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05. Oktober 2016 13:01 Uhr

Landgericht Freiburg

Drei Männer wegen schweren Menschenhandels vor Gericht

Drei Männer haben Frauen aus der Ukraine und Moldawien mit falschen Versprechungen nach Südbaden gelockt. Hier mussten sie in Bordellen anschaffen gehen. Nun stehen die Zuhälter in Freiburg vor Gericht.

  1. Die Zuhälter haben die Not der Frauen ausgenutzt. Foto: dpa

Sie haben Frauen aus der Ukraine und Moldawien zur Prostitution in Bordellen in Freiburg, Villingen-Schwenningen und Hanau gezwungen und damit viel Geld gemacht. Deshalb stehen seit Mittwoch drei Männer im Alter zwischen 29 und 37 Jahren vor dem Landgericht Freiburg, zwei Kasachen und ein Russe. Die umfangreiche Anklage lautet auf schweren Menschenhandel zum Zwecke der sexuellen Ausbeutung von Frauen und Beihilfe.

Die drei Männer sollen die Frauen mit falschen Versprechungen gelockt haben – für die diese höchst empfänglich waren, schienen sie ihnen doch einen Ausweg zu bieten aus der blanken Not in ihren Heimatländern. Sechs Monate dürften sie in Deutschland arbeiten, wurde ihnen zugesagt, und dabei könnten sie monatlich netto zwischen 6000 und 8000 Euro verdienen.

Die Frauen konnten nicht mehr ausreisen

Dass die Helfer im Gegenzug jeden Monat 1500 Euro als eine Art Provision für gefälschte Ausweise aus Bulgarien, Polen oder Rumänien sowie die Arbeitsvermittlung verlangten, erschien ihnen unter diesen Umständen wohl bezahlbar. Also ließen sie sich auf Verträge mit einem der Angeklagten und dessen Gewährsmann in der Ukraine ein. Offenbar war nicht jeder der Frauen klar, dass damit Prostitution verbunden sein würde.

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In Freiburg angekommen, wurden ihnen, wie die Staatsanwältin berichtete, ihre echten Ausweise und die Touristenvisa für den Schengenraum abgenommen. So konnten sie nicht mehr ausreisen. Stattdessen wurden ihnen gefälschte Ausweise mit ihren Fotos ausgehändigt – für die Polizeikontrollen in den Bordellen. Es stellte sich zudem heraus, dass die Bordellbetreiber kräftig mitverdienen wollten: Sie forderten von den Frauen jeweils die Hälfte ihrer Tageseinnahmen.

Wer aussteigen wollte, erhielt Drohungen

Auch der Staat kassierte die illegal arbeitenden Frauen ab – mit einem Steuersatz von 25 Euro pro Tag an. Was den meisten Frauen danach an Geld übrig blieb, reichte kaum oder gar nicht mehr, um die 1500 Euro "Provision" zu zahlen. Also häuften sie Schulden an. Wollten sie vorzeitig aus ihren sogenannten Verträgen aussteigen und die Polizei informieren, gab es Drohungen seitens der jetzt angeklagten Männer. Am 9. Dezember 2015 wurden zwei von ihnen bei einer Razzia festgenommen. Sie sitzen seither in Untersuchungshaft, die Frauen kamen frei. Einer der Verbindungsmänner in der Ukraine ist zwischenzeitlich an Deutschland ausgeliefert worden – er wartet nun auf sein Gerichtsverfahren.

Am Montag wollen die Prozessbeteiligten auf Anregung der Richter hinter verschlossenen Türen beraten, ob man sich noch vor der komplizierten Beweisaufnahme über die Strafhöhe verständigen kann. Damit sich die Verteidiger in 1036 neue Aktenseiten, die ihnen erst vor zwei Tagen zugegangen sind, einlesen können, hat das Gericht die nächsten zwei von insgesamt neun Verhandlungstagen aufgehoben.

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Autor: Peter Sliwka