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12. August 2014

Die Container ziehen weiter

Unterkünfte für Flüchtlinge im Dietenbachpark / Bürgervereine bieten Unterstützung an.

  1. Die Wohncontainer in Herdern stehen zurzeit leer, bald werden sie am Dietenbachpark aufgestellt. Foto: R.Eggstein

Obwohl die Stadtverwaltung einen aussichtsreichen neuen Containerstandort beim Dietenbachpark hat, den auch die Bürgervereine akzeptieren, zeichnet sich bei der Unterbringung von Flüchtlingen in Freiburg keine Entspannung ab. Die Unterkünfte sind überbelegt, die Flüchtlingszahlen steigen. Sollte die Stadt von der Landesregierung den Zuschlag bekommen, in der Polizeiakademie eine Erstaufnahmestelle einzurichten, wäre sie von der Zuweisung neuer Flüchtlinge ausgenommen. Derweil arbeitet man im Rathaus an einem Konzept, bis Jahresende rund 180 neue Plätze zu schaffen.

Rund 1200 Flüchtlinge leben momentan in Freiburg. Noch vor zwei Wochen rechnete man im Rathaus bis Jahresende mit monatlich 41 Neuankömmlingen, doch schon wenige Tage später war diese Prognose Makulatur: Im Juli kamen 57 Flüchtlinge, und für August hat das Land der Stadt 70 zugewiesen. Im Moment gebe es nirgends mehr Platz, alle bestehenden Unterkünfte seien voll, manche sogar überbelegt, räumt Roland Meder, Leiter des Büros von Sozialbürgermeister Ulrich von Kirchbach, ein. "Wir sind kurz vor der Situation, Menschen in Turnhallen unterbringen zu müssen."

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Langfristig – in den nächsten drei bis fünf Jahren – will die Stadtverwaltung Behelfsbauten und Container durch massive Häuser ersetzen, in denen Flüchtlinge wohnen werden, die aber auch jederzeit in normale Mietwohnungen ungewandelt werden können, wenn die Flüchtlingszahlen abnehmen. Kurzfristig will sie bis Jahresende rund 180 neue Unterkunftsplätze schaffen, zum Teil an bestehenden und zum Teil an neuen Standorten und auch dort nur vorübergehend für drei bis fünf Jahre. Vor wenigen Tagen sind die 67 Flüchtlinge aus den Containern am Schlangenweg in Herdern aus- und in eine neue Containeranlage an der Mooswaldallee eingezogen.

Für 20 Flüchtlinge soll Platz im alten Pfarrhaus Maria Hilf an der Schützenallee geschaffen werden, wobei dort noch aus Gründen des Brandschutzes eine denkmalgeschützte Mauer entfernt werden muss, die Planungen laufen. Außerdem wird die Stadtverwaltung weitere 15 Wohnungen für insgesamt 60 Flüchtlinge anmieten. Dabei handelt es sich zum Teil um private und zum Teil um Wohnungen der städtischen Wohnungsgesellschaft Freiburger Stadtbau.

Zudem werden in der Flüchtlingsunterkunft Bissierstraße zwei neue Container für 50 Bewohner aufgestellt; dafür muss der Bolzplatz auf der Anlage verlegt werden. Und auf dem Parkplatz bei den Schrebergärten am Dietenbachpark sollen in die Container, die bisher am Schlangenweg standen, vom Spätherbst an 50 Flüchtlinge einziehen.

Die Bürgervereinsvorsitzenden von Weingarten und Rieselfeld unterstützen diesen Plan. Für Andreas Roessler vom "BürgerInnenverein Rieselfeld" und seine Kollegin Zinaida Nabulsi aus Weingarten ist klar: "Da muss man helfen." Für den 11. September organisieren die Stadtverwaltung und die Bürgervereine eine Bürgerversammlung im Glashaus im Rieselfeld. Doch manches startet schon jetzt: Im Rieselfelder Quartierstreff "Kiosk" gebe es schon einen Arbeitskreis Flüchtlinge. "Und wir sind sozial stark aufgestellt", sagt Roessler. Bei Nabulsi gingen, nachdem sie über die Pläne informiert hatte, etliche positive Rückmeldungen ein: "Einige wollen bei einem Runden Tisch mitmachen, der die Flüchtlinge bürgerschaftlich unterstützen soll." Es gebe in der Stadt eine große Offenheit, Flüchtlinge aufzunehmen, sagt Meder, es gebe aber auch die andere Seite, wie man bei einigen Standortdiskussionen gesehen habe.

Langfristig massive Häuser statt Wohncontainer

Die Container sollen auf einem Parkplatz beim Dietenbachpark nahe dem Mundenhofsteg aufgebaut werden, ein kleiner Teil des Parkplatzes soll erhalten bleiben, sagt Meder. Auf dem Platz müssen noch Wasser- und Stromleitungen gelegt werden. Die Stadtverwaltung habe einen Bauantrag gestellt, der "gute Chancen" habe. Am Schlangenweg können die Container nicht länger bleiben, weil die Unterbringung dort ohne Bauantrag gelaufen und auf sechs Monate begrenzt war. Auch die Dietenbach-Container sollen ein Provisorium sein, betont Roland Meder: "Sie sollen nur drei bis fünf Jahre zum Übergang da stehen." Die Flüchtlinge sollten möglichst schnell in Wohnungen umziehen können.

Die Kinder und Jugendlichen sollen im Rieselfeld Schulen und Kitas besuchen. Doch auch in Weingarten wolle man sich engagieren, betont Zinaida Nabulsi und lobt die gute Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung. Weingarten sei bereits jetzt der Stadtteil mit dem höchsten Migrantenanteil – und gleichzeitig mit "besonders hohen sozialkulturellen, integrativen Fähigkeiten". Als vor eineinhalb Jahren über eine neue Flüchtlingsunterkunft am Rankackerweg auf der Haid diskutiert worden war, hatte es dagegen aus der Umgebung große Widerstände gegeben – gebündelt im Protest der "Interessengemeinschaft Haslach-Haid".

Autor: Anja Bochtler und Frank Zimmermann