Brettspiele

Ein Freiburger mit Scrabble-Leidenschaft

Frank Zimmermann

Von Frank Zimmermann

Di, 17. Mai 2016 um 16:42 Uhr

Freiburg

Der Freiburger Jurist Ben Berger hat eine große Leidenschaft: Scrabble. Seit kurzem ist der 30-Jährige Deutscher Meister.

Sicken. Knips. Breme. Tubistin. Gürten. Ben Berger kennt Wörter, die nicht jeder kennt, geschweige denn benutzt. Der 30-Jährige ist ein Meister der Wortkreation – und Deutsche Meister im Scrabble. Wenn der Jurist ein Wort vor sich sieht, beginnt es in seinem Kopf zu arbeiten: Hannover – vorahnen. Nienburg – Urbeginn. Inserat – Satiren. Oder Resinat. Oder Retsina. Ben Berger lacht. Er weiß, dass ihn manche deshalb für schräg halten. Aber damit kann er gut leben. Denn es macht ihm Mordsspaß.

"Hundnase" legt Tante Mechthild mit den Buchstabensteinen, doch ihre drei Mitspieler intervenieren. Es heiße "Hundenase" und nicht "Hundnase". Aber Tante Mechthild hat nur das eine "e". Trotzig nimmt sie die Steine wieder vom Spielbrett. Und legt stattdessen "Schwanzhund". "Was muss man denn da erklären?", fragt Tante Mechthild in die erneut skeptische Runde. "Ein Schwanzhund ist ein Hund mit einem Schwanz." Neffe Paul, gespielt von Loriot, verlässt beleidigt den Raum, während Tante Mechthild feststellt: "Ihr habt einfach einen zu kleinen Wortschatz."

Die Szene stammt aus Loriots "Ödipussi", wer will, kann sie sich auf Youtibe anschauen. Auch Ben Berger fällt sie sogleich ein, als es im Gespräch um das Alter der Turnierteilnehmer geht. Bei einem Turnier könnte so ein Zwist um ein gelegtes Wort allerdings nicht passieren, denn es gibt ein festes, auf dem Duden basierendes Vokabular, nach dem sich alle zu richten haben. Zweifelt jemand an der Existenz eines Wortes, kann er das kundtun. Dann wird das Wort überprüft. Existiert es tatsächlich nicht, werden dem Zweifler Extrapunkte gutgeschrieben. Natürlich kann man auch bluffen, indem man so tut, als gebe es ein Wort, das es gar nicht gibt.

In Deutschland gibt es geschätzte 300 Turnierspieler, weltweit zwischen 50 000 und 100 000. An der viertägigen Deutschen Meisterschaft im Düsseldorfer Hilton-Hotel Anfang Mai nahmen 80 Spieler teil, Berger war mit 30 der drittjüngste, die älteste Teilnehmerin war 83. Scrabble hat den Ruf, wie Bridge oder Bingo ein Spiel für "blue-haired ladies", also für ältere Damen, zu sein. Berger findet, dass es ein Spiel für jedes Alter und jede Berufsgruppe sei – für den Psychologen genauso wie den Kneipenwirt oder Orchestermusiker. Auch er, der seit seiner Jugend Basketball im Verein gespielt hat und als Schiedsrichter Spiele pfeift, hat beruflich nichts mit dem Schöpfen von Wörtern zu tun – ert arbeitet als Jurist im Regierungspräsidium. Bedauerlicherweise gebe es im Scrabble-Vokabular nicht so viele Wörter aus der Rechtswissenschaft, Mediziner profitierten da mehr. In jedem Fall ist Scrabble für ihn ein Ausgleich: "Es tut mir gut." Es sei auch "ein super Spiel für Kinder", habe "eine große mathematische und sprachliche Komponente". Und jede Partie sei anders: "So kann man immer dazu lernen."

Ben Berger hat zwar als Kind ab und an mit seiner Oma Scrabble gespielt, das Wortlegespiel wirklich für sich entdeckt hat er aber erst als Erwachsener. 2007 war er als Austauschstudent in Tel Aviv (in der israelischen Stadt am Mittelmeer gibt es einen der größten Scrabble-Vereine der Welt) und teilte sich im Wohnheim ein Zimmer mit einem leidenschaftlichen Scrabble-Spieler. Am Sabbath brachte ihm der amerikanische Mitbewohner das Spiel auf Englisch bei. Schnell war Ben Berger Feuer und Flamme. "Es hat einen hohen Suchtfaktor." Zum Spiel gehört neben Training auch Strategie.

Konkurrenten, die zugleich auch Freunde sind

Heute ist Ben Berger ein echter Turnierspieler. Momentan führt er die deutschsprachige Spielerrangliste an. Hohe Preisgelder gibt es allerdings nicht zu gewinnen, für den Deutschen Meistertitel gab’s 500 Euro. Mit seinem härtesten Konkurrenten ist er gut befreundet, in Düsseldorf haben sich die beiden ein Hotelzimmer geteilt. Die Scrabble-Szene sei sehr familiär. Wenn Ben Berger in einer anderen Stadt ist, schaut er immer, ob er einen dort lebenden Spieler treffen kann: "Ich habe inzwischen ein gutes Netzwerk." Als er durch Australien reiste, habe ihm das viele Türen geöffnet. "Scrabble ist unabhängig von der Spielstärke des Einzelnen ein verbindendes Element." In Freiburg möchte er regelmäßige Scrabble-Treffen ins Leben rufen.

Man kann übrigens auch in einer Fremdsprache Erfolg haben; so wurde der Siebte der US-Meisterschaft 17. bei den Deutschen Titelkämpfen, obwohl er kaum Deutsch spricht – er lernte das Vokabular auswendig. Auch Ben Berger spielt ab und zu in einer Fremdsprache. Allerdings war ihm auf Englisch bislang nicht der gleiche Erfolg beschieden: Bei der WM in Warschau wurde er vor einigen Jahren 103. von 106 Teilnehmern. Egal. Hauptsache, es macht Spaß, sagt Ben Berger – und lacht.

Kontakt: Wer sich regelmäßig zum Scrabblespielen treffen will, kann sich per Mail melden: benberger13@yahoo.com.