Interview

Warum der Bau eines Schulhauses eine Million Euro billiger wird

Simone Höhl

Von Simone Höhl

Fr, 05. Mai 2017 um 11:44 Uhr

Freiburg

Bei der Erweiterung einer Freiburger Schule spart das Amt für Gebäudemanagement eine Million Euro ein. So eine Nachricht ist selten. Wie haben Sie das gemacht, Frau Katzer-Hug?

Die Stadt erweitert die Adolf-Reichwein-Schule und das Amt für Gebäudemanagement spart laut der neuesten Abrechnung dabei eine Million Euro ein. So eine Nachricht kommt nicht gerade oft aus dem Rathaus. Simone Höhl stellte Gebäudemanagerin Andrea Katzer-Hug die Eine-Million-Euro-Frage.

BZ: Eine Million Euro billiger – wie konnte das passieren, Frau Katzer-Hug?

Katzer-Hug: Tja, das ist eine glückliche Fügung unterschiedlicher Faktoren. Zum einen haben wir ursprünglich die Umsetzung in zwei Abschnitten geplant, dann hat der Gemeinderat entschieden, dass wir den Erweiterungsbau und die Kita zusammen machen dürfen, das heißt, wir konnten zusammen planen und ausschreiben. Das war top. Zudem hatten wir ein hervorragendes Team von Architekt, Planern und Handwerkern. Es gab keine nachträglichen Änderungen und wenig Nachträge für zusätzliche Leistungen. Und dann haben wir einfach einen guten Zeitpunkt erwischt – noch bevor die Baukonjunktur so angezogen hat.

"In der Liga wie jetzt kann ich mich an keine Einsparung erinnern." Andrea Katzer-Hug
BZ: Normal wird’s ja immer teurer...

Katzer-Hug: Auch da gibt’s viele Gründe. Unser größtes Problem ist, dass wir bereits Zahlen liefern müssen, bevor wir mit der Planung begonnen haben. Zu dem Zeitpunkt weiß man ungefähr, wie Schule und die Schülerzahl aussehen, peilt über zwei dicke Daumen, wie groß das Gebäude wird und was ein Quadratmeter kostet. Wenn wir dem Gemeinderat zum Beispiel vorschlagen, eine neue Staudinger-Schule zu bauen, ist die erste Frage: Was kostet’s? Das kann Jahre vor dem Baubeginn sein, und an der Hausnummer werden wir gemessen. Dann fangen wir an zu planen und erstellen eine Kostenberechnung. Da haben wir aber noch keine Details und keine Änderungen. Die Auftragslage ist natürlich auch ein wichtiger Punkt. In den letzten anderthalb Jahren hatten wir Preissteigerungen von über fünf Prozent pro Jahr. Es hat auch schon Firmen gegeben, die etwas mehr verlangt haben, wenn sie wussten, dass wir ein Projekt zum Beispiel aus Sicherheitsgründen unbedingt machen müssen.

BZ: Welches wird als nächstes billiger?

Katzer-Hug (lacht): Ich wünschte, ich wüsste es. Wir versuchen es bei jedem Gebäude. Und in der Liga wie jetzt kann ich mich an keine Einsparung erinnern.
Andrea Katzer-Hug ist Architektin, leitet die Abteilung Technisches Management des Gebäudemanagements und kennt sich mit Schulbauten gut aus. Die 43-Jährige wird Nachfolgerin von Amtsleiter Johannes Klauser, der zum Juni in Ruhestand geht.

Adolf-Reichwein-Schule

Die Schule im Stadtteil Weingarten erhält einen Neubau mit Ganztagsbereich, Schulkindergarten und Kita. Höchstwahrscheinlich kostet er 15,4 statt der genehmigten 16,4 Millionen Euro. Die Kita soll im Dezember fertig sein, der Ganztagesbereich schon im September, so dass ihn die Schule nach den Sommerferien gleich nutzen kann. Das alte Schulhaus wird saniert. Mit der übrigen Million kann die Sanierung Anfang 2018 beginnen, eigentlich gäbe es erst später Geld. Die Sanierung soll 8,6 Millionen kosten. Die Spar-Million bliebt im Etat der Stadt.