Neues Stadtmodell

Die Freiburger Altstadt im Mini-Format

Dominik Bloedner

Von Dominik Bloedner

Mo, 05. März 2018

Freiburg

Der Verein Stadtmodell präsentiert eine weitere Platte mit der Freiburger Innenstadt im Mini-Format. Bald soll es ein komplettes Modell geben. Gesponsert wurde die Platte aus dem Nachlass von Günter Ebi.

FREIBURG. Ganz klein ist das Kreuz auf dem Münsterturm zu sehen, gegenüber sind die Erker des Historischen Kaufhauses, etwas weiter die enge mittelalterliche Konviktgasse. Auch der Brunnen auf dem Platz der Alten Synagoge, der für so viel Kritik und Gesprächsstoff sorgte, ist in dem aufwändig gearbeiteten Holzmodell im Maßstab 1:1000 zu sehen. Das ist keine Spielerei, vielmehr soll die Miniatur wie in anderen Städten künftig Stadtplanern und an der Stadtentwicklung interessierten Bürgern einen besseren Überblick verschaffen – aus der Vogelperspektive.

Am Freitag hat der Verein Stadtmodell Freiburg, 2012 von Architekten gegründet, im renovierten Humboldtsaal im Freiburger Hof die inzwischen zweite Platte des groß angelegten, ambitionierten Projekts vorgestellt. Nachdem im Oktober 2015 bereits die rund einen Quadratmeter große Platte mit den Stadtteilen Stühlinger und Sedanquartier samt 800 detailgetreu nachgebauten Gebäuden aus Birnenholz fertig geworden war, war jetzt die historische Altstadt samt Schlossberg und rund 1200 Gebäuden an der Reihe. Die digitalen Daten für den Modellbau hat das Vermessungsamt zur Verfügung gestellt, erstellt hat ihn das Architekturbüro Horbach. Die Kosten für beide Platten betrugen rund 50 000 Euro. Während die erste Platte durch mehrere Spender finanziert wurde, ist die zweite Platte durch eine Großspende möglich geworden: Das Geld kam aus dem Nachlass von Günter Ebi, früherer Verleger und Tourismusexperte, der 2012 im Alter von 69 Jahren zusammen mit seiner zwei Jahre jüngeren Frau Inge bei einem tragischen Unfall verstorben ist.

"Wie das Leben so spielt, wie es in diesem Fall so übel spielt", sagt Stefan Saumer, Graphikdesigner aus Kirchzarten und Neffe des Verstorbenen, stellvertretend für die Familie. Er erinnert an Ebi, der in der Belfortstraße, in der Oberau und später zwar in der Sonnhalde wohnte, aber immer dort zu Hause war "wo das Leben so spielt und gespielt hat: im Herzen von Freiburg." Ebi hatte sein Büro im Freiburger Hof, ein Stockwerk unter dem Humboldtsaal. Und der stolze Freiburger Ebi wäre, sagt Saumer, ein großer Fan des Stadtmodells und insbesondere dieser neuen Platte gewesen. Eine Widmung an der Platte erinnert nun an den Sponsor.

Ebenfalls als großer Fan des Stadtmodells hat sich Baubürgermeister Martin Haag zu erkennen gegeben. Worin denn der Nutzen dieses Holzmodells im Zeitalter von 3D-Ansichten und Google-Maps bestünde, fragt Haag provokativ, um sich dann zu antworten: "Weil man damit eine ganz unmittelbare Auseinandersetzung mit dem Stadtbild hat, einen ganz anderen Überblick als am Computer." Das Modell könne man, wenn es weiter gewachsen sei, auch für bürgerschaftliche Zwecke nutzen. Etwa als Diskussionsgrundlage, wenn Bauvorhaben hineingestellt würden und man sehe, wie diese im Gesamtzusammenhang wirkten.

Ziel ist ein Modell der ganzen Freiburger Stadt

Weitere 78 dieser Platten sollen folgen, sie werden wohl weniger aufwändig sein als die dicht bebaute Innenstadt. "Das Ziel ist es, irgendwann die gesamte Freiburger Stadtfläche vom Rieselfeld bis Ebnet und von Vauban bis Zähringen darzustellen", sagt der Architekt Benno Burgey, Erster Vorsitzender des Vereins. Die Fläche würde dann acht mal zwölf Meter groß sein. Die nächste Platte soll das Gebiet südlich des Zentrums und der Dreisam abbilden.

Stadtmodelle sind nicht neu, erzählt Peter Kalchthaler, Leiter des Museums für Stadtgeschichte. In seinem Museum stehen zwei historische: Eines wurde 1960 gebaut und zeigt Freiburg im 16. Jahrhundert, das andere stammt aus dem Jahr 1877 und zeigt die Festungsstadt Freiburg im Jahr 1715 – wenige Jahrzehnte, bevor die Mauern geschleift wurden. Ein weiteres Modell im Maßstab 1:5000, das Anfang der 1930er-Jahre entstanden ist und lange im Bauamt zu sehen war, steht derzeit in einer nicht genutzten Schule. Kalchthaler freut sich, irgendwann im Stadtmuseum auch das aktuelle Stadtmodell zu beherbergen – so lange es nicht zu groß wird.

Ausstellung: Die beiden Platten des Freiburger Stadtmodells sind vom 19. bis 25. April in der Meckelhalle der Freiburger Sparkasse zu sehen. Informationen zum Verein unter http://www.stadtmodellfreiburg.de