Großbaustelle

Die neue Kronenbrücke hat eine besondere Konstruktion samt Tragwerk mit Gussknoten

Simone Höhl

Von Simone Höhl

Mi, 04. Januar 2017 um 09:50 Uhr

Freiburg

Licht statt Muff: Die neue Kronenbrücke wird filigraner als ihr Vorgänger und lang – und trotzdem nicht aus Spannbeton gebaut: Die Konstruktion samt Tragwerk mit Gussknoten ist besonders.

Gut, die Kronenbrücke lässt auf sich warten, aber dafür soll sie auch etwas Besonderes werden. "Die neue Brücke ist ein cooles Ding", kündigte Tiefbauamtschef Frank Uekermann einmal an – und erklärt jetzt, warum.

Die Brückenkonstruktion hat zwei Besonderheiten, eine oben, eine unten. Zum einen wird die Brücke gut 40 Meter lang und breit, aber mit Stahlbeton gebaut. "In dieser Länge und dieser Filigranität geht das normalerweise nur mit Spannbeton", erklärt Uekermann und gibt zum besseren Verständnis einen kleinen Grundkurs in Baustoffkunde.

Hochwasserfest inklusive Klimazuschlag

Stahlbeton biegt sich bei zu großer Last durch, der Beton wird rissig, der innenliegende Stahl rostig und die Brücke geht kaputt. Im Spannbeton dagegen ist der Stahl gespannt und dadurch der Beton zusammengedrückt, was das Ganze viel stabiler macht. "Meines Wissens sind wir die Einzigen in Deutschland, die das machen", sagt Uekermann zur speziellen Konstruktion und verweist auf das Ingenieurbüro Leonhardt, Andrä und Partner, von dem der Entwurf stammt. Doch dort ließ sich die Frage in den letzten Tagen urlaubsbedingt nicht klären.

Die neue Kronenbrücke wird eine höhere Tragfähigkeit als die alte haben, die in den 60er-Jahren aus Spannbeton gebaut worden und inzwischen marode war. Sie hätte die Straßenbahnen nicht tragen können und wurde im vergangenen Jahr abgerissen. Die neue Brücke wird eine 70 Zentimeter dicke Platte aus Stahlbeton bekommen, die leicht wirkt. "Das ist schon immens", sagt der Amtsleiter und erklärt, dass die Last vom Tragwerk unter der Brücke aufgefangen wird – die zweite Besonderheit.

"Das ist megaaufwändig." Amtsleiter Uekermann zum Schweißen
Der Unterbau wird aus Stahl konstruiert, aus Rohren und Verbindungsstücken. Ihre Dimensionen sind groß: Die Rohre haben einen halben Meter Durchmesser und acht Zentimeter dicke Wände, die Knoten aus Guss-Stahl wiegen jeweils 4,3 Tonnen, Kosten: 1,5 Millionen Euro. Die Gussknoten bündeln links und rechts unter der Brücke Rohrstücke, immer zwei gehören zu einer "Unterspannung", von denen es vier geben wird. Knoten und Rohre werden ab März zusammengeschweißt – Punkt für Punkt, sagt der Amtschef: "Das ist megaaufwändig und dauert zwei Monate."

Unter der Konstruktion soll es deutlich mehr Licht und Luft für Fußgänger und Radfahrer am Dreisamufer geben als unter dem alten Betonklotz. "Das Tragwerk wird auch richtig gut aussehen", findet der Amtsleiter.

Unten heller, oben sicherer

Der Unterbau hat genügend Abstand zur Oberfläche der Dreisam, selbst wenn es ein Jahrhunderthochwasser gibt – und einen freiwilligen "Klimazuschlag" von 15 Prozent. Ob das Hilfstragwerk einem 100-jährlichen Hochwasser standhält, ist eine von vielen Diskussionen, die es auf der Baustelle gibt. Auf dem Hilfskonstrukt, das bereits beim Abriss der alten Brücke verwendet wurde, soll von Mai bis Juli dann der Oberbau betoniert werden.

Auf dem wird es eine andere Verkehrsführung geben als auf der alten Brücke. Die wichtigste Neuerung: Es gibt zwei Gleise für die neue Stadtbahn über den Rotteckring in der Mitte. Für Autofahrer werden weniger Spuren eingerichtet. "Es gibt auch ein bisschen weniger Verkehr", sagt Frank Uekermann. Denn der Schwerlastverkehr werde über die Heinrich-von-Stephan-Straße umgeleitet. "Für Radfahrer wird’s sicherer", kündigt der Amtschef an. Sie bekommen auf beiden Seiten eigene Linksabbiegerspuren.
Die Brücke in Zahlen

Die neue Kronenbrücke wird eine Fläche von 1600 Quadratmetern haben. Über jedes der beiden Gleise sollen pro Jahr 62 600 Mal Straßenbahnen fahren. Zwischen dem Außengeländer der Brücke und dem Geländer an der Lichtöffnung auf der Innenseite liegen rund 18 Meter. Die "kleine lichte Weite", also der Abstand zwischen den beiden Widerlagern links und rechts am Dreisamufer, beträgt den Plänen zufolge 40 Meter, die kleinste lichte Höhe zwischen Oberkante Dreisam und Unterkante Brücke misst etwa 3,60 Meter.

An der Stelle der Kronenbrücke führte schon vor Jahrhunderten ein einfacher Holzsteg über die Dreisam. Er wurde 1896 durch eine Eisenbrücke mit Steinunterbau ersetzt, die allerdings bald Opfer von Hochwasser wurde. Der Nachfolgebau wurde Gartenstraßen- oder Kronenbrücke genannt, die nächste war 1903 die Friedrichbrücke, wegen der Drachen am Geländer auch Schwiegermutterbrücke genannt. Sie wurde durch die alte Kronenbrücke ersetzt, die 63 Meter breit war. Die beiden halbrunden Hälften der Doppelbrücke wurden 1967 und 1969 gebaut – gleichzeitig mit dem endgültigen Ausbau des Rotteckrings.