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09. November 2017

Leute in der Stadt

Der Belgier Bart van Dyck gab seinen Beruf als Bauingenieur für die Bühne auf

Anfang der 90er Jahre beschloss Bart van Dyck, als Kleinkünstler zu leben und in die Welt zu ziehen. Bereut hat er es nie. Heute ist der 51-Jährige, der so beweglich ist, dass er sich durch einen Kleiderbügel zwängen kann, etabliert. Bis 12. November ist seine clowneske Figur "Barto" beim Varieté am Seepark zu sehen.

  1. Geschmeidig dank Yoga: Bart van Dyck alias „Barto“ Foto: M. Bamberger

Er hat das Leben im Büro und auf der Baustelle getauscht gegen die Bühne. Beweglich ist der gelernte Bauingenieur Bart van Dyck auch im Rampenlicht. Unter dem Künstlernamen "Barto" verblüfft er das Publikum mit seinen biegsamen Gliedmaßen. Yoga hat ihm dabei geholfen. Derzeit tritt er im Varieté am Seepark auf, wo er sich durch einen Kleiderbügel zwängt (die BZ berichtete).

Er hat das Leben eines Vagabunden geführt in seinen jungen Jahren. Die bunte Welt der Künstler hat ihn schon früh fasziniert. 1992 ließ er die Baupläne in der Schublade und reiste durch die Welt, um sich als Straßenkünstler zu versuchen. Mit einer Handvoll Zirkustricks, die er sich in einer Brüsseler Artistenschule neben seiner Arbeit als Ingenieur angeeignet hatte, zog der damals 26-Jährige los. Noch im selben Jahr zeigte er seinen Drahtseilakt in den Straßen von Montreal.

Kurz darauf traf van Dyck in Indien seine heutige Frau Martine, die ihn für Yoga begeisterte. Das verhalf ihm zur Gelenkigkeit, die die Klischniggkunst verlangt. Eduard Klischnigg war einer der berühmtesten Artisten des 19. Jahrhunderts und begründete eine spezielle Form der Kontorsionskunst, bei der der Körper extrem nach vorne gebeugt wird. Sein Bewegungstalent perfektionierte van Dyck schließlich Mitte der 1990er in Paris an der Ecole Jaques Le Coq; die Kunst der Pantomime entdeckte er in einer Schule in Montreal für sich. Mit diesen beiden Fähigkeiten entwickelte er vor nunmehr zwölf Jahren den Charakter "Barto", der mal in orangefarbener Latzhose, mal mit Fliegerbrille auch im Varieté am Seepark zu sehen ist. Die clowneske Figur, die sich mit Hilfe eines roten Gummihandschuhs und ulkiger Mimik in Kuh, Hai und Hahn verwandelt, sorgt für Gelächter im Publikum. Und seine Gummiarme und -beine, mit denen er sich in jede Richtung geschmeidig biegen und zusammenfalten kann, sorgen für Staunen.

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Auf seinen Reisen durch Asien, Europa und Amerika hat er gelernt, dass das Publikum von Land zu Land unterschiedlich ist. "Anfangs war mein Spielcharakter noch viel verrückter", erzählt der 51-Jährige, "in Japan sind die Leute einmal vor mir davongerannt, aus Angst auf die Bühne geholt zu werden." Das sei eine wichtige Erfahrung gewesen, um als Figur wachsen zu können.

Oft entstehen Ideen durch Zufall und Freude am Ausprobieren. Als wegen eines Wintersturms in Montreal wochenlang der Strom ausfiel und die Menschen in öffentlichen Gebäuden unterkommen mussten, beschloss er mit Freunden, mit kleinen Benefiz-Auftritten in Sporthallen für gute Laune zu sorgen. "Hinter mir stand ein Regal mit Kleiderbügeln, mein Freund zeigte auf einen und meinte: Los zwäng dich da durch!" Es habe geklappt und die Leute seien fast ausgeflippt. Seitdem steht seine liebenswerte Dussel-Figur auch auf dem Programm vieler namhafter Branchengrößen, wie zum Beispiel Zirkus Charles Knie oder Le Plus Grand Cabaret.

Als etablierter Künstler genießt er nach wie vor "die Freiheit und viel unterwegs zu sein". Doch anders als früher, als er oft monatelang mit einem Zirkus unterwegs war, nimmt er heute nur noch kürzere Engagements an. So kann er alle paar Wochen nach Brüssel pendeln, wo er seit fünf Jahren mit seiner Frau und drei Söhnen lebt.

Varieté am Seepark bis 12. November, täglich 16 und 20 Uhr, Sonntag 15 und 19 Uhr, Eintritt 20 bis 39 Euro, ermäßigt 15 bis 34 Euro. http://www.varieté-am-seepark.de

Autor: Isabelle Roser