Drei Fragen an

Der Verein "Fukushima nie vergessen" veranstaltet am Wochenende eine Mahnwache

BZ-Redaktion

Von BZ-Redaktion

Mi, 07. März 2018

Freiburg

Mit einer Mahnwache erinnert der Verein „Fukushima nie vergessen“ am Wochenende 10. und 11. März an den Supergau im japanischen Atomkraftwerk Fukushima vor sieben Jahren. Andreas Braun hat mit dem Pressebeauftragten des Vereins Jörg Kuenzer (61) über seine persönliche Motivation im Kampf gegen marode AKW und die Aktionen der Gruppe gesprochen.

BZ: Erinnern Sie sich noch, was Sie am 11. März 2011 gemacht haben?

Kuenzer: Nein, nicht mehr. Da müsste ich erst im Kalender nachschauen.

BZ: An dem Tag begann die Atomkatastrophe von Fukushima. Was war für Sie der Auslöser, gegen die Atomkraft aktiv zu werden?

Kuenzer: Bei mir ist das etwas speziell. Ich bin erst Jahre nach den Atomkatastrophen von Fukushima und Tschernobyl dem Verein beigetreten. Eine Bekannte fragte mich bei einem Konzert, ob ich nicht mal zur Infoveranstaltung mitkommen wolle. Seitdem ist viel passiert. 2015 war ich in Fessenheim, um vom Kraftwerk Fotos zu machen, und wurde sofort von der Polizei eingesackt. Da war eigentlich nichts Illegales dran, aber die Erfahrung hat mich erst recht ermutigt, weiterzumachen. Seitdem haben wir viele Aktionen gestartet, sind als Demozug mit Booten den Rhein hinuntergefahren, haben Bundestagsabgeordnete in Berlin getroffen und gestalten jährlich die Mahnwache, um Fukushima in Erinnerung zu halten und vor Fessenheim zu warnen.

BZ: Dem Atomkraftwerk Fessenheim "droht" nun die Schließung. Hat der Verein damit sein Ziel erreicht?
Kuenzer: Seit Jahren soll das Kraftwerk geschlossen werden. Präsident Hollande "wollte" zuletzt, dass 2018 dort absolut Schluss ist, aber das wurde immer wieder verschoben. Wir, der Verein "Fukushima nie vergessen", glauben Emmanuel Macron erst, dass er Fessenheim abschalten möchte, wenn er es wirklich tut. Auch wenn sich die Bürgerbewegungen bei unseren Nachbarn noch nicht so gut durchsetzen können, so setzt doch langsam ein Umdenken in der französischen Bevölkerung ein, was die Energieversorgung und die "Uran-Toleranz" angeht. Von einem GAU in Fessenheim wären wir alle betroffen: Zehn Millionen Menschen in Deutschland, Frankreich und der Schweiz stünden vor der Evakuierung. Gemeinsam müssen wir als europäische Freunde konsequent für ein Ende der Atomkraft und für regenerative Energien eintreten.

"Fukushima nie vergessen" setzt sich für die Erinnerung an das Atomunglück von Fukushima ein und hat sich zum Ziel gesetzt, einen weiteren "Super-GAU" zu verhindern. Das Hauptaugenmerk liegt auf dem französischen Atomkraftwerk Fessenheim, dessen Abschaltung der Verein fordert.

Bereits zum siebten Mal veranstaltet die Gruppe die 24-Stunden-Mahnwache auf dem Augustinerplatz. Von Samstag 10. März, 18 Uhr, bis Sonntag 11. März, 18 Uhr, werden sich Wort-, Musik- und Meditationsbeiträge abwechseln. Zudem sollen 1000 Lichter den Augustinerplatz erstrahlen lassen. Wer einen Beitrag beisteuern möchte, kann sich melden, weitere Informationen gibt es unter http://www.fukushimanievergessen.wordpress.com