Straßenbahn

Der zwölfte Urbos aus Spanien fährt nun auf Freiburger Gleisen

Simone Höhl

Von Simone Höhl

Do, 20. Juli 2017 um 19:13 Uhr

Freiburg

Die zwölfte spanische Straßenbahn ist in Freiburg angekommen. Damit ist das Dutzend der Urbos voll – nach tagelanger Fahrt mit extralangem Schwertransport von Spanien.

Das Dutzend ist voll: Der letzte Urbos, den die Verkehrs-AG bestellt hat, ist in Freiburg angekommen. In zwei Teilen lieferte die Spezialspedition die neue Straßenbahn an – nach tagelanger Fahrt mit extralangem Schwertransport von Spanien durch Frankreich und 320 Kreisverkehre. Am Donnerstag stand die neue Tram auf Freiburger Gleis.

In Frankreich alles über Landstraßen

Es ist die zwölfte Straßenbahn des Typs Urbos 100, die auf dem Betriebshof der Verkehrs-AG eingetroffen ist. "Zehn hab’ ich gebracht", sagt Gerrit Bosch mit niederländischem Akzent beim Abladen mit seinen Kollegen. Da sitzt jeder Handgriff. "Ja, das klappt so ungefähr", witzelt der 55-jährige "Vrachtwagenchauffeur" der Spedition Van der Vlist. Die war tagelang unterwegs von Saragossa, wo die 52 Tonnen schwere Straßenbahn bei "Construcciones y Auxiliar de Ferrocarriles" gebaut wurde, via Montpellier, Richtung Grenoble, Lyon, Belfort nach Chalampé, alles über Landstraßen, weil sie in Frankreich nicht auf die Autobahn dürfen, erklärt Bosch und meint nur: "320 Kreisverkehre." Von Neuenburg ging’s auf die A5 und zur VAG. Ein kleiner Laster mit dem zweiteiligen Urbos-Kopf kam am Mittwoch noch tags an, der lange Schwertransporter mit den fünf Urbos-Teilen gegen 22.30 Uhr. Auch wenn Gerrit Bosch über Nacht blieb: Die Stadt hat er noch nie gesehen, nur den Betriebshof auf der Haid.

Video: Wie der erste Urbos auf VAG-Schienen kam



Auf dem Hof beginnt er am Donnerstag kurz nach 8 Uhr mit zwei Kollegen abzuladen. "Es ist immer gut, Extraaugen zu haben." Und Jan Aantjes ergänzt: "Es ist eine teure Tram." Für knapp 40 Millionen Euro kaufte die VAG die zwölf Urbosse für ihren Netzausbau, die erste Charge kam 2015. Es gab Anfangsprobleme mit Handling und Technik. Später sah man noch ab und an einen Urbos, der keinen Meter weiter, sondern sein System und Stromabnehmer herunter fuhr.

Die Fahrer mussten sich erst an den rollenden Computer mit Human-Machine-Interface gewöhnen und die Techniker einiges für Freiburg umprogrammieren, meint Betriebsleiter Johannes Waibel: "Das kann man nur im Betrieb rausfinden." Die Erfahrungen mit der ersten Serie seien in die zweite eingeflossen. "In der Zwischenzeit sind wir sehr zufrieden." Gefahren sei der Urbos immer einwandfrei. Die ersten sechs Bahnen haben alle schon über 100 000 Kilometer auf dem Tacho, erklärt er, während er dem Vlist-Trio zusieht. "Die Firma macht das echt perfekt."

In vier Wochen sitzen Fahrgäste drin

Auf dem Lastwagen steht Willem Gelderblom an einer Seilwinde, die das Urbos-Vorderteil sichert. Bosch und Aantjes schieben von Hand an, und das Tramteil rollt in Zeitlupe vom Hänger auf die Rampe, die die Männer zuvor aufgebaut hatten. Bosch beobachtet hinten, sein Kollege liegt vorn auf dem Boden und prüft, dass die Räder genau in die Schienen greifen. Dann lehnen sie sich mit dem Rücken an den Kurz-Urbos und schieben ihn aus dem Weg.

Denn gleich rangieren sie den langen Laster rückwärts an die Rampe. Schnell das Schild "Convoi exceptionnel" weg und weiter geht die Millimeterarbeit, bis der Hänger andockt und der große Rest der Bahn abgelassen werden kann. Die Drei müssen die Bahn noch zusammenmontieren. "Und dann gehen wir Testfahren", meint Gelderblom augenzwinkernd. Der Urbos wird nach der Abnahme mit der VAG-Nummer 312 fahren. Waibel schätzt: Bis in vier Wochen sitzen die ersten Fahrgäste drin.