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03. Juni 2016 14:49 Uhr

Freiburger Kommunalpolitik

Der städtische Pressesprecher Walter Preker geht nach 31 Dienstjahren in den Ruhestand

Fünf Bürgerentscheide, vier Oberbürgermeisterwahlen, zwei Rathauschefs, ein Papstbesuch: Der städtische Pressesprecher Walter Preker hat in 31 Dienstjahren viel erlebt. Am Freitag wurde er in den Ruhestand verabschiedet.

  1. Oberbürgermeister Dieter Salomon (links) wünscht Walter und Josefine Preker alles Gute für die Zukunft. Foto: Michael Bamberger

  2. Zum Abschied bekommt der Ruheständler einen historischen Stuhl. Foto: Michael Bamberger

  3. Humor ist ein Markenzeichen Walter Prekers. Den verliert er auch als Pensionär nicht. Foto: Michael Bamberger

  4. Die BZ-Stadtredaktion hat eine Sonderseite zum Abschied produziert, die Lokalchef Uwe Mauch bei der Feierstunde überreichte. Foto: Svenja Stärk

"Preka!" Mit sonorem Bass und westfälischer Klangfärbung hat sich der städtische Pressesprecher Walter Preker stets am Telefon gemeldet. In seinen 31 Dienstjahren gelang ihm der Drahtseilakt, zwischen Verwaltungsapparat und Medien zu vermitteln. Sein größtes Kapital waren Glaubwürdigkeit und Humor – und zwar sowohl Richtung Rathaus als auch Redaktionen.

Sechs Gemeinderatswahlen, fünf Bürgerentscheide, vier Oberbürgermeisterwahlen, zwei Rathauschefs, einen Papstbesuch: Als städtischer Pressesprecher hat Walter Preker in drei Jahrzehnten die volle Vielfalt der Kommunalpolitik erlebt.

Für den Job des obersten Kommunikators war der 64-Jährige wie geschaffen. Er arbeitete als Lokalredakteur für den Soester Anzeiger. In Lüneburg war er fünf Jahre lang Pressesprecher der Stadtverwaltung. Und Preker war schon früh politisch aktiv: Als 23-Jähriger wurde er für die SPD in den Gemeinderat seines Geburtsortes Werl gewählt.

Walter Preker kannte also alle Verwaltung, Politik und Medien, als er sich 1985 erfolgreich um die Leitung des Freiburger Presseamtes bewarb. Für Journalisten ein Glücksfall. Er wusste, welche Informationen nötig waren und wo er sie bekam – falls er sie nicht sowieso schon parat hatte. Denn er gilt als "wandelndes Stadtarchiv", wie die einstige Rechtsamtsleiterin und heutige Regierungspräsidentin Bärbel Schäfer sagt. Als Pressesprecher verkaufte er zwar die Politik des Rathauses, aber ohne sich zu verbiegen. Fehler und Pannen hat er als solche benannt – und gegebenenfalls mildernde Umstände geltend gemacht. Ihm war es immer wichtig, Zusammenhänge zu vermitteln. Preker genoss unter Freiburgs Journalisten hohes Vertrauen, das auf Gegenseitigkeit beruhte. "Ich bin in all den Jahren nie von Journalisten gelinkt worden", sagte er bei seiner Verabschiedung in der Aula, zu der zahlreiche Weggefährten aus dem Rathaus, der Politik und den Medien gekommen waren – und kräftig applaudierten.

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Oberbürgermeister Dieter Salomon (Grüne) lobte Prekers Loyalität, von der auch Vorgänger Rolf Böhme (SPD) profitiert hatte. Nach dessen Pensionierung 2002 war Genosse Preker zum Energieversorger Badenova gewechselt, aber vom neuen OB Salomon zurückgeholt worden. Der hat das "keine Minute bereut". Vom alten Hasen habe er, der Neuling im Amt, damals viel gelernt. Prekers Arbeitsethos sei großartig, aber auch grenzwertig gewesen. Dass Ehefrau Josefine das ausgehalten habe, sei nur mit großer Liebe zu erklären. Zum Abschied bekam der Ruheständler einen historischen Stuhl, den er von Hunderten Sitzungen kennt. Gerührt berührte Preker die geschnitzten Löwenköpfe der Armlehne.

Bei aller Professionalität zeichnete ihn sein Humor aus. Der Aufforderung an alle Ämter, den Bedarf an Arbeitsschutzkleidung zu melden, kam er gerne nach und beantragte unter anderem "Helme mit Nackenschutz zum Schutz gegen Nackenschläge". Unvergessen seine erste Pressemitteilung zum Schmutzige Dunschtig, in der er das Flecklehäs der Fasnetrufer als "Schuppenanzug" bezeichnete.

Autor: Uwe Mauch