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10. Oktober 2012 12:08 Uhr

Klimatagung

Debatte um den Platz der Alten Synagoge geht weiter

Die Umgestaltung des Platzes der Alten Synagoge hat eine Debatte losgetreten, die bei einer Klimatagung in Freiburg weiter geht. Meteorologen warnen vor teils unerträglicher Hitze, die Stadtplaner sehen darin kein echtes Problem.

  1. So soll der Platz der Alten Synagoge in Freiburg nach der Umgestaltung aussehen. Foto: Animation: www.gd90.de

Die geplante Umgestaltung des Platzes der Alten Synagoge ist auch Thema der 9. Klimatagung, die am Dienstag in Freiburg begonnen hat. Dabei werden Meteorologen der Albert-Ludwigs-Universität erläutern, warum sie mehr Hitzestress erwarten. Tatsächlich hatte der Gemeinderat nach der Kritik von Klimaexperten schon im Juli 2010 beschlossen, mehr Bäume zu pflanzen. Doch der aktuelle Plan sieht dieselbe Anzahl vor – allerdings sind die 14 Bäume anders angeordnet. Das bestätigte der Leiter des Garten- und Tiefbauamts Frank Uekermann. Sein Amt hält die vorhergesagte Zunahme der Hitze auf dem Platz der Alten Synagoge für wenig relevant. Ziel sei eine klimatische Vielfalt.

Die Meteorologen der Freiburger Universität haben vor Monaten auf die drohende Verschlechterung des Kleinklimas hingewiesen. Dass die Rasenfläche mit Granit versiegelt und Bäume gefällt werden, führe dazu, dass Hitzestress künftig von Mai bis September auftreten könne und damit zwei Monate länger als bisher. Zudem sei es in der Mittagshitze auf dem Platz nicht auszuhalten, sagt Klimaforscher Andreas Matzarakis. Seinen Berechnungen zufolge steigt die gefühlte Temperatur auf dem Platz einzig wegen der Umgestaltung um bis zu zehn Grad. Die zusätzlich zu erwartende Temperaturerhöhung durch den Klimawandel ist darin noch nicht berücksichtigt. Um den künftigen Hitzestress deutlich zu verringern, müssten Bäume auf dem gesamten Platz verteilt sein, meint der Stadtklimaforscher.

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Auch Hendrik Schmitt-Nagel vom städtischen Garten- und Tiefbauamt, das den Umbau des Rotteckrings leitet, ist bewusst, dass die gefühlte Temperatur in den sonnigen Bereichen künftig zunehmen wird. Er interpretiert die Forschungsergebnisse jedoch anders: "Ziel kann nicht die Verschattung des gesamten Platzes sein", sagt er. Ein großer Platz belebe sich immer von den Rändern her – wie warm es in der Platzmitte ist, sei gar nicht so wichtig. Nur die wenigsten Menschen hielten sich gerne "mitten auf dem Präsentierteller" auf. Das sei schon heute zu beobachten, so Schmitt-Nagel weiter.

Meteorologe Dominik Fröhlich wird morgen die Ergebnisse seiner Expertise zum Platz der Alten Synagoge vorstellen. Bis Freitag diskutieren Klimaforscher im Kollegiengebäude I über das Klima in Wissenschaft und Anwendung. Helmut Mayer, Leiter des Freiburger Instituts für Meteorologe, sagte anlässlich der Tagung, dass eine zunehmende Verdichtung und Versiegelung von Flächen in deutschen Städten zu beobachten sei. Dazu zähle auch Freiburg, das sich um ein grünes Image bemühe.
Der Platz der Alten Synagoge

Im Juli 2010 beschließt der Gemeinderat den Bebauungsplan für die Umgestaltung mit Straßenbahn. Gesamtkosten: 42 Mio. Seit August laufen die Vorarbeiten auf dem gesperrten Rotteckring. Anfang 2014 sollen die Zuschusszusagen vorliegen. Frühester Baubeginn wäre Mitte 2014. Ein Jahr später soll der Platz der Alten Synagoge neu gestaltet sein. Im Juni 2016 soll die Tram bis Bertoldsbrunnen rollen, ab 2018 bis Siegesdenkmal. (mac)

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Autor: Andreas Frey mit dapd