Nach der Gruppenvergewaltigung

Darum hat Ex-Stadtrat Sebastian Müller für Montagabend zu einer Demo aufgerufen

Carolin Buchheim

Von Carolin Buchheim

Mo, 29. Oktober 2018 um 15:10 Uhr

Freiburg

Drei Demonstrationen sollen am Abend in der Freiburger Innenstadt stattfinden – eine Demo der AfD, zwei Demos gegen sexualisierte Gewalt und rassistische Hetze. Zu einer hat Sebastian Müller aufgerufen. Was ihn dazu motiviert hat:

Sie haben am Freitag sehr schnell zur heutigen Demo aufgerufen. Was genau hat Sie dazu motiviert?
Sebastian Müller: Es ist eine Demo gegen sexualisierte Gewalt und gegen das politische Instrumentalisieren von schweren Straftaten. Mir ist es wichtig, dass die Demo nicht primär als Gegendemo zur angekündigten AfD-Demo wahrgenommen wird. Ich bin seit längerer Zeit entsetzt darüber, dass immer wenn eine Frau vergewaltigt oder ermordet wird, das sofort politisch ausgeschlachtet wird. Diese Straftaten werden zur Hetze gegen Flüchtlinge und Ausländer genutzt.

"Es geht darum, einen Erregungszustand zu erzeugen oder aufrecht zu erhalten, der für ein politisches Geschäftsmodell gebraucht wird."

Ich habe den Eindruck, dass die Menschen, die das tun, für solche Fälle nicht nur schon eine Strategie parat haben, sondern sogar schon die Vorlage für das Share-Pic auf dem Rechner liegen haben. Sie wissen genau, was die Trigger sind, und sie haben die Leute im Netz zusammen, die diese Sachen verbreiten. Das finde ich sehr zynisch. Da geht es nicht um das, was der Frau passiert ist. Es geht darum, einen Erregungszustand zu erzeugen oder aufrecht zu erhalten, der für ein politisches Geschäftsmodell gebraucht wird.

Die Resonanz auf Ihren Aufruf war sehr groß – sowohl positiv als auch negativ. Welche Erfahrungen haben Sie seitdem gemacht?
Müller: Seit Samstagmorgen blockiere ich quasi ständig Hasskommentare. Das ist ein organisiertes Netzwerk das dahinter steckt und bewusst Falschaussagen verbreitet. Bis Sonntag um 11 Uhr war keiner der Kommentare nett. Danach kamen die Leute von #Ichbinhier und haben das ein bisschen gedreht. Leute, die mich kennen, finden das alle gut. Leute, die ich nicht kenne, hinterlassen hingegen durchweg negative, AfD-nahe Hetzkommentare.
Zur Person

Sebastian Müller, 35, ist ehemaliger Freiburger Stadtrat von Junges Freiburg und arbeitet als Rettungsassistent.

Bereuen Sie es, zur Demo aufgerufen zu haben?
Müller: Nein. Normale Leute finden das, was die AfD tut total absurd und empörend. Und sie sind gleichzeitig auch entsetzt über dieses Verbrechen. Da kann jeder Mann, jede Frau gegen demonstrieren. Man kann auch als Bürgerin oder Bürger dagegen protestieren, dass jemand zwei Mal zum Opfer gemacht wird – durch ein Verbrechen und dadurch, dass dieses politisch instrumentalisiert wird. Man darf nicht zulassen, dass die Hetzer, die gegen alles das stehen, was Deutschland seit dem Grundgesetz ausmacht, dieses Land kaputt machen. Jeder, dem das etwas bedeutet, muss doch gegen diese Art der Politik und der Kommunikation aufstehen. Das einzige, was diese Partei zusammenhält ist gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit, nicht nur gegen Flüchtlinge und Ausländer, sondern auch gegen Juden, Behinderte, Homosexuelle, Christen, Alleinerziehende und Journalisten.

Mit welcher Resonanz rechnen Sie – bei allen drei Demos am heutigen Abend?
Müller: Bei der AfD kommen zwischen 30 und 70 Leuten, die aus der Region anreisen werden. Sie werden von sehr viel Polizei beschützt werden. Und dann werden sicherlich Hunderte Freiburgerinnen und Freiburger dagegen demonstrieren.


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