftragten?

Die Grünen im Gemeinderat stellen eine Anfrage – und die CDU lehnt eine Forderung ab, die es noch gar nicht gibt.

Stuttgart hat einen, Mannheim hat einen. Könnte auch Freiburg einen Beauftragten für Rock und Pop gebrauchen? Die Fraktion der Grünen hat sich diese Frage gestellt und Anfang Februar eine Anfrage an die Verwaltung gerichtet. Diese soll in anderen Städten nachfragen, wie dort Rock- und Pop-Musik gefördert werden, welche Haushaltsmittel dafür eingesetzt werden und ob es eben einen eigenen Beauftragten dafür gibt.

Das Kulturamt will diese Fragen – und andere der Grünen zur Situation der Popmusik in Freiburg – im Juni vor dem Kulturausschuss des Gemeinderats beantworten. Dann könnte eine Diskussion beginnen, ob auch Freiburg einen Beauftragten braucht. Die CDU-Fraktion im Gemeinderat allerdings will diese Diskussion erst gar nicht führen. Sie verschickte gestern eine Pressemitteilung. Darin wird ungeachtet der Tatsache, dass die Kollegen erstmal nur eine Anfrage gestellt haben, "die Forderung der Grünen nach einem städtischen Rock- und Pop-Beauftragten" barsch abgelehnt. Die Bestellung eines Beauftragten sei "eine Ausweitung der Bürokratie ohne inhaltliche Verbesserung", werden die Gemeinderäte Ellen Breckwoldt und Daniel Sander zitiert.

Werbung


"Schade", kommentierte gestern auf Anfrage der BZ Sebastian Dresel die Ablehnung der CDU, von der er bereits gehört hatte. Dresel ist der Beauftragte für Musik und Popkultur in Mannheim. Er sitzt im Kulturamt der Stadt. Seine Aufgaben umreißt er mit drei Stichworten: Wirtschaftsförderung, Kulturarbeit, Jugendförderung. Seine Arbeit umfasst wesentlich mehr als die Verwaltung von Proberäumen für Bands und die Subventionierung von Veranstaltungen. Der Pop-Beauftragte vermittelt Existenzgründer aus der Musikbranche an die Wirtschaftsförderer der Stadt, er begleitet Initiativen, die Auftrittsmöglichkeiten schaffen, er sorgt für das Coaching des Künstlernachwuchses.

Für Tilo Buchholz, den Vorsitzenden der Freiburger Musikerinitiative Multicore, wäre die Aufgabe eines hiesigen PopBeauftragten vor allem die Vernetzung zwischen der Musikszene und der Stadt oder zwischen Bands und Institutionen wie dem Haus der Jugend, ebenso wie die Vernetzung mit anderen Städten und dem Land. Mit einer zentralen Stelle könne etwa die Nachfrage von Bands nach Proberäumen gebündelt werden, der Bedarf überhaupt ermittelt werden. Der Beauftragte könne auch Informationen über Fördermittel verbreiten. Oder die Musikszene den Verantwortlichen für das Stadtmarketing näher bringen.

In diesen und weiteren Bereichen sieht Buchholz Handlungsbedarf. Der Multicore-Vorsitzende ist als sachverständiger Bürger im Kulturausschuss vertreten, er ist auch Mitglied der Grünen. Seine Gemeinderatsfraktion hat die Idee des Rock- und Pop-Beauftragten von Multicore aufgegriffen. Wie genau eine solche Position aussehen soll, da will Buchholz sich noch nicht festlegen.

Auch Achim Könnecke, Leiter des städtischen Kulturamts, meinte gestern gegenüber der BZ, die Förderstrukturen der populären Musik seien in Freiburg "durchaus optimierbar". Das Kulturamt könne sich wegen begrenzter Ressourcen nicht so intensiv und kontinuierlich um diese Szene kümmern, wie es wünschenswert sei. Es sei aber dabei, zusammen mit einer Arbeitsgruppe aus der Szene ein für Freiburg passendes Modell einer Förderstruktur zu entwickeln. Dies müsse nicht unbedingt das eines Pop-Beauftragten sein. "Wir diskutieren das wesentlich offener", so Könnecke.

Autor: Thomas Steiner