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06. Oktober 2011 17:25 Uhr

Gärten für Kindergärten

Eckart Witzigmann: "Gebt den Kindern Geschmacksunterricht!"

Frische Produkte statt Fast-Food: Jahrhundertkoch Eckart Witzigmann engagiert sich für ein Projekt, das Gärten in Kindergärten bringt. Aus Südbaden gärtnert die Freiburger Rappelkiste mit.

  1. Jahrhundertkoch Eckart Witzigmann mit Colombi-Küchenchef Alfred Klink, der auch ein Rezept zum Kinder-Garten-Koch-Buch beigesteuert hat. Foto: Michael Bamberger

Er gehört in seinem Fach zu den Größten überhaupt – und engagiert sich nun für die Kleinen. Eckart Witzigmann, der Jahrhundertkoch, hat ein Kinder-Garten-Koch-Buch herausgegeben. Das heißt "Gartenland in Kinderhand" und beschreibt wie Kindergärten einen eigenen Garten anlegen können. "Kinder müssen früh und spielerisch an das gesunde und abwechslungsreiche Essen herangeführt werden", sagte Witzigmann bei der Buchpräsentation vor rund 60 Erzieherinnen im Colombi-Hotel in Freiburg. In dem Band finden sich Rezepte von 16 Spitzenköchen für die Produkte aus dem eigenen Kinder-Garten.

"Gebt den Kindern Geschmacksunterricht", verkündete Eckart Witzigmann jetzt auch im Colombi sein Credo. Die Kinder dabei nicht zu Feinschmeckern gedrillt werden, aber sie sollten jenseits von Fast Food und Fertiggerichten gutes gesundes Essen mit regionalen Zutaten kennenlernen. Vor allem Kinder, die in der Stadt groß werden, wüssten oft nicht, was auf Äckern und Feldern der Region wachse, weiß Witzigmann. Der heute 70 Jahre alte Koch erinnert sich noch an den Geschmack seiner Kindheit: Wie er etwa als Kind bei Verwandten in Vorarlberg erste Bekanntschaft mit einer Muskatnuss machte, die er über eine Leberspätzlesuppe rieb: "Dieser Duft unwiderstehlich, ein unvergessliches Erlebnis".

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Das Garten-Projekt hat viele prominente Unterstützer

Unterstützt hat die Idee die Baden-Württemberg-Stiftung, die seit Herbst 2009 etliche Kindergarten-Gärten beim Projekt "Gartenland in Kinderhand – ein Garten für die Kita" in ganz Baden-Württemberg mit 500.000 Euro gefördert hat. Das Geld sollte als Anschubfinanzierung für die Anlage von Kräuter-, Blumen- und Gemüsegärten dienen. In Südbaden gärtnern die Kinder und Erzieherinnen des Kindergartens Rappelkiste im Freiburger Stadtteil Littenweiler mit.

Das Garten-Projekt hat viele prominente Unterstützer: "Es gibt kaum Wichtigeres, das wir unseren Kindern beibringen können, als ihnen zu zeigen, woher unser Essen kommt", schreibt Prince Charles, Englands oberster Biogärtner, in einem Vorwort. Zu Wort kommen Carlo Petrini, der Gründer der Slow-Food-Initiative und die amerikanische Spitzenköchin Alice Waters, die Witzigmann inspiriert hat. Waters kämpft schon lange für eine bessere Esserziehung in den USA, unter anderem mit Schulgarten-Projekten. Michelle Obamas Gemüsegarten beim Weißen Haus – das war Alice Walters Idee.

Auch südbadische Köche sind vertreten

Das Gartenprojekt stößt auch bei der Politik auf offene Ohren. "Wir sind auf dem Weg", sagt Freiburgs Schulbürgermeisterin Gerda Stuchlik. Wie der Drei-Sterne-Koch sieht sie beim Vermitteln der Esskultur die Eltern in der Pflicht.Doch gibt es Defizite. Das fange schon bei der ersten Mahlzeit des Tages an: "Viele Kinder kommen ohne Frühstück in die Schule", berichtete die Bürgermeisterin.

Das Buch bietet in seinem zweiten Teil auch jede Menge kindgerechte Rezepte zusammen gestellt von Spitzenköchen.

Von Südbadens Kochkünstlern sind Anibal Strubinger vom Schwarzen Adler in Oberbergen und Alfred Klink vom "Colombi" vertreten. Klink hat die Begeisterung fürs Kochen im Elternhaus vermittelt bekommen, wie er im Buch verrät. Seine 96-jährige Mutter bekoche ihn auch heute noch bei Besuchen mit Lieblingsgerichten wie Spätzle mit Linsen, Saure Kutteln mit Bratkartoffeln oder Kaiserschmarren.

INFO:
Gartenland in Kinderhand, Das Kinder-Garten-Koch-Buch, HamppVerlag, 19,80 Euro.

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Autor: Joachim Röderer