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08. Mai 2010

Das nächtliche Tempolimit soll erst der Anfang sein

BZ-HAUS AKTUELL: Anwohner und Stadträte diskutieren, wie sich die Lebensqualität an der B 31 verbessern lässt.

Applaus gibt’s spontan im BZ-Haus am Donnerstagabend, als Moderator Joachim Röderer zu Beginn der Podiumsdiskussion die brandaktuelle Entscheidung des Regierungspräsidiums bekannt gibt: Tempo 30 ist nachts auf der B31 genehmigt. "So was!", freut sich eine Anwohnerin der Bundesstraße. Die Anlieger sind zahlreich erschienen, denn im Mittelpunkt sollte die Frage stehen, wie es weitergeht an der Bundesstraße. Die Zuhörer und die Stadträte auf dem Podium machen klar: Das nächtliche Tempolimit kann nur der Anfang sein.

Seit die Lastwagen wegen der Dreisambaustelle einen Umweg nehmen müssen, erleben die Anwohner der B 31 das "halbe Paradies", wie Kurt Höllwarth auf dem Podium sagt. Von dieser gewonnenen Lebensqualität will der Jurist etwas behalten. 90 Anträge haben er und Anwohner bei der Stadtverwaltung eingereicht, um Tempo 30 ganztags und ein Nachtfahrverbot für Lkw durchzusetzen.

"Unsere Leidensfähigkeit ist am Ende", bestätigt ein Anwohner. Die Sozialstruktur entlang der B31 verändere sich. "Können hier noch Familien mit Kindern leben?" Ein anderer ist aus seiner Eigentumswohnung gezogen und wohnt jetzt zur Miete. Wenn ein 40-Tonner über die Stadtbahnschwellen rumple, meinten manche, es gebe ein Erdbeben.

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Die Stadträte Helmut Thoma (Grüne, Daniel Sander (CDU) und Gabi Rolland (SPD) sind sich ziemlich einig, dass Abhilfe Not tut. Thoma würde so ziemlich alle Mittel ausschöpfen, die rechtlich möglich sind, Sander hält Tempo 30 tagsüber für unrealistisch und fürchtet Verkehrschaos – Rolland liegt dazwischen.

Die Diskussion macht auch deutlich, dass die Datengrundlage recht dünn ist. Dirk Blens von der Initiative Stadttunnel hält die B 31 für eine Transitstrecke. "Da genügt doch ein Blick auf die Nummernschilder." Das Regierungspräsidium hingegen sieht keinen Nachweis, dass Lkw durch Freiburg donnern, um Maut zu sparen. Dann nämlich könnte für die Straße eine Gebühr erhoben werden. Und Spediteur Oskar Dold aus Buchenbach schätzt, dass der Fernverkehr unter den täglich 5000 Lastwagen bei nur fünf Prozent liegt: "Der litauischer Laster kann durchaus aus Frankreich zu Lidl in Donaueschingen fahren." Die lokalen Verkehrspolitiker verlangen exakte Zahlen statt Behauptungen.

Dold hält es für irrig zu glauben, die Stadt könne die europäische Logistikbranche bremsen. Mit Freiburger Regelungen, glaubt auch Stadtrat Sander, "werden wir den Lkw-Verkehr nicht verhindern." Seine Kollegin Gabi Rolland indes gibt die politische Maxime aus: "Geht nicht, gibt’s nicht." Das hält auch Anwohner Kurt Höllwarth für den richtigen Ansatz. Entscheidend für mehr Lebensqualität an der B 31 sei der politische Wille: "Die Behörden dürfen sich nicht hinter Rechtsvorschriften verschanzen."

Autor: mac