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22. März 2017 20:09 Uhr

Schulen

Digitales Lernen wird für Freiburg ein Millionenprojekt

Tablets, Smartphones, Beamer und Anschlüsse: Die Stadt Freiburg muss viel investieren, um ihre rund 70 Schulen technisch aufzurüsten. Das Friedrich-Gymnasium ist Modellschule.

  1. Die Schüler pfeifen aufs Handy, aber nur, um mit einer App den Schallpegel zu messen. Foto: Michael Bamberger

Apps nutzen, mit dem Internet zurechtkommen, Präsentationen in der Cloud speichern: Schüler müssen digital lernen, und damit kommen auf die Stadt hohe Investitionen für ihre rund 70 Schulen zu. "Sie auszustatten, das wird ein Millionenprojekt", sagte Bildungsbürgermeisterin Gerda Stuchlik. Wie teuer es genau wird, ist noch nicht absehbar. Die meisten Schulen haben einen hohen IT-Investitionsstau.

Das Friedrich-Gymnasium ist auf dem Gebiet gerade Freiburgs Schule der Zukunft. Tafeln gibt’s noch, sind aber nicht mehr unbedingt nötig. Lehrer und Schüler arbeiten mit Smartphones und Tablets, jedes Klassenzimmer hat W-Lan und Beamer, die Schule in Herdern ist Träger des Deutschen Lehrerpreises und Teil eines Modellversuchs des Landes.

Für Freiburg eine Riesendimension

Im Südwesten ist Medienbildung seit diesem Schuljahr in allen Klassen Pflicht. Die Kompetenz wird wichtiger, die Arbeitswelt digitaler. Die Schüler sollen immer und überall im Schulhaus digital lernen können. Dazu braucht’s Infrastruktur wie Kabel, Breitband und Anschlüsse – und Geld. Viel mehr als bisher.

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Für die bauliche Voraussetzung fürs digitale Lernen stehen 125 000 Euro pro Jahr im Stadtetat. Schulamtsleiter Hermann Maier hatte bereits angekündigt, dass die Summe nur ein Platzhalter sei und die Aufrüstung eine Aufgabe für Jahre. Dabei seien die Unterschiede in den Schulen groß, erklärte er nun. Einige sind gut ausgestattet. "Und wir haben Grundschulen, da ist fast noch nichts", so Maier. "Dann sprechen wir bei jeder Schule von mehreren hunderttausend Euro."

"Wir fordern die Pädagogik, nicht die Technik als allererstes." Hermann Maier
Das FG war schon gut auf Stand, das baute die Stadtverwaltung aus. 2016 investierte sie 57 000 Euro, zum Beispiel in Netzwerkleitungen, jedes Zimmer hat drei. In der neuen Staudinger-Gesamtschule werden es zehn. "Das wird der Standard sein." Für die Lehrer- und Schülertablets am FG gibt’s 54 000 Euro vom Land. Weil das nicht reicht, rechnet das Schulamt mit weiteren 115 000 Euro.

Der Ausbau läuft auch anderswo. "Wir fordern die Pädagogik, nicht die Technik als allererstes", betonte Maier. Oft kämen die Schulen aus der anderen Richtung. Maier hat zwei Mitarbeiterinnen, die mit ihnen die Medienentwicklung und dann die technische Lösung planen. "Da sind wir Mitlernende." Und dann ist die Technik noch nicht bezahlt.

Der Städtetag schätze "sehr konservativ" 5000 Euro pro Klassenzimmer. Dazu kommen die Geräte. "Eine Riesendimension für Freiburg mit über 70 Schulen", sagte Stuchlik neulich bei einem Besuch der Landtagsgrünen Sandra Boser im FG. "Das schaffen wir nicht, abgesehen davon, dass wir noch sanieren müssen." Außer dem Land sieht Stuchlik den Bund gefordert. "Das müsste man zu dritt heben."
Handy-Regeln

Am Friedrich-Gymnasium waren Handys verboten. Die Schule hat ihre Schulordnung geändert – und klare Regeln aufgestellt. Der Lehrer muss den Einsatz von Smartphones für eine Aufgabe erlauben. Die Schüler dürfen nur übers W-Lan mit Jugendschutz-Filter ins Internet und bekommen dafür eine Freigabe, die in der Pause verfällt. Hausaufgaben mit dem Smartphone dürfen keine Pflicht sein, weil nicht jeder eins hat. Apps dürfen nichts kosten. Für Bilder von Personen in der Schule ist deren Zustimmung ein Muss. Fürs W-Lan-Gerät gibt es in jedem Klassenzimmer einen Schalter, es wird zum Schutz vor Strahlung nur zeitweise aktiviert. Schüler und Lehrer loggen sich ein, das Protokoll soll Sicherheit schaffen. Das FG verfügt über eine eigene Cloud. Wenn die städtischen Tablets angeschafft sind, läuft darauf kein Whatsapp, Drop-Box und Co.

Mehr zum digitalen FG unter http://mehr.bz/fg-digi und die 60 Experimente mit Smartphones samt Apps unter http://mehr.bz/smarteschule

Autor: Simone Höhl