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12. Juli 2008

Der Politiker schlägt den Richter

Die Partei wählt den Parteisoldaten: Daniel Sander holt 64 Prozent der Stimmen und setzt sich klar gegen Wolfgang Albers durch

  1. Eine Person als Programm: Wolfgang Albers am Rednerpult, das Tagungspräsidium hört zu. Foto: bamberger

  2. Auf dem Weg nach Berlin? CDU-Bundestagskandidat Daniel Sander

Am Applaus nach den beiden Vorstellungsreden ließ sich noch nicht ablesen, dass Daniel Sander mit klarem Votum zum Bundestagskandidaten der CDU nominiert werden würde. Auf ihn entfielen 64 Prozent der Stimmen, sein Kontrahent Wolfgang Albers kam nur auf 36 Prozent. Die mehr als 200 Mitglieder hatten im Bürgerhaus Zähringen zwei völlig unterschiedliche Typen zur Wahl: den jungen Politiker Sander, der den Wahlkämpfer gibt; und den älteren Verwaltungsrichter, der vor allem mit seiner Person wirbt. Die Partei entschied sich am Donnerstagabend für den Parteisoldaten.

Aufgeregt ist er. Und siegessicher. Daniel Sander, 34, kennt seine Christdemokraten. Seit 13 Jahren ist er Parteimitglied, seit sechs Jahren Vorsitzender der Jungen Union und Ortsvorsitzender der Altstadt-CDU. Seit fünf Jahren ist er einer der Stellvertreter von Parteichef Klaus Schüle, dessen Ziehsohn, war Delegierter auf allen Ebenen und gehört mit seiner schlagkräftigen JU-Truppe zu den eifrigsten Wahlkämpfern. "Ich habe mich für unsere Partei ins Zeug gelegt", sagt Daniel Sander. Ist er nicht also an der Reihe?

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Wie sich ein Bundestagswahlkampf mit Daniel Sander anhört, erleben die Mitglieder im vollen Bürgerhaus. Er lobt Kanzlerin Angela Merkel und die CDU als "einzige verlässliche Volkspartei". Er kokettiert damit, dass er die Partei-Promis duzt. Attacken auf die SPD, auf Gernot Erler, provozieren Applaus. Er schlägt den Bogen zu Konrad Adenauer und Ludwig Erhardt, er listet jede der 19 Gemeinden des westlichen Freiburger Wahlkreises auf – das ist Balsam für die Basis.

Ganz anders Wolfgang Albers, der zuvor ans Mikrofon gegangen war, seit 1986 Parteimitglied, Ortschaftsrat in Lehen und seit 16 Jahren Vorsitzender der dortigen CDU. Mucksmäuschenstill ist es, als sich der 53-jährige Verwaltungsrichter mit abwägenden Worte vorstellt. Er will aus "christlich geprägter Verantwortung" handeln. Programmatischer wird er nicht, und er findet auf Nachfrage auch zur Atomkraft "kein klares Ja und kein klares Nein". Sander lässt später auf die gleiche Frage keine Zweifel: keine neuen Atommeiler, aber längere Laufzeiten.

Beide Bewerber gelten in der Partei nicht gerade als pflegeleicht. Sander poltert gerne gegen Rot, Grün und auch Schwarz und findet, dass sich das als Jungunionist auch gehört. Und Albers schwimmt regelmäßig gegen den christdemokratischen Strom.

In eigens aufgestellten Kabinen stimmen die Mitglieder ab, unter denen die Freiburger weitaus in der Mehrheit sind. Das mag Daniel Sander geholfen haben. Das Ergebnis hat er ziemlich genau vorhergesagt. Er spüre einen starken Rückhalt in der Partei. Und jetzt, kündigt er in der vorbereiteten Dankesrede an, werde die CDU der politischen Konkurrenz einheizen.

Wolfgang Albers ist mit dem Ablauf zufrieden, mit dem Ergebnis nicht. "Ich hatte mehr für möglich gehalten." Sagt’s und gratuliert dem CDU-Bundestagskandidaten – mit einem kurzen Händedruck.

Autor: Uwe Mauch