Forschung zum Anfassen

Der Wissenschaftsmarkt rund ums Freiburger Münster ist gestartet

Christian Henke und Simone Höhl

Von Christian Henke & Simone Höhl

Fr, 14. Juli 2017 um 20:25 Uhr

Freiburg

Auf dem Wissenschaftsmarkt rund um das Freiburger Münster gibt’s an 60 Ständen Forschung zum Anfassen und Mitmachen. Forscher präsentieren dort seit Freitag ihre Arbeit.

Der Wissenschaftsmarkt ist eröffnet. Forscher aus Hochschulen, Instituten und Firmen präsentieren auf dem Münsterplatz seit Freitag anschaulich ihre Arbeit. Jugendsprache, Roboter, Archäologie: Besucher können Wissenschaftler verschiedenster Fachrichtungen löchern und Experimente machen.

"Ich bin immer wieder fasziniert, was alles erforscht wird", sagt Freiburgs Erster Bürgermeister Otto Neideck, der den Markt mit Gunther Neuhaus eröffnet. Der Vizerektor der Uni führt eine Gruppe zu Höhepunkten der 60 Campusstände zwischen Tofuwurst- und Blumenständen. "Bauern und Wissenschaftler unter Zeltdächern", sagt Unisprecher Rudolf-Werner Dreier. Der Auftakt überschneidet sich mit dem Ende des Münstermarkts. "Entschuldigung, darf ich mal an den Stand", zischt eine Marktfrau.

Was ist ein "Smombie"?

In Zelt 1 gräbt ein Kind in einer Kiste. Die Archäologen haben Scherben und Schokotaler versteckt. "Die Taler kommen besser an", sagt Studentin Anna Zimmermann (28), die ein Shirt mit dem Motto "wissen, staunen, mitmachen" trägt.

Am Stand der Germanistischen Linguistik erfahren Besucher, dass ein "Smombie" jemand ist, der ständig auf sein Smartphone sieht und wie ein Zombie durch die Gegend geht. Denn die Sprachwissenschaftler informieren außer über Dialekte und Psycholinguistik auch über das Wörterbuch der Jugendsprache – mit einem Ratespiel. Bei der Auflösung erklärt eine Doktorandin am Stand: Während Smombie tatsächlich manchmal verwendet werde, seien viele Wörter, wie "darthvadern" oder "Vollpfostenantenne" nicht wirklich gebräuchlich.

Roboter Immanuel trägt einen grauen Dutt. Er spielt verschiedene Persönlichkeiten wie "Helga". So wird die Hypothese getestet, dass ältere Frauen ältere Frauen bevorzugen, erklärt Felix Lindner von der Technischen Fakultät. Zudem soll der Roboter moralische Dilemmata beurteilen. Helga hat Henriette Flach angelockt und die Elfjährige gefragt, ob sie der im Sterben liegenden Nachbarin erzählen soll, dass die Katze tot ist. Ja, fand Henriette zunächst: "Das ist ja ehrlich – und dann sind wir zu dem Schluss gekommen, dass sie’s ihr nicht sagt." Es wäre zu traurig.

Mit der App "Debat-O-Meter" seine Meinung kundtun

"Die armen Bienen", seufzt ein Besucher am Wildbienenstand. "Wir haben rund 560 Wildbienenarten in Deutschland", sagt Alexandra Klein (44), Leiterin der Professur für Naturschutz und Landschaftsökologie. Vor ihr liegen Schaukästen mit genadelten Exemplaren. Unter einem Mikroskop liegt eine winzige Maskenbiene, in einer Vase stehen Blumen, die Wildbienen guttun: Kamille, wilde Möhre, Malve, Brombeere. Dazu gibt’s Gratissamen und einen Flyer mit Infos zum Insektenhausbau.

Die Technische Fakultät stellt mit der Politik die App "Debat-O-Meter" vor. Bei politischen Fernsehdebatten, wie dem Kanzlerduell, können Zuschauer auf dem Smartphone jederzeit ihre Zustimmung oder Ablehnung kundtun. Der Debat-O-Meter gibt dem Zuschauer dann eine Wahlempfehlung, ähnlich wie der Wahl-O-Mat. Die Daten wertet ein Programm in Echtzeit aus – anonymisiert, erklärt Samuel Weishaupt, einer der Entwickler der App. Sie können danach den Politikern als Rückmeldung dienen.

"Was besitzen Sie, was aus Holz ist?", fragt Ina Kuhn vom Institut für Kulturanthropologie und Europäische Ethnologie. Welche Emotionen weckt Holz bei Gegenständen wie der Gitarre oder Omas altem Besen? Die Kulturanthropologie erforscht Alltagskultur, ist für Laien aber oft schwer zu greifen. Mit dem Thema Holz wollen die Geisteswissenschaftler den Besuchern etwas zum Anfassen bieten.
Wissenschaftsmarkt, Münsterplatz, Samstag, 15. Juli, 10 bis 18 Uhr, 15 bis 17 Uhr mit ZMF-Aktion. Eintritt frei; mehr Infos gibt’s hier.