DAS MACHT SCHULE!

lsx, sh

Von lsx & Simone Höhl

Mi, 20. September 2017

Freiburg

BILDUNGSBESUCH

Politik auf dem Schulhof

"Warum kann man denn nicht mehrere Parteien wählen?" Mino, 14 Jahre alt, steht auf dem Pausenhof der Karlschule und hat Entscheidungsschwierigkeiten. Eben hat er mit einem Vertreter der Grünen Jugend über Tierschutz gesprochen, in der Hand hält er Flyer der SPD und der Linken. Deren Jugendgruppen haben ebenso wie die von CDU und FDP am Dienstag der Werkrealschule in Herdern einen Besuch abgestattet. Ihre Mission: politische Bildung. Monika Stein, Lehrerin und Stadträtin, hat das Angebot des Rings Politischer Jugend gerne angenommen.

Normalerweise kommen sie zu älteren Gymnasiasten, um dabei auch mit Erstwählern diskutieren zu können und die Standpunkte der Parteien zu erklären, erzählt Luca Lorenz (23) von der Linksjugend. Für Mino und seine Mitschüler geht es erst einmal nur darum, wem sie bei der "Juniorwahl" am Donnerstag ihre Stimmen geben. Dabei handelt es sich um eine bundesweite Aktion, bei dem auch Minderjährige die Bundestagswahl simulieren. Doch die Vertreter der Jugendgruppen sind sich einig: In den neunten und zehnten Klassen, mit denen sie über Politik sprachen, war großes Interesse vorhanden.

Einige der Schüler hätten zudem erstaunlich gut über viele Themen Bescheid gewusst. Einmal sei er sogar nach dem Kohlendioxid-Ausstoß von Frachtschiffen gefragt worden, berichtet Steffen Herder (23) von der Jungen Union. Wenig später befragt ihn der 15-jährige Irakli, der einen georgischen Pass hat, nach seiner Meinung zur doppelten Staatsbürgerschaft. Herder erklärt, dass die Junge Union sie ablehnt, aber Irakli sagt zumindest: "Seine Argumente konnte ich nachvollziehen." Vor allem Themen wie Klimaschutz, aber auch Flüchtlings- und Verkehrspolitik haben die Schüler besonders interessiert. Der 15-jährige Lennard fand es aufschlussreich, in welchen Fragen welche der Parteien auf einer Linie sind. "Die gleiche Position hatten alle nur dann, wenn es gegen die AfD ging", stellt er fest. Die ist zwar Thema bei der Aktion, aber nicht dabei gewesen. "Das wäre sicher witzig geworden", meint Lennard. Später fügt er hinzu: "Natürlich will niemand gerne mit denen reden, aber das muss man halt auch machen." Am umschwärmtesten ist die Linksjugend, die einen kleinen Stand mitgebracht hat – mit Infobroschüren, aber auch Lollis, Armbändern und Stiften.

JUGENDWAHL

Die Grünen liegen vorn

Die Schülerinnen des St.-Ursula-Gymnasiums haben ihre Junior- und U18-Wahl schon abgehalten. Dafür bildeten sie Wahlkomitees und zählten Stimmen aus – am Dienstag die letzten. Die Freiburger Kandidaten hatten sie bei einer Podiumsdiskussion vor den Ferien alle live erlebt. Jetzt wählten die Siebt- bis Zwölftklässlerinnen. Von den Erststimmen entfielen 42,7 Prozent auf Kerstin Andreae (Grüne) und jeweils 25,4 Prozent auf Matern von Marschall (CDU) und Julien Bender (SPD). Adrian Hurrle (FDP) und Soja Ellen Hösl (Tierschutzpartei) bekamen 2,5 Prozent, Tobias Pflüger (Linke) 1,7 und Volker Kempf (AfD) mit genau einer Stimme 0,2 Prozent.

Auch bei den Zweitstimmen siegten die Grünen in der Mädchenschule in der Innenstadt klar (39,8 Prozent), gefolgt von der CDU/CSU (27,5) und der SPD (15,9). Tierschutzpartei (4), FDP (3,8), Linke (3,6) und AfD (1) zögen nach dem Willen der Ursulinen nicht in den Bundestag ein. Bei der bundesweiten U18-Wahl liegen die Grünen außer in Freiburg nur noch in Heidelberg vorn. Wer’s genau wissen will: http://www.u18.org