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27. August 2010
Deutsch-französisches Theater ohne Grenzen
Eine deutsch-französische Schatztruhe für die Kinder der Zukunft.
"Ich ärgere mich, weil ich morgens immer so früh aufstehen muss, um zur Schule zu gehen!" Marie-Claire Westhagemann steht auf der Bühne und macht ihrem Ärger Luft. So wie ihr geht es vielen Kindern. Schule wäre gar nicht so übel, wenn der Unterricht später beginnen würde. Miron Gertis aus Denzlingen dagegen hat ein ganz anderes Problem: Er hasst Sonntagsspaziergänge mit seinen Eltern. Was ihm Freude bereitet? "Wenn wir stattdessen in den Europa-Park gehen", sagt er mit einem Grinsen.
Im Zentrum der Bühne sitzt der zehnjährige Lucas Baude aus Straßburg, in seinem Schoß eine kleine Schatztruhe. Die anderen Schüler überlegen sich, was sie besonders aufregt und worüber sie sich richtig freuen können. Anschließend tragen sie ihre Botschaften auf der Bühne vor und schreiben sie auf ein Stück Papier, das in die Schatulle wandert. Wenn in einhundert Jahren ein paar Kinder den Schatz bergen, können sie nachlesen, wie es ihren Altersgenossen im Jahr 2010 ergangen ist.
Das Theaterstück "Für die Kinder in einhundert Jahren – Pour les enfants dans cent ans", das derzeit in der Aula des Friedrich-Gymnasiums geprobt wird, ist Teil des Ferienprogramms "Theater ohne Grenzen – eine deutsch-französische Begegnung" des Centre Culturel Francais Freiburg. Die Idee: 20 Kinder zwischen acht und zwölf Jahren tauchen eine Woche lang in die Welt des Theaters ein. Die Teilnehmer kommen aus Straßburg und Freiburg und beherrschen die jeweilige Fremdsprache aus dem Schulunterricht – manche mehr, andere weniger gut. "Im Theater können die Kinder mit der jeweiligen Fremdsprache spielen und bekommen dadurch wieder Lust, Französisch oder eben Deutsch zu lernen", erzählt Lina Cuypers.
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Die studierte Romanistin leitet als Mitarbeiterin des Centre Culturel Francais seit 2008 das Projekt "Pole d’Échanges Rhin Supérieur – Austausch-Zentrum Oberrhein". Gefördert wird es unter anderem durch die EU, die Stadt Freiburg und die Région Alsace. Das Projekt ist für die Teilnehmer kostenlos und findet das ganze Jahr über statt, nicht nur während der Schulferien. Da können sich Kinder aus dem Elsass und aus Südbaden gemeinsam als "rasende Reporter" üben oder an Wanderungen und Workshops teilnehmen. Im Zentrum, so Cuypers, stehe immer das Erlernen der Fremdsprache. "Während viele französische Schüler recht gut deutsch sprechen, hapert es beim Französisch der meisten deutschen Kinder", beobachtet Cuypers. Zweisprachigkeit werde "links des Rheins" stärker gefördert als bei uns. Das Theaterstück haben die Kinder selbst erarbeitet, unter Anleitung der Schauspielerin Silke Nawrocki von der zweisprachigen Theatertruppe "Baal Novo" aus Offenburg. Die ersten Proben fanden in Straßburg statt, wo die Kinder nicht nur als Schauspieler aktiv waren, sondern sich auch als Zirkuskünstler versuchen konnten. Heute Nachmittag können die Eltern im Friedrich-Gymnasium die Aufführung ihrer Kinder miterleben.
Autor: Jan Schwab
