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09. Dezember 2011

Das "Academic Year" in Freiburg gibt es seit 50 Jahren

Das „Academic Year in Freiburg“ (AYF) eröffnet Studierenden aus dem Mittleren Westen der USA seit 50 Jahren die Möglichkeit, in Freiburg zu leben und zu studieren.

  1. US-Studenten feiern in der Stusie Thanksgiving. Foto: Michael Bamberger, VLAD_G/Fotolia

Pünktlich zum Wintersemester ist der Jubiläumsjahrgang im Breisgau eingetroffen. Was einige Teilnehmer womöglich noch gar nicht wissen: Das Risiko, durch AYF in Deutschland kleben zu bleiben, ist groß.

Der vierte Donnerstag im November: Knapp 30 Teilnehmer des Jubiläumsjahrgangs sitzen in der Studentensiedlung (Stusie) am Seepark zusammen. Sie feiern "Thanksgiving" – und damit mehr als ein bloßes Erntedankfest. "Es ist schwer, ohne Familie zu feiern", sagt Chris Fleming, der eigentlich an der Michigan State University studiert. "Aber unsere Gruppe ist auch so etwas wie eine Familie." Damit der größte amerikanische Festtag in Freiburg nicht traurig wird, gibt es auch hier einen saftigen Truthahn und alles, was sonst noch zum ordentlichen "Thanksgiving" gehört.

Der Truthahn allein dürfte zwar kaum für die Erfolgsgeschichte des "Academic Year in Freiburg" verantwortlich sein. Wie bei jeder Tradition, ist jedoch auch im Fall des AYF eines nicht hinwegzudenken: Kontinuität. "Bei uns kommt jedes Jahr ein Dozent aus den USA mit nach Deutschland und steht den Studenten zur Seite", sagt Helmut Puff, Professor an der University of Michigan und selbst Abgesandter des Jahrgangs 2011/12. "Das hilft, das Programm weiter zu entwickeln." Knapp 50 US-Studenten seien im Schnitt pro Jahrgang in Freiburg – die Zahl der Deutschen, die im Gegenzug nach Amerika dürfen, ist dagegen wesentlich kleiner. Auch reist kein deutscher Dozent mit in den Mittleren Westen. "Das hat finanzielle Gründe und hängt mit dem System in den USA zusammen", weiß Helmut Puff.

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Insgesamt vier Hochschulen nehmen am AYF-Programm teil: die Michigan State University, die University of Iowa, die University of Michigan und die University of Wisconsin in Madison. Die Umstellung auf das größenmäßig überschaubare Freiburg falle den Studenten insbesondere deshalb nicht schwer, weil sie selbst oft aus eher ländlichen Gegenden kämen, erklärt Ulrich Struve, der sich bereits seit zehn Jahren als "Associate Director" des AYF um die Anliegen der amerikanischen Studierenden vor Ort kümmert. Er schmunzelt: "Die Konfrontation mit dem Badischen kann jedoch schon ein kleiner Kulturschock sein."

Wenn sie auch an unterschiedlichen amerikanischen Universitäten studieren, eines verbindet alle AYF-Studenen: die deutsche Sprache. Während an das Studienfach keine besonderen Voraussetzungen gestellt würden, "sind mindestens zwei Jahre Deutsch auf High-School-Level Pflicht", so Struve. Viele Teilnehmer studieren in ihrer Heimat jedoch Deutsch. So auch Christine Grady von der University of Wisconsin in Madison. "Ich studiere die Sprache als Nebenfach zu Psychologie", erzählt die 20-Jährige und ergänzt: "Das AYF ist ein etabliertes Programm, und Freiburg die sonnigste Stadt in Deutschland. Deshalb wollte ich unbedingt hierher." Auch für Lehramtsstudent Adam Powers aus Michigan kam für die Dauer eines ganzen Jahres nur ein Aufenthalt im Breisgau infrage: "Ich habe ein Praktikum in Berlin gemacht. Aber kleine Städte sind mir lieber. Es ist einfach sehr schön hier."
Freiburg kommt also gut an bei den amerikanischen Studierenden – und hinterlässt anscheinend bleibenden Eindruck: Der ehemalige AYF-Absolvent John Lindner kommt aus dem Schwärmen gar nicht heraus: "Freiburg macht süchtig." Der heutige Mitarbeiter des Max-Planck-Instituts machte es zahlreichen Vorgängern nach und kehrte nach Studienende in den USA zurück nach Deutschland. 2005 war der heute 27-Jährige noch als Deutsch- und Biologiestudent in Milwaukee ins Flugzeug gestiegen, um nach Freiburg zu reisen. Heute ist er hier zuhause. Glücklich zieht John Lindner Bilanz: "Meine Frau, meine Tochter, meine Arbeitsstelle und viele Freunde habe ich AYF zu verdanken."

Ähnlich erging es Erik Kirschbaum, dessen Austauschjahr sich 2012 zum 30. Mal jährt. "Das war vielleicht die schönste Zeit meines Lebens", schwärmt der Agenturjournalist, der inzwischen in Berlin lebt, "seither messe ich jede Stadt, in der ich gelebt habe, an Freiburg." Vor seinem "Year in Freiburg" habe er noch Sportreporter werden wollen, im Anschluss Korrespondent im deutschsprachigen Europa. Heute ist Kirschbaum 51, hat vier Kinder und "eigentlich nicht vor, zurück in die USA zu gehen."

Amerika-Austauschjahr

Ursprünglich 1960 als "Junior Year in Freiburg" von der Wayne State University in Detroit, Michigan, an der Uni Freiburg gegründet, wurde das Programm 1997 unter der Leitung der Universität Wisconsin neu konstituiert und trägt seither den Namen "Academic Year in Freiburg" (AYF). Seither haben 655 Studierende aus den USA über AYF ein Auslandsjahr in Freiburg absolviert - was im Schnitt 47 Teilnehmer pro Jahrgang bedeutet. Vergleichbare Programme sind übrigens sowohl bundesweit als auch an der Uni Freiburg Mangelware. Nach ähnlichem Muster funktioniert der Austausch beim "Canadian Year in Freiburg", welches - wie der Name schon sagt - mit einem Konsortium kanadischer Unis agiert. Daneben bietet das Programm IES, das "Institute for the International Education of Students", amerikanischen Studierenden einen halbjährigen Austausch in Berlin und Freiburg an. Außerdem bestünden mehrere Partnerschaften mit einzelnen amerikanischen Unis sowie baden-württembergische Programme, so das "International Office" der Universität Freiburg. Weitere Informationen zum "Academic Year in Freiburg" gibt es im Internet auf der AYF-Homepage http://www.ayf.uni-freiburg.de; Allgemeines zu sämtlichen Austauschprogrammen auf den Seiten des "International Office" der Universität Freiburg, http://www.io.uni-freiburg.de.  

Autor: pwi

Autor: Philipp Wissmann