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04. Oktober 2012

Da soll noch viel mehr laufen

Straßenbahn, Leihfahrrad, Mietwagen oder alles zusammen: Freiburg will den Verkehr mit "Mobilitätsmanagement" optimieren.

  1. Rad und Straßenbahn sind innerstädtische die Hauptverkehrsmittel. Foto: Michael Bamberger

In den nächsten Jahren soll was laufen. Ab 2013 will Freiburgs Stadtverwaltung untersuchen, wie man die Bürgerinnen und Bürger der Stadt einfach, sicher und günstig mobiler macht – mit Straßenbahn, Leihfahrrad, Mietwagen oder allem zusammen. Am vergangenen Dienstag erfuhr der Verkehrsausschuss schon mal, wie das aussehen könnte – und war angetan.

Raus aus dem privaten Auto, rein in die öffentlichen Verkehrsmittel. Seit Jahrzehnten ist dies das offizielle Ziel Freiburger Verkehrspolitik. Deswegen hat die Kommune das Straßenbahnnetz komfortabel ausgebaut und in der ganzen Stadt Radwege angelegt. Doch es hat sich herausgestellt: Das genügt nicht mehr. Nicht, wenn der Schadstoffausstoß wie geplant drastisch sinken soll. Doch wie schafft man es, dass weit mehr Menschen als bislang das Auto stehenlassen und andere Verkehrsmittel nutzen? Das Zauberwort heißt "neue Mobilitätsangebote".

Im Verkehrsausschuss erklärte Peter Schick vom Garten- und Tiefbauamt, wie das klappen könnte. Aus vielen Ideen, die in anderen Städte teilweise schon erprobt werden, wollen sich das Amt und die Freiburger Verkehrs-AG nächstes Jahr fünf Projekte näher anschauen – mit dem Ziel, mittelfristig ein dauerndes Mobilitätsmanagement einzurichten.

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Erstes Projekt: Alles miteinander verknüpfen. Wäre es möglich, verschiedene Angebote zu vernetzen und eine einzige Mobilitätskarte anzubieten, mit der man Straßenbahn fahren kann, Carsharing macht, öffentliche Leihfahrräder nutzt und Elektromobile ausleiht?

Zweitens: Kommunale Hilfe für Carsharing. Bereits im Dezember diesen Jahres soll ein "Carsharing Aktionsplan" fertig sein, mit dem mehr Stellplätze für Carsharing-Autos gefunden werden sollen und mehr betriebliches Carsharing angestoßen wird.

Drittens: Öffentliche Leihfahrräder. Bislang zuckte die Stadtverwaltung davor zurück, weil praktisch jeder Haushalt Fahrräder hat. Doch wären Leihfahrräder nicht in Industrie- und Gewerbegebieten und für Touristen interessant?

Viertens: Elektromobilität. Könnten Dienstfahrzeuge mit Elektroantrieb oder Elektrotransporter, Elektro-Leicht-Fahrzeuge und E-Mopeds sinnvoll sein?

Fünftens: Mehr Werbung für die Sache. Könnten nicht vor allem Freiburgs Neubürger für ein Umdenken in Sachen Mobilität gewonnen werden? Und bräuchte Freiburg ein Marken-Image?

Diesen Ideen will die Stadtverwaltung also nachgehen. Die Mitglieder des Verkehrsausschusses fanden das richtig gut – vor allem, weil ihrer Ansicht nach Freiburg seine Vorreiterrolle bei innovativen Verkehrskonzepten schon lange eingebüßt hat. Und es fielen ihnen noch eine Menge anderer Dinge ein, die getan werden könnten: Das als Mobilitätszentrale geplante "Mobile" am Hauptbahnhof einbinden und endlich zum Laufen bringen. Die Fußgänger nicht vernachlässigen. Telematische Lenkungssysteme für intelligente Verkehrssteuerung nutzen. Wohnprojekte nicht mit Tiefgaragen, sondern mit Regiokarte, Leihrädern und Carsharing ausstatten. Mit dem Umland kooperieren. Straßen als sozialen Raum begreifen und nicht nur als Abstellplatz für Autos. "Das Thema ist komplex, da wird es keine schnellen Erfolge geben", bremste Baubürgermeister Martin Haag den Ausschuss. Doch im Grundsatz war man sich einig: "Es muss ein gutes System sein und es muss richtig beworben werden."

Autor: Simone Lutz